Das britische Königshaus sieht sich mit Gerüchten konfrontiert, dass etwas innerhalb der Ehe zwischen Queen Elizabeth (Claire Foy) und ihrem Gatten Philip (Matt Smith) brodeln würde. Da hilft es auch nur bedingt, dass Philip sich gerade auf eine fünfmonatige Weltreise aufmacht, um mehrere Verpflichtungen auf allen fünf Kontinenten anzugehen, während Elizabeth selbst in England bleibt. Die Stimmung wirkt ohnehin eisig, da Philip weiterhin mit seiner Position im Buckingham Palace hadert, sich nicht genug gesehen und ernst genommen fühlt. Zudem wird das Königshaus in einen schwelenden Konflikt hineingezogen, als iranische Truppen nach Ägypten vordringen. Jederzeit könnte dieser schwelende Brandherd zu einer Eskalation führen und Elizabeth muss sich entscheiden, welche Position sie in dieser kritischen Situation einnehmen möchte, um einen Krieg zu verhindern...
Eigentlich könnte ich mich mit dieser Kritik kurz fassen und einfach nur anmerken, dass die zweite Staffel von "The Crown" ebenso wie die erste hochgradig packende Fernseh-Unterhaltung bietet, die exakt auf den gleichen Qualitäten wie zuvor aufbaut. Dementsprechend ist die Cinematographie mal wieder zum Küssen schön - der Bildaufbau, die Kamera, die unglaublich detaillierten und spektakulären Sets, die musikalische Untermalung, alles aus einem beeindruckenden Guss, ein Fest für Augen und Ohren. Der namhafte Cast macht seine Sache wie gehabt großartig, wobei sich besonders Vanessa Kirby neben den weiterhin brillierenden Claire Foy und "Official Secrets"-Star Matt Smith noch mal nach vorne spielen darf. Und um die zwngsläufig ausgeschiedenen Mimen zu ersetzen, die hier nun allenfalls (wenn überhaupt) nur noch in kurzen Flashback-Auftritten zu sehen sind, hat man sich ebenfalls nicht lumpen lassen und weitere Stars aufgeboten, die den bekannten Persönlichkeiten schauspielerisches Leben einhauchen und immer wieder für Aha-Momente sorgen. Wobei aber natürlich klar ist, dass ein solch großartiger Mime wie John Lithgow, der zuvor als Winston Churchill für einige der großartigsten Szenen sorgte, hier natürlich eine Lücke hinterlässt - man spürt sein Fehlen durchaus.
Das ist also alles nach wie vor großartiger Serienstoff, der auch noch ein bisschen pikanter von den gar nicht so trockenen, sondern sogar ziemlich aufsehenerregenden Hintergründen rund um die britische Krone erzählt. Trotzdem fiel mir während der zweiten Staffel ein dramaturgischer Ansatz auf, der mir nicht ganz schmeckte und so zwar auch schon in der ersten Season zugegen war, aber dabei nicht ganz so sehr störte. So hat man sich nun auf das Konzept gestützt, ein mediales Ereignis pro Folge abzuarbeiten... und dieses zumeist später nicht mehr aufzugreifen. An und für sich sind alle Episoden brillant geschriebenes TV-Kino, die in sich geschlossen spannend, dramatisch und zudem ausgesprochen aufschlussreich sind. Allerdings wirkt es manchmal auch wie das Abhaken einer Checkliste, wenn nach und nach einzelne Begebenheiten und Skandale dieser Zeitepoche (hier nun vor allem die 50er und 60er Jahre) abarbeitet - wie eine Zeitreise aus dem Blickwinkel des Königshauses. Das sorgt dafür, dass die allumfassende Dramaturgie nicht immer sauber wirkt und einzelne, persönliche Schicksale bisweilen entweder lange aufgeschoben oder sogar abgeschnitten werden, um in der nächsten Folge mit etwas ganz anderem weiterzumachen.
Das führt zwangsläufig natürlich auch zu Zeitsprüngen, da auch diese Staffel wieder mehrere Jahre umfasst. Oftmals sind diese klug gewählt, in manchen Momenten hatte ich jedoch das Gefühl, dass ein plötzlicher Sprung um Monate nach vorne auch einige interessante Szenen verschleiert. So zum Beispiel rund um einen Konflikt mit Elizabeth's Schwester Margaret, wo ein spezieller Dialog im Grunde dazu einlädt, dass nun plötzlich massive Bewegungen zu verzeichnen sind... die Story aber plötzlich springt und diese spannenden Gegebenheiten einfach auslässt. Das ist schade und sorgt dafür, dass ein wenig Potenzial flöten geht, auch wenn im direkten Kontrast natürlich mit mindestens ebenso interessanten Dingen weitergemacht wird. Die Dramaturgie ist jedoch insofern schlüssig, dass wir hier immer noch zentralen Figuren (oder eben Persönlichkeiten) dabei zusehen, wie sie sich über die Jahre und die einzelnen Konflikte und Skandale, denen sie sich stellen müssen, wachsen und reifen. Besonders interessant sind da natürlich die ganz persönlichen Konflikte zwischen den Mitgliedern des Königshauses, die diesmal auch mit viel Herz dargeboten werden und zeigen, dass diese Menschen nicht bloß Adelige in schmucken Klamotten sind, sondern Personen, die man um ihre Stellung gar nicht mehr so sehr beneiden möchte.
Fazit: Hin und wieder hatte ich das Gefühl, dass die Episodenstruktur etwas zu strukturell abläuft und gewisse, sehr persönliche Plots nicht mit genügend Aufmerksamkeit beschenkt. Trotzdem ist auch die zweite Staffel von "The Crown" noch extrem packendes, aufschlussreiches Historienkino mit einem formidablen Cast und prunkvoll ausgestatteten Bildern.
Note: 3+
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