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Als du mich sahst

Eigentlich hatte sie nur einen Camping-Urlaub geplant, um endlich mal abzuschalten, doch dann muss die vierzigjährige Kunsthändlerin Solene (Anne Hathaway) spontan einspringen, um ihre sechzehnjährige Tochter Izzy (Ella Rubin) und ihre Freunde auf ein Musikfestival zu begleiten, auf welchem unter anderem die berühmte Boyband August Moon auftreten soll. Durch einen anfänglich recht peinlichen Zufall rennt Solene dabei dem Sänger Hayes Campbell (Nicholas Galitzine) über den Weg und zumindest um ihn ist es sogleich geschehen - er verguckt sich förmlich aus dem Stand in die sechzehn Jahre ältere Frau. Daraufhin nutzt Hayes seine Mittel, um Solene wiederzufinden und es erblüht eine gewisse Leidenschaft zwischen den beiden. Schon bald merkt Solene jedoch, dass das Leben ihres möglichen Partners enorme Nachteile hat, die sich nicht nur auf sie, sondern auch auf ihre Tochter auswirken...

Anfänglich konnte ich mir noch keinen Reim darauf machen, was nun die unglaublich erfolgreiche Oscarpreisträgerin Anne Hathaway dazu bewogen hatte, in diesem Film die Hauptrolle zu übernehmen, rechnete ich doch mit einer reichlich sentimentalen und kitschigen Abhandlung des altbekannten Themas "Normale Frau verliebt sich in weltberühmten Popstar". Und es dauerte auch eine ganze Weile, bis der Groschen bei mir fiel, denn die erste Hälfte dieses Films ist so ziemlich genau das, was man erwarten durfte: In reichlich kitschigen Dialogen, die sich ziemlich ziehen können und mit einem recht langsamen Tempo wird hier eine zwar charmante, aber eben so auch schon oft gesehene Liebesgeschichte erzählt, die bisweilen in arg seifenopernhafte Konflikte abrutscht. Da werden dann viele Tränen des Liebeskummers vergossen, natürlich mischt sich der eifersüchtige Ex-Ehemann ein und immer wieder fallen sich die beiden Liebenden schmachtend in die Arme, sehen sich tief in die Augen und knutschen wild, während im Hintergrund ein schmachtiger Popfetzen erklingt.
Klingt nun alles ziemlich öde, oder? Ist es aber letztendlich nicht. Denn "Als du mich sahst" dreht die altbekannte Geschichte auf eine naheliegende und dennoch sehr treffsichere Art und Weise um, indem er schlicht und einfach das Alter einer der Figuren verändert. Vorbei sind ja zum Glück schon lange die Geschichten, in denen junge Frauen wesentlich älteren Männern verfielen und dies nicht mehr kritisch hinterfragt wurde (was man auch nicht muss, aber dieses Prozedere galt in Hollywood ja lange als völlige Normalität). Hier ist es aber nun eine ältere Frau, welcher der junge Popstar verfällt und das sorgt aus dem Stand heraus schon für eine deutlich feministischere Herangehensweise an das ansonsten reichlich abgeschmackte Thema. So werden dabei frische Konflikte angesprochen, die zwar bisweilen etwas mit dem Holzhammer abgeklopft werden, aber dennoch eine Dringlichkeit besitzen... besonders wenn auf knallharte Art und Weise Themen wie die sozialen Medien, Vorurteile und Sexismus (inklusive gegenüber Frauen mit jüngeren, männlichen Partnern) angesprochen werden.
In diesen Momenten bewegt sich "Als du mich sahst" dann auch deutlich weg von der RomCom, als die er beworben wurde, und erzählt glaubhafte, wichtige Drama-Geschichten, die vor allem die weibliche Hauptfigur ebenso ambivalent wie nachvollziehbar in den Fokus stellen. Und da wird dann auch klar, was eine Feministin und einen Mega-Star wie Anne Hathaway dazu bewogen hat, genau diesen Film zu machen - weil er unter der (immer noch sehr kitschigen) Oberfläche doch einiges zu erzählen hat, über das man nachdenken kann. Das negiert nicht die zahlreichen Längen, die innerhalb der deutlich zu gestreckten Laufzeit von beinahe zwei Stunden auftreten; und es lässt auch die zahlreichen, klischeehaften Nebenfiguren, die für allerlei banale Nebenkonflikte zuständig sind, nicht besser aussehen. Da die Chemie zwischen Hathaway und ihrem mindestens ebenso stark aufspielenden Co-Star Nicholas Galitzine aber wirklich stimmig ist und man ihnen ihre gemeinsamen Liebesdramen somit ohne mit der Wimper zu zucken abnimmt, reißt die ganze Nummer dennoch immer wieder mit... auch wenn die letztendliche Lösung des großen Konflikts schon beim geringsten Nachdenken doch nicht so sinnvoll ausfällt und das etwas mutlose Ende daher nicht wirklich überzeugt und zu simpel daherkommt.

Fazit: Zu lang, zu kitschig, zu seifenopernhaft... und dennoch kraftvoll, wichtig, aktuell und ergreifend. Dank der stimmigen Chemie zwischen Hathaway und Galitzine sowie einigen feinen Ideen innerhalb der bisweilen düsteren Dramaturgie weiß "Als du mich sahst" immer wieder zu bewegen und nachdenklich zu stimmen.

Note: 3



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