Direkt zum Hauptbereich

Pans Labyrinth

Eigentlich sollte der spanische Regisseur Guillermo Del Toro anstatt der erneuten Verpflichtung von Peter Jackson für die "Hobbit"-Trilogie verantwortlich sein, welche im vergangenen Dezember ihr relativ blasses und unspektakuläres Ende auf den Kinoleinwänden nahm. Viele Fans würden sich wohl nachträglich wünschen, dass es so gekommen wäre, hatte sich Del Toro zuvor doch mit mehreren Filmen im düsteren Fantasy-Kino für diesen Job klargemacht... einer davon ist sicherlich der finstere "Pans Labyrinth", welcher die Welten Fantasy, Drama und Kriegsfilm zu einer beeindruckenden Mixtur vereint.

PANS LABYRINTH

Das junge Mädchen Ofelia (Ivana Baquero) reist während des spanischen Bürgerkrieges 1944 gemeinsam mit ihrer Mutter Carmen (Ariadna Gil) zu dem Posten des Hauptmanns Vidal (Sergi Lopez). Er heiratete Carmen nach dem Tod ihres Ehemannes und Ofelias leiblichem Vater. Ofelia, offensichtlich eingeschüchtert von den groben Erziehungsmethoden Vidals und seinen brutalen Taten, die er gegen die Rebellen, die sich nah am Posten verschanzen, ausführt, verkriecht sich in Träumereien und trifft dabei die mystische Kreatur Pan (Doug Jones), welches in dem Mädchen die Inkarnation einer verstorbenen Prinzessin sieht, welche er zurück in ihr Königreich lotsen möchte. Doch dafür muss Ofelia drei schwierige Prüfungen bestehen...

Direkt zu Beginn sollte man anmerken, dass "Pans Labyrinth" nicht jedem gefallen wird. Als Fantasy-Film beworben werden Fans des Genres größtenteils im Regen stehen gelassen, denn hier gibt es keine fantastischen Welten oder epische Schlachten zu bewundern. Anstattdessen konzentriert sich der Film auf seine Hauptprotagonistin, ihre privaten Probleme und Ängste und definiert diese durch das Auftreten der ein oder anderen fantastischen Kreatur, um ihre Angst und Einsamkeit klarzustellen. Dass dieser seltsame Mix so gut funktioniert, liegt besonders an Regisseur Del Toro, welcher die spannende, aber dennoch recht einfach gehaltene Geschichte in wunderbar düstere Bilder tunkt und so für ein Gefühl sorgt, einfach in den Film hineingezogen zu werden. Die einfallsreichen und kreativen Ideen der Fantasy-Nebenhandlung beißen sich glücklicherweise kaum mit den sehr ernsten Kriegsgeschehnissen und machen "Pans Labyrinth" zu einer abwechslungsreichen Tortur durch verschiedene Genres, die sich passend die Klinke in die Hand geben. Das ist bis zu einem gewissen punkt vorhersehbar und auch relativ kitschig, umfährt jedoch auch diese Klippen sehr gekonnt, indem uns die großen Gefühle menschlich und nahbar präsentiert werden. Ganz besonders loben muss man hier auch die Detailversessenheit... wo die Effekte nicht immer überzeugen, sind es besonders die grandiose Ausstattung und das fasznierende Make-Up, welches hier einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Eindrucksvoll ist der Film auch in Einzelszenarien... besonders die Flucht vor dem grauenvollen Kinderfresser ist einer der Momente, der noch lange nachwirkt und an den man sich erinnern wird, wenn der restliche Film schon bald in Vergessenheit gerät, was dank einiger Längen in der zweiten Hälfte doch recht schnell passieren dürfte. Dazu wurde ein wundervoller Soundtrack gedichtet und überzeugende Schauspieler gecastet, vor allem der mit einer erschreckenden Leichtigkeit agierende Sergi Lopez als kalter und bösartiger Hauptmann Vidal liefert eine beachtliche Leistung. Leider ist es einzig die damals noch sehr junge Ivana Baquero, die in der Hauptrolle der Ofelia ein wenig hölzern wirkt und nicht immer überzeugend spielt. Das sind jedoch Kinkerlitzchen, denn insgesamt ist der Film ein beachtliches Porträt geworden, welches verschiedene Genres vereint, dabei sehr düster und teilweise erschreckend brutal ist (die FSK 16 dürfte nur ganz knapp erreicht worden sein) und mit einer bezaubernden Optik überzeugt. Kein Film für die Ewigkeit, aber der Beweis, dass Guillermo Del Toro in Sachen horrorartige Fantasy so schnell keiner etwas vormacht. Hätte er doch nur den "Hobbit" inszeniert...

Note: 2-

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Das Ende dieses Blogs

 An all meine treuen Leser*innen, ich machs kurz: Dieser Blog hat an dieser Stelle sein Ende gefunden. Gut zwölf Jahre haben sich meine Film- und Serienreviews hier angesammelt, doch nun werden sie an einer anderen Stelle ausgelagert. Ich bin mit meinen Filmreviews auf Letterboxd umgezogen, mein Account dort lautet Flolli und ihr findet ihn unter diesem Link:  https://boxd.it/jOAkX Meine Serienkritiken findet ihr zudem unter dem gleichnamigen Account auf Serializd:  https://www.serializd.com/user/Flolli/profile Zudem gibt es auch (seltener, aber ebenfalls erwähnenswert) Kritiken zu storylastigen Videospielen auf Backloggd:  https://backloggd.com/u/Flolli/ Ich hoffe, einige meiner treuen Leser*innen auf diesen Plattformen wieder zu treffen und euch auch dort noch genügend Lesestoff bieten zu können - es hat sich dort jedenfalls schon einiges angesammelt :) Auf bald, euer Flo

London Boulevard

Es gibt Filme, die lassen sich schlichtweg nicht in ein festes Genre pressen. Das kann ab und an richtig spannend sein, wenn sich ein Film nicht einem Stil hingibt, kann überraschen und fesseln, aber auch außer Kontrolle geraten und so irgendwann ziellos oder gar anstrengend und ungekonnt wirken. "London Boulevard" ist so ein Mischkind, welches über Thriller, Komödie, Drama und Gangster-Krimi alles mögliche abdecken will, dabei aber immer wieder unangenehm ins Trudeln gerät. LONDON BOULEVARD Mitchel (Colin Farrell) saß drei Jahre wegen gewalttätiger Vergehen im Gefängnis. Nach seiner Entlassung will er der kriminellen Szene, in welcher ihn sein ehemaliger Partner und Freund Billy (Ben Chaplin) immer wieder hineinzudrängen versucht, absagen und nimmt anstattdessen einen ehrlichen Job an: Als Personenschutz der berühmten Schauspielerin Charlotte (Keira Knightley) hält er der Frau aufdringliche Papparazzi vom Leib... und schnell kommen sich die beiden näher. Doch die Krimina...

Anna und die Apokalypse

Teenagerin Anna (Ella Hunt) lebt eigentlich ein recht herkömmliches Highschool-Leben mit Verehrern, Hausaufgaben und manch einer jugendlichen Tragödie. Statt sich Schulfesten hinzugeben, ackert sie jedoch lieber für ein Flugticket raus aus den USA, um auf Reisen zu gehen. Diese Pläne werden jedoch plötzlich durchkreuzt, als in Annas Stadt eine Zombie-Apokalypse ausbricht. Erst nehmen sie und Annas und Freunde diese Sache mit Humor, doch als die Ernsthaftigkeit der Situation über sie hereinbricht, greifen sie zu allem, was sich durch einen Zombieschädel bohren lässt, um sich den Weg zur Highschool freizukämpfen. Dort sitzt nämlich Annas Vater Tony (Mark Benton) unter dem Kommando des verrückten Schulleiters Savage (Paul Kaye) fest... Man merkt schon - wirklich ernstnehmen tun die Macher rund um Regisseur John McPhail das immer noch allseits beliebte Zombie-Thema hier nicht und verpacken es daher dann auch, was in dieser Form tatsächlich noch unverbraucht ist, in ein buntes Musical. ...