Pet - Wenn du etwas liebst, lass es nicht los

Der introvertierte Alleingänger Seth (Dominic Monaghan) arbeitet in einem Tierheim und versteht sich mit den dortigen, tierischen Bewohnern deutlich besser als mit seinen menschlichen Kollegen. Das ändert sich, als er im Bus seine ehemalige Schulkameradin Holly (Ksenia Solo) wiedertrifft. Obwohl diese seinen Avancen ausweicht, beschließt Seth, mehr über die junge Frau herauszufinden und überrascht sie schließlich sogar an ihrem Arbeitsplatz. Als Holly ihm mehr als eindeutig zu verstehen gibt, dass sie von ihm nichts wissen will, eskaliert die Situation. Denn Seth hat sich entschlossen, dass Holly noch einiges über die wahre Liebe zu lernen hat... und möchte ihr deswegen auf seine ganz eigene Art helfen.

Zu Beginn nimmt sich "Pet", der in Deutschland keinen Kinostart hatte und im Jahr 2016 nur auf Blu-Ray und DVD erschien, viel Zeit, um seine beiden Figuren zu erzählen. Besonders dem Eigentümler Seth folgen wir dabei über längere Zeit, wenn wir sowohl seinen Arbeitsalltag als auch seine recht tollpatschigen Versuche kennenlernen, bei der von ihm wenig beeindruckten Holly aufzufallen. Man kann fast schon ein wenig Mitleid haben mit diesem Kerl, der eigentlich nur gemocht werden möchte, dabei aber bei allen Menschen um ihn herum gegen eine Wand zu rennen scheint. Diese seltsame Sympathie verschiebt sich mit der Zeit, wenn Seth plötzlich über Grenzen geht und seine eigenen Ziele mit einer rigorosen, angsteinflößenden und dennoch sentimentalen Art verfolgt. "Lost"-Star Dominic Monaghan spielt diesen Eigenbrödler mit einer nicht immer gänzlich glaubwürdigen, aber faszinierenden Ader, die aus seinem Seth einen ambivalenten Charakter macht.
Man glaubt zu diesem Zeitpunkt auch ziemlich genau zu wissen, wohin der Hase läuft und eine etwas brutalere und bösere Mischung aus "You" und "Dexter" zu sehen, wobei Seth als der klare Antagonist auftritt. Tatsächlich erwartet uns in der Mitte jedoch ein Twist, der die ganze Nummer auf beeindruckende Art auf Links dreht und aus dem scheinbaren Psycho-Duell noch mal etwas ganz anderes zaubert. Auch wenn man "Pet" dabei nicht zu sehr auf seine innere Glaubwürdigkeit abklopfen sollte, geht der Film mit seinen beiden zentralen Figuren sehr spannend um und dreht das Karussell immer wieder in verschiedene Richtungen, sodass trotz des begrenzten Handlungsspielraums keinerlei echte Langeweile aufkommt. Nur hin und wieder verirrt sich der Film dann doch in vorhersehbaren Klischees, denn besonders der Werdegang einer bestimmten Nebenfigur dürfte nur diejenigen überraschen, die im Horror-Kino wirklich noch gar keine Erfahrungen gesammelt haben.
Und obwohl uns "Pet" immer wieder überrascht und durch die solide Performance Monaghans sowie die noch stärkere, weil erstaunlich widerspenstige Darstellung von "Black Swan"-Star Ksenia Solo eine durchgehende Anspannung hervorruft, hält der Film dieses Tempo nicht ganz durch. Trotz einiger starker Wendungen kann die Handlung sich nicht bis zum Schluss über Wasser halten und dreht sich einige Male doch noch im Kreis, kommt nicht so recht auf den Punkt. Das Publikum weiß ab einem bestimmten Punkt dann doch zu viel, sodass der (immerhin ziemlich düstere und mutige) Schluss nicht mehr viel herausreißt, doch zu erwartungsgemäß verläuft. Auch bleibt man, obwohl man Zeit und Mühen für diesen Punkt opfert, in Sachen Psychogramm der beiden Hauptfiguren noch etwas zu oberflächlich, lässt sie manchmal nur auf der reinen Behauptungsebene fungieren. Da fällt dann auch der Einsatz von Jennette McCurdy als Holly's Mitbewohnerin negativ auf - ein größerer Name in einer jedoch kleinen Rolle, der offensichtlich als Köder ausgelegt wurde, um noch ein paar Fans abzugreifen, der in dieser Hinsicht aber seltsam unauserzählt verbleibt.

Fazit: "Pet" hält dank seiner ambivalent und überraschend geschriebenen Charaktere sowie einigen cleveren Wendungen die Aufmerksamkeit aufrecht. Trotzdem können auch diese gelegentlichen Highlights nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die Handlung oft im Kreis dreht und das Psychogramm letztendlich zu oft nur auf der Behauptungsebene Sinn ergibt.

Note: 3



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