Der mutige Cowboy Emmett (Scott Glenn) ist auf dem Weg nach Turley. Dort will er seinen kleinen Bruder Jake (Kevin Costner) treffen, um mit ihm weiter nach Kalifornien zu reisen. Auf dem Weg wird Emmett von Banditen angegriffen, die er jedoch vertreiben kann. Weniger gut geht es da dem älteren Paden (Kevin Kline), der von den Gaunern bis aufs Hemd ausgeraubt wird. Paden und Emmett schließen sich zusammen und treffen die Banditen in einer nahen Stadt wieder, wo sie auch Jake begegnen. Der sitzt mittlerweile wegen Mordes im Knast und soll am nächsten Morgen gehängt werden, beteuert jedoch, dass er aus reiner Notwehr gehandelt hat. Um den draufgängerischen Jungspund zu befreien, müssen Emmett und Paden zusammenarbeiten und sich dabei auch mit den korrupten Sheriff's des Städtchens anlegen...
Im Jahr 1985 spielte der Western für das Kino keine große Rolle mehr. Fantasy- und Science-Fiction-Filme hatten das Blockbuster-Segment übernommen und die ehemals so beliebten Geschichten über Cowboys, Banditen und Pferdediebe abgelöst. Das wusste natürlich auch Lawrence Kasdan aus eigener Hand, hatte dieser nur zwei Jahre zuvor mit "Die Rückkehr der Jedi-Ritter" das damalige, große Finale der "Star Wars"-Saga abgeliefert und für massig klingelnde Kassen gesorgt. Und dann war gerade er es, der dem Western einen kleinen Weckruf gestatten sollte... und dabei fast zeitgleich mit Clint Eastwoods "Pale Rider" lief. Der Versuch ging auf und der Western erhielt eine kleine Renaissance, die später in groß besprochenen Werken wie "Erbarmungslos" (ebenfalls mit Clint Eastwood) gipfelte, auch wenn das Genre bis heute nicht zu der Blüte zurückkehrte, die es vor allen in den 60ern und 70ern inne hatte.
Unter diesem Gesichtspunkt wirkt "Silverado" (sicherlich gewollt) sowohl nostalgisch als auch altbacken. Alles, was Western-Fans an bekannten Klischees zu sehen erwarten, gibt es hier und ironische Brüche oder große Neuerungen, um dem Genre etwas Frisches abzugewinnen, muss man wenn überhaupt mit der Lupe suchen. Es wirkt somit auf gewisse Art und Weise befriedigend, schwingende Salon-Türen, eiskalte Revolver-Duelle und hergerichtete Galgen für die morgige Hinrichtung zu sehen, da uns all das an vergangene Kino-Zeiten erinnert. Aber es ist eben auch schon vor vierzig Jahren ein wenig überholt gewesen und wirkt daher so, als wären keinerlei neue Ideen dagewesen, sondern einfach nur der Wunsch, die alten Gefühle von damals noch einmal hervorzurufen... mit allem, was da eben so gewesen ist. Für mich, der mit Western ohnehin immer eher fremdelt, gibt es dabei kaum nostalgische Bezüge - mit mir machen diese Elemente leider herzlich wenig. Dementsprechend empfand ich die reichlich umständlich erzählte Geschichte, die gleich mehreren Figuren auf ihren ganz eigenen Reisen folgt, als langatmig und wirr.
Da "Silverado" an so vielen Eckpunkten verschiedene Dinge zu erzählen hat, wirkt der Tonfall bisweilen etwas uneben und die komödiantischen, lockeren Elemente beißen sich gehörig mit einigen dramatischen, düsteren Szenen. Besonders die Geschichte des mit Rassismus konfrontierten Schwarzen Mal, gespielt von "Lethal Weapon"-Star Danny Glover, wirkt dabei wie nachträglich hinzugefügt in einen eigentlich wesentlich heiteren, spaßigeren Film. Immerhin ist die Besetzung aber bis in die kleinsten Nebenrollen erstklassig: Costner, Kline und Glenn spielen ihre klischeehaften Charaktere ebenso klischeehaft, dafür aber mit einer Menge Gravitas und (besonders im Falle Costners) mit enormer Spielfreude. Daneben gibt es aber auch einige echte Originale unter den Nebenfiguren, so zum Beispiel die resolute Barbesitzerin Stella oder der ebenso charmante wie hinterlistige Calvin Stanhope, der von Jeff Goldblum mit seiner bekannt-berüchtigten, ultra-lockeren Art dargestellt wird. Oben drauf kommen natürlich einige beeindruckende Landschafts-Panoramen und detailreiche, aufwendige Sets und Bauten. Auch hier: Nichts, was man von anderen, älteren Western-Filmen nicht bereits kennt, aber dennoch durchaus charmant und atmosphärisch.
Fazit: "Silverado" bietet alles, was Western-Fans lieben - klassische Action, eine dichte Atmosphäre und charmante Stars. Das war vor vierzig Jahren aber auch schon etwas altbacken und ließ sich das Genre nicht weiterentwickeln. Zudem stört die mehr als umständlich erzählte und deswegen immer wieder sehr zäh anmutende Handlung, die unter Wagenladungen von altbekannten Klischees ächzt.
Note: 4+
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