Australien, 1850: Als angesehener und ungemein tüchtiger Chirurg hat sich Jack Dawkins (Thomas Brodie-Sangster) einen Namen gemacht. Ausgerechnet ein Kartenspiel mit dem berüchtigten Hafenmeister Darius Cracksworth (?) bringt ihn nun jedoch in Schwierigkeiten und plötzlich schuldet er den falschen Leuten jede Menge Geld, welches er nicht hat. Kurz darauf rennt er zudem seinem Ziehvater Fagin (David Thewlis), der ihn vor vielen Jahren als Kind sich selbst überließ, in die Arme - dieser reißt den eigentlich sehr moralischen Jack sogleich wieder mit sich und führt ihn ins kriminelle Milieu der Stadt ein. Das bringt weitere Probleme mit sich, die schließlich zu einer Erpressung seitens der Gouverneurstochter Lady Belle Fox (Maia Mitchell) führen - diese möchte von Jack zur ersten weiblichen Chirurgin ausgebildet werden und nimmt ihn deswegen schier in Geiselhaft, da sonst gar der Strick auf ihn und Fagin warten könnte...
Ursprünglich war The Artful Dodger auf Hulu mal als abgeschlossene Mini-Serie gedacht, was durchaus überrascht, wenn man sich die erste Staffel (die ja eigentlich auch gleich die letzte sein sollte) nun mal ansieht. Über weite Strecken fühlt sie sich nämlich nicht wie eine Mini-Serie an, sondern wie eine typische Serie aus einer anderen Zeit, bei der es in jeder Episode ein kleineres oder größeres Problem zu lösen gilt, während die übergeordnete Haupthandlung rund um die Charaktere immer wieder in paar Schritte nach vorne geht, ohne dabei aber jetzt allzu sehr in Eile zu geraten. Das hat durchaus Charme, es fehlt hier und da aber auch an dem roten Faden, der für Mini-Serien aufgrund der begrenzten Handlungszeit eigentlich gesetzt ist. Auch das Finale fühlt sich danach an, als müsste da dringend noch was kommen - viele Fragen bleiben offen und die Charaktere wirken eher wie von der Leine gelassen als wirklich einem klaren Abschluss entgegen gehend. Dass es anschließend also doch noch zu einer Fortsetzung kam, überrascht dementsprechend nicht, sondern ist nur folgerichtig.
Da die Serie schnell viele Fans gewann, war die Fortsetzung dann auch kein großes Risiko. Ich hingegen war nur streckenweise überzeugt von dem, was mir hier über acht Episoden erzählt wurde. So mochte ich die meisten Figuren und hatte auch große Freude an dem beträchtlichen, schwarzen Humor, der angesichts der damals noch nicht so breit erforschten, medizinischen Lage durchaus treffsicher daherkommt. Auch einige Konflikte sind ziemlich spannend, allerdings spielt man hier bisweilen auch mit deutlichen Klischees: Der Bösewicht ist richtig hassenswert, ohne jede Ambivalenz und die durchweg vorhersehbare, wenn auch ziemlich charmante Liebesgeschichte hat hier und da einen gewissen Soap-Faktor, ebenso wie Jacks Konkurrenz mit einem anderen Chirurgen. Jack Dawkins selbst kommt zudem als reichlich glatter Held daher, der im Grunde keine echten Schwächen hat und dessen Probleme stets von außen kommen - das macht ihn sympathisch, aber nicht sonderlich spannend. Im direkten Vergleich ist der doppelzüngige Fagin, bei dem man nie genau weiß, ob er einem nicht bald in den Rücken fallen wird, wesentlich packender geschrieben.
Der Cast macht seine Sache durchweg gut und langjährige Filmfans dürften sich durchaus freuen, dass es Thomas Brodie-Sangster (der kleine Junge aus dem Weihnachts-Klassiker Tatsächlich Liebe) nun gar zu einer Hauptrolle in einer gar nicht mal so kleinen Serie geschafft hat. Dass ihm Charakterdarsteller wie David Thewlis dabei den Rang ablaufen, hat vor allem mit dem Drehbuch zu tun, welches Jack Dawkins einfach etwas zu zahm und simpel zeichnet. Der Look hat mir zudem gut gefallen, die Sets sind akribisch nachgebaut, auch wenn sich hier und da ein kleiner Studio-Vibe einschleicht. Es ist nichts dabei, was wirklich ärgerlich wäre an dieser Serie, aber auch zu wenig, was wirklich hängenbleibt oder packt. Der emotionale Showdown sorgt tatsächlich für einiges an Herzklopfen, allerdings überschlagen sich die Ereignisse doch etwas zu schnell, nachdem die Serie im Grunde lange herumgedümpelt ist... auch wenn dieses Herumdümpeln über weite Strecken unterhaltsam war. Letztendlich tut The Artful Dodger niemandem weh, ist beizeiten sogar richtig witzig und spannend, aber der so wichtige Funke wollte bei mir zumindest in der ersten Staffel nie richtig überspringen.
Fazit: Locker-leichte, oftmals auch angenehm schwarzhumorige Show, die ein wenig an zu seichten Konflikten und einer etwas zahmen Hauptfigur scheitert, aber trotzdem oft genug spannende und teils sogar erleuchtende Unterhaltung bietet... wenn auch ohne großen Nachhall.
Note: 3
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