Eigentlich hat Hank Thomas (Austin Butler) wenig, worüber er sich beschweren könnte, wenn er einmal von seinem geplatzten Jugendtraum als Baseball-Legende absieht. Er arbeitet als Barkeeper, hat eine kleine Wohnung in New York und mit der kessen Krankenschwester Yvonne (Zoe Kravitz) eine tolle Frau an seiner Seite. Doch dieses unaufgeregte Leben erhält einen jähen Einschnitt, als Hank im Flur seines Hauses von zwei Gangstern aufgemischt wird, die auf der Suche nach seinem Nachbarn Russ (Matt Smith) sind. Dieser verschwand kurze Zeit zuvor recht mysteriös, nachdem er Hank noch seine Katze daließ und ihn bat, sich um diese zu kümmern. Kurz darauf steht auch die Polizei vor Hanks Tür, während jüdische Kriminelle sich nach dem Verbleib eines Schlüssels erkundigen. Hank kann sich nicht genau erklären wie, doch offensichtlich ist er plötzlich der Mittelpunkt einer echten Verbrechensreihe geworden, obwohl er der einzig Unschuldige darin zu sein scheint...
Mit Caught Stealing haben wir so etwas wie ein Paradebeispiel eines rundum guten und spannenden Films, der dennoch eine Enttäuschung darstellt. Und das hat natürlich etwas mit dem Regisseur zu tun, der auf den Namen Darren Aronofsky hört und bei dem sich Filmfans angesichts einer Filmografie, die über Black Swan bis hin zu Requiem for a Dream etliche Meisterwerke enthält, im Grunde bereits auf das nächste, wirklich faszinierend-andere Stück Kino einstellen. Dieses bekommt man aber diesmal nicht, sondern "nur" einen ziemlich spannenden, auch angenehm skurrilen und wendungsreichen Thriller. Keine schier brillante Ausgangslage, auch nicht das eine, ganz besondere Ding, das man bei Aronofsky irgendwie erwartet. Es fehlt an einem Alleinstellungsmerkmal, auch wenn der Regisseur die Bahnen des Genres größtmöglich ausdehnt. So gibt es gleich mehrere, hundsgemeine Überraschungen in diesen 106 Minuten und darüber hinaus auch noch eine ganze Menge schrägen Humors. Das führt dann auch dazu, dass beide Seiten der Medaille an und für sich ins Schwarze treffen, aber kein ganz homogenes Ganzes ergeben.
Denn obwohl das Drehbuch ausgefuchst genug ist, etliche Brotkrumen trotz eines heillosen (aber niemals unübersichtlichen) Chaos aus Figuren und Backgrounds bis zum Ende sehr rund zusammenzuführen, fehlt es an einer tonalen Einheit. So schien sich auch Aronofsky nie wirklich sicher zu sein, ob er hier nun eine wirklich ernstzunehmende Thriller-Abhandlung oder doch eine eher schräge Komödie drehen wollte. Wie beides zusammen funktioniert, zeigte im Grunde der hochgradig packende Lucky Number Slevin vor gut neunzehn Jahren - Aronofsky gelingt es hingegen nicht immer, die Gratwanderung zwischen Comedy und knallhartem Drama zu nehmen. So beißen sich einige sehr schräge Figuren und Witze mit manch einem ziemlich harten Schicksalsschlag, sodass die Fallhöhe zwischen albernem Murks und allerlei brutalen Wendungen sehr hoch ist. Das führt dazu, dass die dramatischen Eckpfeiler der Geschichte aufgrund des skurrilen Untertons nie so richtig in die Magengrube hauen können, während einem aufgrund der dramatischen Geschehnisse das Lachen eines zeitlich unpassend gesetzten Gags im Halse stecken bleibt.
Das wirkt dann zwar alles etwas uneben, ist aber trotzdem noch Unterhaltung auf einem hohen Niveau. In seiner wilden Inszenierung wird sich im Genre so gut es geht ausgetobt und die Jagd nach gleich mehreren MacGuffins wird bis zur absoluten Eskalationsstufe ausgekostet. Der Mittelpunkt ist dabei der fast schon zu normale Hank Thomas, dem Elvis-Star Austin Butler seinen bekannten Charme verleihen kann, der neben all den verrückt-brutalen Gangster-Abziehbildern aber bisweilen auch ein wenig unterzugehen droht. Die Besetzung ist darüber hinaus aber ungemein spielfreudig, die einzelnen Actionszenen haben hinsichtlich ihrer rohen Gewalt, aber auch ihrer angenehmen Kinetik ohne banale CGI-Effekte richtig was auf dem Kasten. So bleibt die Geschichte, auch wenn am Ende fast schon egal ist, wo sie sich hinwindet, bis zum Ende spannend, da man nie genau weiß, welche Grenze Aronofsky als nächstes überschreiten möchte. So richtig gelingen tut ihm das alles nicht, wenn er manchmal zu sehr aufs Gaspedal drückt und im nächsten Moment doch wieder nicht so weit geht, wie es nötig oder möglich gewesen wäre. Aber trotzdem: Ich hatte verflixt viel Spaß mit dieser rasanten Nummer.
Fazit: Tonal verheddert sich Aronofskys Gangster-Thriller immer wieder arg, wenn er gleichsam ein brutal dramatischer Gangster-Actioner und eine sehr skurrile Komödie sein möchte. Die verflixt temporeiche Inszenierung, der spielfreudige Cast sowie die originellen Figuren und die knackig-brutalen Actionszenen machen aber so viel Laune, dass man dennoch ziemlich mitgeht.
Note: 3+
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