Sie ist gerade einmal vierunddreißig Jahre alt, als sie aufgrund ihres ins Regierungskabinett berufenden Vorgängers Bill Moore (Albert Brooks) plötzlich zur Gouverneurin ihres Bundesstaats aufsteigt: Ella McCay (Emma Mackey) muss sich in ihrem Amt nun mit allerlei Schund herumschlagen, wovor ihr Mentor Moore sie bereits warnte. Neben einem aufdringlichen Reporter, der ihr eine finstere Geschichte rund um ihren Ehemann Ryan (Jack Lowden) andichten möchte, muss sie sich jedoch auch mit ihrem leiblichen Vater Eddie (Woody Harrelson) auseinandersetzen - zu dem hatte sie zwar schon vor fünfzehn Jahren den Kontakt abgebrochen, nachdem er ihre Mutter und seine Frau Claire (Rebecca Hall) betrogen hatte, doch nun besteht Eddie auf eine Versöhnung. Zum Glück steht Ella ihre Tante Helen (Jamie Lee Curtis) zur Seite, doch auch diese ist nicht immer fähig, all das abzuwenden, was auf die junge Frau in der politischen Schlammschlacht wartet...
Eigentlich hätte Ella McCay Anfang Januar in den deutschen Kinos anlaufen sollen. Nachdem die Kritiken aus den USA jedoch recht mau ausfielen und der Film sich auf den Leinwänden zu einem finanziellen Flop mauserte, verzichtete man hierzulande auf einen Kinostart und brachte das Werk nur einen Monat später auf dem Streamingdienst Disney Plus heraus. Das ist insbesondere deswegen schade, da hier ein echter Kultregisseur nach rund fünfzehn Jahren Pause zurückgekehrt ist und eine solche Rückkehr eigentlich auch entsprechend bewundert gehört. James L. Brooks hat Filmfans dabei vor allem die dramatischen Klassiker Zeit der Zärtlichkeit sowie den mehrfach ausgezeichneten Besser geht's nicht geschenkt - so gewann der großartige Jack Nicholson zwei seiner drei Oscars unter Brooks' Regie. Und der neueste Film dieses Regisseurs soll nun recht sang- und klanglos auf einem Streamingdienst sinnieren, wovon angesichts der geringen Werbemaßnahmen wohl kaum jemand Notiz nehmen wird? Das ist wirklich traurig, spricht aber auch Bände über das derzeitige Streaming-Zeitalter.
Man sollte aber auch nicht zu arg in Lobhudelei verfallen, denn man muss auch einsehen, dass Brooks hier kein neues Meisterwerk gelungen ist - dass Filmfans in zwanzig Jahren über Ella McCay ähnlich enthusiastisch sprechen wie über Besser geht's nicht, dürfte ausgeschlossen sein. Das liegt vor allem der titelgebenden Hauptfigur selbst, die zwar durchweg sympathisch ist und eine starke, entschlossene und vor allem selbstständige Frau in den Mittelpunkt stellt, der man die Daumen drücken mag. Abseits ihrer Schwäche, einfache Themen und Entscheidungen zu zerdenken, reibt sich allerdings wenig an dieser Ella McCay, weswegen man zu dem Entschluss kommt, dass man dieser zwar gerne folgt, sie aber auch nicht wirklich interessant findet. Ella möchte das Gute, bestenfalls für alle, vor allem aber für Kinder, arme Menschen und Frauen. Ehrenwerte und richtige Motive, in einem filmischen Drama, wo es auch um spannende Figuren gehen sollte, ist diese Ella mit ihrer durchgehenden Attitüde, stets das Gute zu wollen, aber auch ein bisschen langweilig.
Deutlich spannender sind da die Nebenfiguren, da sich hier auch echte Egomanen und Fieslinge tummeln, diese aber (bis auf eine klare Ausnahme) niemals zu echten, einseitigen Feindbildern erklärt werden. Und da Hollywood springt, wenn Brooks anklopft, kann man hier auch wieder einer echten Star-Riege beim Arbeiten zusehen, was angesichts der flotten Dialoge und einem netten Händchen fürs Timing durchaus Spaß macht. Es mag hier und da ein bisschen zu viel sein, was sich Brooks hier an aktuellen Themen ausgesucht hat, um diese in zwei Stunden zu verwerten, weswegen einige Handlungen etwas klischeehaft abgehandelt werden müssen, um noch reinzupassen. Gerade der Handlungsstrang rund um Ellas mit einer Angststörung lebenden Bruder wirkt in seinem eigenen Drama ein bisschen wie ein Fremdkörper. Immerhin: Da der Film so voll ist, kommt trotz beinahe zwei Stunden Laufzeit keine Langeweile auf und Barbie-Star Emma Mackey macht ihre Sache in der Hauptrolle ebenfalls sehr gut. Aber muss man eigentlich noch erwähnen, dass Jamie Lee Curtis in einer Nebenrolle mal wieder allen Beteiligten mit herrlichen Gesten und grandiosen, trockenen Onelinern so dermaßen die Schau stiehlt, dass man schon wieder völlig begeistert von ihr ist? Nein? Dann spare ich diese Selbstverständlichkeit an dieser Stelle einfach aus und lobe die Besetzung insgesamt als eine, die sich wirklich sehen lassen kann.
Fazit: Da die Hauptfigur etwas zu glatt und langweilig daherkommt, kommt der neue Film von Regisseur James Brooks nie wirklich in Schwung - obwohl eigentlich stets sehr viel los ist. Angenehm sind jedoch die punktgenauen Dialoge, die gut aufgelegte Starbesetzung und einige Momente, die durchaus zu Herzen gehen.
Note: 3-
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