Code 3

Randy (Rainn Wilson) arbeitet schon seit vielen Jahren als Rettungssanitäter und hat im Grunde schon alles gesehen - über zerfetzte Körper, abgerissene Gliedmaßen und tote Kinder. Und da er im Gegensatz zu Ärzten und Krankenschwestern nur einen Hungerlohn verdient, sich dafür völlig überarbeitet und nicht einmal Dank für seine Arbeit erntet, hat er auch endgültig genug. Randy möchte sich nach einem anderen, normaleren Job umsehen und seine Arbeit als Sanitäter endlich an den Nagel hängen. Vorher steht jedoch noch eine 24-Stunden-Schicht im Rettungswagen an der Seite seines Dauerkollegen Mike (Lil Rel Howery) und der Medizinstudentin Jessica (Aimee Carrero), die von den beiden angelernt werden will. Was dieser Tag bereithält, erstaunt Jessica mehr als einmal, in jeglicher Hinsicht... während Mike und vor allem Randy darüber aber meist nur müde lächeln können.

Erst letztes Jahr sorgte die deutsch-schweizerische Koproduktion Heldin für wahre Begeisterungsstürme, folgten wir dabei doch völlig ungeschönt und deswegen so intensiv der Schicht einer Krankenpflegerin auf einer komplett unterbesetzten Station. Der amerikanische, hier in Deutschland aber leider nur direkt für den Heimvideomarkt veröffentlichte Film Code 3 schlägt dabei im Grunde in eine ähnliche Kerbe. Auch hier sehen wir eine durchgehende Arbeitsschicht von einem maßlos überarbeiteten Helden, wobei mehrfach ganz offensive Schelten gegen das Gesundheitssystem ausgepackt werden. Auch hier macht man sich keine Mühe, das bisweilen grafische und auch an die Psyche gehende Geschehen abzumildern, sondern lässt den Alltag eines Rettungssanitäters für sich sprechen. Anders als das zuvor genannte Beispiel ist der Tonfall aber zumindest teilweise anders, denn Code 3 ist zwar in erster Linie ein ziemlich heftiges Drama, versteht sich zum Teil aber auch als schwarze Komödie.
Wie in einer (noch etwas düstereren) Version von Scrubs - Die Anfänger stehen hier Lachen und Weinen nämlich sehr nah beieinander - da kann sich schon mal die schockierende Erzählung über einen toten Säugling plötzlich in einen tiefschwarzen Witz verwandeln. Und ohne nun wirklich zu wissen, wie realistisch diese Filme sind, bin ich der Annahme, dass dieser bisweilen ziemlich bösartig-komische Tonfall der wahren Stimmung in einem Krankenwagen vielleicht doch am nächsten kommen kann. Passend besetzte man dafür die beiden männlichen Hauptrollen mit Schauspielern, die vordergründig aus Komödien bekannt sind, hier aber vor allem bezüglich Rainn Wilson zeigen, dass sie auch knallharten und dramatischen Stoffen mehr als gewachsen sind. Gerade Sahara-Star Wilson erschafft hier nämlich im Handumdrehen einen ebenso originellen wie grandios geschriebenen Charakter, der stets zwischen cholerischem Haudrauf und schier depressivem Frührentner wechselt.
Und obwohl man durchaus was zu Lachen hat, so geschieht hier kein Witz der reinen Albernheit wegen. Noch nie war eine wahre Kotzfontäne innerhalb einer Komödie wohl so angebracht wie hier - in einem Rettungswagen, wo solcherlei ekelhafte Zwischenfälle der Alltag sind. Code 3 ist dementsprechend auch keine Satire, sondern versteht sich als nur manchmal etwas überspitzte Abbildung eines Alltags, von dem wir Normalos eigentlich gar nichts wissen wollen... selbst wenn wir neugierig nachfragen. In den letzten Minuten mag der Film dabei etwas zu sehr in Richtung Kitsch gehen und hat an ein paar Stationen auch die Moralkeule noch recht dick auftragend geschwungen - wobei solcherlei bei solch einem wichtigen Thema im Grunde auch angebracht ist. Im direkten Vergleich gibt es auch genug Szenen, die nicht dick auftragen müssen, um nachdrücklich zu schockieren. Hier versteht es der Film meisterhaft, den sehr schwierigen Balance-Akt zwischen schwarzer Komödie und brutalem Drama hinzubekommen und zeitgleich spannende, ambivalente Figuren zu kreieren, die in Dialogfeuerwerken ebenso glänzen wie in hochspannenden Szenen, bei denen jede Sekunde zählt. Das wirkt dann (zumindest auf mich als Laien) nicht nur hochrealistisch, sondern auch wie eine nötige Verbeugung vor den Helden und Heldinnen, die insgesamt viel zu wenig gewürdigt werden.

Fazit: Hochspannend, dabei bisweilen bitterböse und erstaunlich witzig, ohne dem sehr ernsten Tonfall des Themas im Wege zu stehen. Eine hochgradig schwierige Kombination, die hier aber ebenso leichtfüßig wie bewegend und fesselnd gelingt... und dabei neben einem grandiosen Rainn Wilson auch einige echte Highlights auffährt, an die man sowohl in Sachen Comedy als auch in Sachen Drama noch lange zurückdenken wird.

Note: 2



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