Direkt zum Hauptbereich

Wicked: Teil 2

Seit Elphaba (Cynthia Erivo) als "böse Hexe" betitelt wurde und sich im Smaragdpalast von ihrer Freundin Galinda (Ariana Grande) getrennt hat, ist ein Jahr vergangen. Seitdem kämpft Elphaba unerbittlich dafür, die Geheimnisse des Zauberers (Jeff Goldblum) aufzudecken und der Bevölkerung von Oz zu beweisen, dass sie es mit einem Scharlatan zu tun haben. Doch keiner möchte ihr glauben, auch da Madame Akaber (Michelle Yeoh) eine Schmutzkampagne gegen ihre Feindin führt. Die einzige Hoffnung scheint Galinda zu sein, die zwischen ihren Pflichten als neue Anführerin und ihrer Freundschaft zu Elphaba steht. Letztendlich soll jedoch ein junges Mädchen, welches unverhofft nach Oz gelangt, der Unterschied sein, der den Kampf zwischen den beiden Freundinnen entscheidet...

Gemeinhin gilt die zweite Hälfte des populären Musicals, auf dessen Grundlage dieser Zweiteiler fürs Kino entstand, bei Fans als weniger gelungen - die Songs seien schwächer, die Geschichte weniger emotional und die Verschmelzung mit dem Kultklassiker Der Zauberer von Oz gelinge nicht so recht. Vielleicht war der Hype deswegen nicht mehr so groß, als der zweite Teil rund ein Jahr nach dem ersten ins Kino kam... und das obwohl dieser damals euphorisch besprochen wurde, Fans rund um den Erdball vor allem aufgrund der beiden Hauptdarstellerinnen in Verzückung versetzte und dann sage und schreibe zehn (!) Oscarnominierungen einfuhr. Dass Teil 2 nun nicht eine einzige Nominierung erhält, beweist ganz klar, wie sehr auch die Academy Awards mittlerweile auf Hype-Trains aufspringen, denn selbst wenn manche ihn als weniger gelungen als den Vorgänger einschätzen, so ist er zumindest visuell ohne Diskussion mindestens ebenso grandios... wenn nicht gar besser. Dass es zumindest auf technischer Ebene keine Nominierungen gab, hat dann weniger mit schlechteren Tricks, sondern einfach nur damit zu tun, dass Wicked: Teil 2 weniger Aufsehen erregte.
Und ich halte ganz klar dagegen: Für mich, der das Musical so bis jetzt nicht kennt, war der zweite Teil sogar noch dein deutlicher Fortschritt zum Vorgänger, den ich ebenfalls bereits ungemein charmant und beeindruckend fand, der aber dramaturgisch durchaus auch seine Schwächen hatte. Sicherlich besitzt der erste Teil die charmanteren Charaktermomente: Er ist witziger, nimmt sich mehr Zeit für die Belange seiner Figuren und hat einen ganz besonderen Blick auf die aufkeimende Freundschaft der beiden Hauptfiguren. Der zweite Teil geht da nicht mehr ganz so arg ins Detail, weil er durchaus einiges zu erzählen hat und sich damit bisweilen beeilen muss. Deswegen weicht die weitestgehend sehr heitere und bunte Atmosphäre auch einem düstereren Touch, der so aber auch nur passend ist. Die Geschichte wird konsequent weiter und schließlich zu Ende erzählt, die Figuren sind ihren kindlichen Schuhen entwachsen, nun geht es um erwachsenere Themen. Dass der Fantasy-Charme durch allerlei originelle Figuren und fantastische Welten dabei niemals verloren geht, ist dem Film ebenso hoch anzurechnen wie dessen visuelle Opulenz, wodurch Bilder entstehen, an denen man sich kaum sattsehen kann.
Auch Ariana Grande und Pinocchio-Star Cynthia Erivo agieren mindestens so beeindruckend wie im ersten Film - wo es an komödiantischen Szenen diesmal natürlich mangelt, macht vor allem Grande dies mit einer ebenso kraftvollen wie mit mehr Nuancen behafteten Darstellung wett. Und über Jeff Goldblum als Zauberer muss man wohl kaum noch Worte verlieren: Einfach nur in jedem Atom seines Seins köstlich. Zudem empfand ich die Songs gar noch als ein Stückchen besser als zuvor und die zahlreichen Anspielungen auf das große Original, wobei der Film nun sogar über weite Strecken parallel zu Der Zauberer von Oz spielt, gelingen vollumfänglich hervorragend. Wicked: Teil 2 verbindet somit auf bestem Wege Nostalgie mit neuen Ideen, denkt die Figuren und die Handlung weiter, erlaubt sich aber auch, das Publikum immer wieder mit dem abzuholen, was sie kannten und mochten. Hin und wieder schwankt der Tonfall zwar unpassend, wenn auf eine hochdramatische Szene rund um das Schicksal einer Figur urplötzlich eine ziemlich unlustige Slapstick-Parade folgt, welche die vorhergehende Düsternis völlig aushebelt. Aber auch das sind nur einzelne, kleine Fehlerchen in einer ansonsten sehr sauberen, beeindruckenden und emotional ungemein kraftvollen Erzählung. Das hier ist purer, aber wunderschöner Kitsch, der zum Träumen einlädt. Da ist es fast schon schade, dass diese Geschichte nach zwei Filmen schon wieder vorbei ist... auch wenn dieses Ende ungemein befriedigend und für Fans aller Lager sehr erhellend ist.

Fazit: Wicked 2 überflügelt seinen Vorgänger, indem die Geschichte klug weitergedacht wird, die Figuren und die fantastische Welt aber ihren Charme behalten. Mit grandiosen Musical-Einlagen, einem tollen Cast und Bildern, die visuell ungemein opulent daherkommen, hat man hier ein Fantasy-Abenteuer mit Herz und Verstand - gemeinsam mit dem ersten Teil ergibt dies rund fünf Stunden großartige Unterhaltung für alle, die ein Faible für Kitsch und Musicals mitbringen.

Note: 2



Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Das Ende dieses Blogs

 An all meine treuen Leser*innen, ich machs kurz: Dieser Blog hat an dieser Stelle sein Ende gefunden. Gut zwölf Jahre haben sich meine Film- und Serienreviews hier angesammelt, doch nun werden sie an einer anderen Stelle ausgelagert. Ich bin mit meinen Filmreviews auf Letterboxd umgezogen, mein Account dort lautet Flolli und ihr findet ihn unter diesem Link:  https://boxd.it/jOAkX Meine Serienkritiken findet ihr zudem unter dem gleichnamigen Account auf Serializd:  https://www.serializd.com/user/Flolli/profile Zudem gibt es auch (seltener, aber ebenfalls erwähnenswert) Kritiken zu storylastigen Videospielen auf Backloggd:  https://backloggd.com/u/Flolli/ Ich hoffe, einige meiner treuen Leser*innen auf diesen Plattformen wieder zu treffen und euch auch dort noch genügend Lesestoff bieten zu können - es hat sich dort jedenfalls schon einiges angesammelt :) Auf bald, euer Flo

London Boulevard

Es gibt Filme, die lassen sich schlichtweg nicht in ein festes Genre pressen. Das kann ab und an richtig spannend sein, wenn sich ein Film nicht einem Stil hingibt, kann überraschen und fesseln, aber auch außer Kontrolle geraten und so irgendwann ziellos oder gar anstrengend und ungekonnt wirken. "London Boulevard" ist so ein Mischkind, welches über Thriller, Komödie, Drama und Gangster-Krimi alles mögliche abdecken will, dabei aber immer wieder unangenehm ins Trudeln gerät. LONDON BOULEVARD Mitchel (Colin Farrell) saß drei Jahre wegen gewalttätiger Vergehen im Gefängnis. Nach seiner Entlassung will er der kriminellen Szene, in welcher ihn sein ehemaliger Partner und Freund Billy (Ben Chaplin) immer wieder hineinzudrängen versucht, absagen und nimmt anstattdessen einen ehrlichen Job an: Als Personenschutz der berühmten Schauspielerin Charlotte (Keira Knightley) hält er der Frau aufdringliche Papparazzi vom Leib... und schnell kommen sich die beiden näher. Doch die Krimina...

Anna und die Apokalypse

Teenagerin Anna (Ella Hunt) lebt eigentlich ein recht herkömmliches Highschool-Leben mit Verehrern, Hausaufgaben und manch einer jugendlichen Tragödie. Statt sich Schulfesten hinzugeben, ackert sie jedoch lieber für ein Flugticket raus aus den USA, um auf Reisen zu gehen. Diese Pläne werden jedoch plötzlich durchkreuzt, als in Annas Stadt eine Zombie-Apokalypse ausbricht. Erst nehmen sie und Annas und Freunde diese Sache mit Humor, doch als die Ernsthaftigkeit der Situation über sie hereinbricht, greifen sie zu allem, was sich durch einen Zombieschädel bohren lässt, um sich den Weg zur Highschool freizukämpfen. Dort sitzt nämlich Annas Vater Tony (Mark Benton) unter dem Kommando des verrückten Schulleiters Savage (Paul Kaye) fest... Man merkt schon - wirklich ernstnehmen tun die Macher rund um Regisseur John McPhail das immer noch allseits beliebte Zombie-Thema hier nicht und verpacken es daher dann auch, was in dieser Form tatsächlich noch unverbraucht ist, in ein buntes Musical. ...