Der Musikstar Herb McGwyer (Tom Basden) wird auf die Insel Wallis Island bestellt, um dort ein Konzert zu geben. Schon die Ankunft verläuft dabei alles andere als glanzvoll, als Herb nicht in einem Hotel untergebracht wird, sondern in dem privaten Wohnhaus des Einwohners Charles Heath (Tim Key). Als Herb dann auch noch erfährt, dass Charles ihn für einen privaten Gig gebucht hat und der etwas seltsame Inselbewohner dementsprechend der einzige Zuschauer sein soll und zudem auch noch Herbs Ex-Freundin und ehemalige Musikerin Nell Mortimer (Carey Mulligan) eingeladen wurde, möchte Herb die Reißleine ziehen. Allerdings wartet auch eine halbe Million Dollar an Gage auf den Künstler, die er aufgrund all des Leids, welches er nun bereits auf sich genommen hat, eigentlich nicht einfach in den Wind schlagen will...
Die Charakterkonstellation ist gleich zu Beginn herrlich witzig. Auf der einen Seite der schlecht gelaunte Musiker, der schon beim Anblick der wolkenbehangenen Insel, die ohne einen Hafen, dafür aber mit allerlei schwer zu besteigender Felsklüfte aufwartet, im Grunde nur noch umdrehen will. Und ihm gegenüber der ständig plaudernde Charles, für den Privatsphäre ein Relikt der Vergangenheit zu sein scheint, der sich anders herum aber auch nicht wirklich darum schert, dass ihn die Leute für seltsam halten. In einer typischen US-Komödie wäre Charles wahrscheinlich von Stichtag-Star Zach Galifianakis gespielt worden, um aus dem "weirden" Einsiedler auch eine möglichst peinliche Nummer zu machen. Tim Key hingegen verleiht diesem Charles trotz aller seltsamer Eigenschaften und allerlei Fehltritte eine gewisse Traurigkeit, die durchaus zu Herzen geht.
Dieser vor allem zu Beginn brodelnde Konflikt, wenn die beiden Männer quasi alleine auf dieser Insel campieren, während Herb selbst nach und nach herausfindet, in was für einen Gig er hier hineingeraten ist, macht eine Menge Freude. Das Drehbuch verrät keine der Figuren an irgendwelche Lachnummern und weicht diversen Klischees dabei recht galant aus. Es gibt einiges zu lachen, aber niemals irgendwelche großen Schenkelklopfer - stattdessen bleiben beide Hauptfiguren angenehm greifbar, obwohl gerade Herb zu Beginn noch den Archetyp eines verzogenen Promis darstellt und mit seinem Verhalten, wenn auch immer wieder nachvollziehbar, ordentlich aneckt. Dass genau dieser sozial scheue Musiker, der selbst bei einer Gage von einer halbe Million Dollar noch an Kleinigkeiten herumzickt, im Verlaufe der Geschichte noch die ein oder andere Lektion lernen wird, ist dabei natürlich klar wie Kloßbrühe.
Und an diesen Stellen schwächelt The Ballad of Wallis Island dann auch ein wenig, denn die Wandlung des egomanischen Musikers hin zum mehr Herz zeigenden, offenen Mann verläuft schon sehr typisch. Auch wenn man banalem Kitsch so gut es geht ausweicht, so bleibt die Geschichte arg vorhersehbar - und das Aufstocken der Charaktere durch eine verflossene Liebe der Hauptfigur, die ebenfalls auf die Insel eingeladen wird und dabei alte Konflikte wieder hochkochen lässt, kommt tatsächlich sehr eindimensional daher. So bleibt der Film vor allem aufgrund seines zurückhaltenden Humors, der immer irgendwie nachvollziehbar eingeflochten wird, zwar durchweg sympathisch, hangelt sich letztendlich aber doch zu eindeutig an den typischen Eckpunkten des Genres entlang. Das Herz berühren und hin und wieder auch das Zwerchfell treffen - das gelingt ihm immer wieder. Aber die Zwischenepisoden begeistern dafür nicht so ganz.
Fazit: Den durchaus sympathisch-drolligen Konflikt kann der Film aufgrund einiger schematisch wirkender Plotpoints später nicht ganz auf dem Siedepunkt halten. Der feine Humor und das spürbare Herz der Geschichte bleiben aber bis zum Ende angenehm.
Note: 3
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