Direkt zum Hauptbereich

Was passiert, wenns passiert ist

Wir kennen das Prinzip aus gelungenen Komödien wie "Happy New Year" oder dem grandiosen "Tatsächlich... Liebe". Viele, voneinander unabhängige Handlungsstränge, alle irgendwie unter einem Thema versammelt, eine Menge bekannter Namen, jede Menge Spaß, viel Romantik und mal mehr, mal weniger gelungene dramatische Einschübe: Der perfekte Film für alle, die nicht gegen Kitsch allergisch sind. Solche Streifen garantieren hohe Einnahmen und stoßen garantiert niemandem vor den Kopf. Und der 2012 erschienene "Was passiert, wenns passiert ist", der sich mit der Schwangerschaft und dem sehnsüchtigen Kinderwunsch auseinandersetzt, passt genau in diese Kerbe.

WAS PASSIERT, WENNS PASSIERT IST

Fünf Haupthandlungen hätten wir hier. Da wäre die strikt durchplanende Wendy Cooper (Elizabeth Banks) und ihr Ehemann Gary (Ben Falcone), die es nach langer Zeit endlich zu einer Schwangerschaft geschafft haben, die jedoch im Clinch mit Garys Vater Ramsey (Dennis Quaid) stehen, dessen bedeutend jüngere Frau Skyler (Brooklyn Decker) immer einen draufsetzen müssen und nun sogar Zwillinge erwarten. Dann die der Adoption zugetane Holly (Jennifer Lopez) mit ihrem Ehemann Alex (Rodrigo Santoro), der aber noch gar nicht so recht weiß, ob er zum Vatersein bereit ist. Und die B-Prominente Jules (Cameron Diaz), die von ihrem Tanzpartner einer Fernsehshow auf einmal ein Kind erwartet. Und schließlich die Teenagerin Rosie (Anna Kendrick), die nach einem One-Night-Stand mit dem charmanten Aufreißer Marco (Chace Crawford) auf einmal schwanger ist, was zu so einigen Problemen führt. Und Probleme, das haben die Paare während der neunmonatigen Schwangerschaft alle bald schnell...

Die Schwierigkeit bei so vielen unabhängig voneinander laufenden Handlungen ist, ihnen allen innerhalb von zwei Stunden gerecht zu werden. "Tatsächlich Liebe" lieferte dafür ein Paradebeispiel, wie man es richtig macht, der Film von Kirk Jones kann dabei erwartungsgemäß nicht konkurrieren. Einige der Konflikte wirken wie vom Reißbrett, der Humor ist banal und harmlos und zu mehr als zwei, drei Lachern und einem gelegentlichen Schmunzeln reicht es hier nicht. Und einige der der interessanten, wichtigen Krisen werden zum Schluss so beiläufig und durch unglaubwürdige 180-Grad-Wendungen der Charaktere geklärt, dass man mit einem leichten Stirnrunzeln in den Abspann geht. Das hinterlässt schon einen recht faden Beigeschmack, vor allem da die Schauspielleistungen hier doch zwiespältig ausfallen. Jennifer Lopez ist sowieso die Anti-Schauspielerin schlechthin und kriegt hier auch mal wieder wenig auf die Palette, dass aber gerade eine Elizabeth Banks mit ihrem übertriebenen und nicht ansatzweise lustigen Spiel schnell nur noch nervt, ist dann wirklich schade. Ansonsten bleibt aber ein, trotz der vielen, stets präsenten Schwächen, überraschend unterhaltsamer Film übrig. Dennis Quaid und Anna Kendrick sind ohnehin zwei viel zu gute Schauspieler, alsdass sie hier auch nur irgendetwas anbrennen lassen könnten und gerade letztere kann in dem mit Abstand interessantesten und bewegendsten Handlungsstrang einiges an Können zeigen. Auch Cameron Diaz überzeugt mit viel Selbstironie, der Rest der Darsteller macht einen soliden Job. Letzten Endes macht der Film einfach irgendwie Freude, was sowohl an den sympathischen Charakteren als auch am flotten Verlauf liegen dürfte, der keine spürbaren Längen zulässt und vor allem gegen Ende dann noch einmal mit bewegenden und fröhlich stimmenden Bildern überzeugt, auch wenn zwischenzeitlich immer wieder sanfte Dramatik, die dann auch dahin trifft, wo es wehtut, die Stimmung umschwenkt. Ein schöner Film, der zwar unausgegoren, nicht sonderlich lustig und ziemlich schnell vergessen ist... aber ans Herz geht und viele schöne Momente bietet.

Note: 3

 

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Eraser

Arnold Schwarzenegger, wohl neben Sylvester Stallone die Action-Ikone der 80er und 90er Jahre schlechthin, ist endlich zurück. Nachdem er sein Amt als Gouverneur von Kalifornien niedergelegt hat, dürfen wir ihn seit einiger Zeit endlich wieder in genügend rauen, spaßigen Actionfilmen wiedersehen. Auch wenn in der heutigen Zeit ganz klar Statham, Diesel und Co. die Actionhelden sind, macht es aber dennoch Spaß, den "Terminator"-Star wiederzusehen. Und natürlich auch seine vergangenen Filme, von denen ich bislang kaum einen gesehen habe und die ich nun mal nachholen möchte. Angefangen habe ich nun mit "Eraser" aus dem Jahr 1996... ERASER US-Marshall John Kruger (Arnold Schwarzenegger) arbeitet in einer geheimen Vereinigung der USA im Zeugenschutzprogramm. Darin beschützt er die Leben von Kronzeugen, welche vor Gericht Aussagen tätigen sollen und verschafft ihnen eine neue Identität, um sie vor dem Tod zu bewahren. Sein neuester Job ist eine junge Mitarbeiterin bei...

London Boulevard

Es gibt Filme, die lassen sich schlichtweg nicht in ein festes Genre pressen. Das kann ab und an richtig spannend sein, wenn sich ein Film nicht einem Stil hingibt, kann überraschen und fesseln, aber auch außer Kontrolle geraten und so irgendwann ziellos oder gar anstrengend und ungekonnt wirken. "London Boulevard" ist so ein Mischkind, welches über Thriller, Komödie, Drama und Gangster-Krimi alles mögliche abdecken will, dabei aber immer wieder unangenehm ins Trudeln gerät. LONDON BOULEVARD Mitchel (Colin Farrell) saß drei Jahre wegen gewalttätiger Vergehen im Gefängnis. Nach seiner Entlassung will er der kriminellen Szene, in welcher ihn sein ehemaliger Partner und Freund Billy (Ben Chaplin) immer wieder hineinzudrängen versucht, absagen und nimmt anstattdessen einen ehrlichen Job an: Als Personenschutz der berühmten Schauspielerin Charlotte (Keira Knightley) hält er der Frau aufdringliche Papparazzi vom Leib... und schnell kommen sich die beiden näher. Doch die Krimina...

Marvel's The Avengers

Es ist endlich soweit. Nachdem die Marvel-Studios mit fünf Einzelfilmen ihr großes Heldenzusammentreffen ausführlich vorbereitet haben, war es 2012 endlich soweit: In "The Avengers" treffen die aus den vorherigen Filmen bekannten Iron Man, Captain America, Thor und Co. endlich aufeinander für die eine, krachende Action-Sause. Eigentlich schien es unmöglich, dass dabei ein gelungener Film herauskommt, denn mit so vielen Charakteren noch ein homogenes Ganzes zu schaffen... daran sind schon eine Menge erfahrener Regisseure gescheitert. Aber Joss Whedon pfeift drauf und liefert tatsächlich den bisherigen Höhepunkt des Marvel Cinematic Universe ab. THE AVENGERS Bei Shield klingen alle Alarmglocken, als der bösartige Halbgott Loki (Tom Hiddleston) auf der Erde auftaucht. Er gelangt in den Besitz des Tesserakts, einer gigantischen Macht, mit welcher er die Menschheit unterjochen möchte. Nick Fury (Samuel L. Jackson) weiß nur noch eine Lösung, um Loki die Stirn bieten zu können: ...