Direkt zum Hauptbereich

Das Bildnis des Dorian Gray (2009)

Es wird oft gemeckert, dass Bücher nicht vorlagengerecht verfilmt werden, aber wie sollte das denn auch möglich sein? Dass Schinken wie "Der Herr der Ringe" oder "Harry Potter" eben nicht so auf die Leinwand gehievt werden können, dass sie jede einzelne Szene aus dem Buch enthalten, ist natürlich schade, aber nicht anders machbar. Erstaunlich ist jedoch, dass ein "nur" 200 Seiten langes Buch für zwei Stunden Film adaptiert wurde und sich dabei trotzdem weit von der Vorlage entfernt. So habe ich es zumindest gehört, da ich das Buch nicht kenne, doch auch beim alleinigen Sehen des Filmes wird schon schnell klar, dass das so alles ein ziemlicher Mischmasch ist, der so in der Vorlage sicherlich verständlicher ist.

DAS BILDNIS DES DORIAN GRAY

Als Dorian Gray (Ben Barnes) wegen dem Tod seines Großvaters nach London zurückkommt, lernt er auf einer Party den selbstbewusst wirkenden Lord Henry Wotton (Colin Firth) kennen. Dieser legt dem harmlosen Jüngling nahe, das Leben auszukosten, solange er noch jung und schön sei, denn diese Attribute würden ihm nicht für immer bleiben. Nach anfänglichem Zweifel stürzt sich Gray dann tatsächlich in den schmutzigen, sexuell aufgeladenen Rausch von London, gibt sich Sex, Alkohol und Drogen hin. Einzig ein unnatürlich detailreiches Gemälde, welches Grays guter Freund Basil (Ben Chapman) von ihm zeichnete, wirft Fragen auf. Denn schon bald wird Gray klar, dass er selbst nicht zu altern oder zu verunstalten scheint... das Gemälde von ihm jedoch schon.

Eine recht interessante Geschichte, die sich hier auftut. Die mittlerweile ja doch recht alte Vorlage stellt gewisse Fragen und Reize gegeneinander und zumindest die Rahmenhandlung gefiel mir genügend, als dass ich mir diese in schriftlicher Form doch mal zulegen sollte. Filmisch scheint Regisseur Oliver Parker dieses Konstrukt jedoch kaum bändigen zu können. Die Charaktere werden schnell zur Staffage, wir erfahren zu wenig über sie, wofür eigentlich die ohnehin recht langatmige und anstrengende erste Hälfte hätte genutzt werden können. Vieles ist hier bloße Behauptung, doch da sich nichts entwickelt, Wendungen plötzlich kommen und Emotionen auf Sparflamme kochen, der Stil klar über die Substanz siegt, bleibt der Zuschauer unbeteiligt. Klar, die Bilder sind wunderbar komponiert, teils gewagt (auch wenn bei einem solchen Thema ruhig mehr auch mehr gewesen wäre, aber es ist ja noch immer Mainstream und mehr als eine FSk 16 wollte man wohl auch nicht haben), teils wunderbar düster und erinnern in ihrem Stil an das grandiose Burton-Musical "Sweeney Todd". Die Geschichte kann damit jedoch nicht mithalten, verstrickt sich immer weiter, öffnet sich nicht und bleibt so störend an der Oberfläche. Interessante Themen werden nur angeschnitten und gehen schnell in den starken Bildern und den teilweise gut treffenden Horror-Effekten unter. Die Schauspieler haben dabei nur wenig Gelegenheit, um zu glänzen. Ben Barnes bleibt in der Titelrolle größtenteils blass, auch wenn er im Verlauf der Handlung spürbar besser wird. Colin Firth ist natürlich brillant, aber das durfte man von ihm auch erwarten. Und große Namen wie Rebecca Hall, Fiona Shaw und Rachel Hurd-Wood müssen sich mit kleinen, ungenügend ausgestatteten Rollen begnügen, in denen sie wie Fußbälle wehrlos durch die Story gekickt werden. Wie ich hörte, soll all dies in der Vorlage weitaus besser gelungen sein, weswegen ich die Geschichte an sich nicht verteufeln möchte. In diesem Film bleibt davon allerdings wenig übrig. Es ist trotz Längen unterhaltsam, recht spannend, sieht gut aus und traut sich etwas (zu wenig). Da bleibt nicht viel hängen, was eine klare Enttäuschung ist... es hätte aber durchaus schlimmer kommen können.

Note: 4+

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Das Ende dieses Blogs

 An all meine treuen Leser*innen, ich machs kurz: Dieser Blog hat an dieser Stelle sein Ende gefunden. Gut zwölf Jahre haben sich meine Film- und Serienreviews hier angesammelt, doch nun werden sie an einer anderen Stelle ausgelagert. Ich bin mit meinen Filmreviews auf Letterboxd umgezogen, mein Account dort lautet Flolli und ihr findet ihn unter diesem Link:  https://boxd.it/jOAkX Meine Serienkritiken findet ihr zudem unter dem gleichnamigen Account auf Serializd:  https://www.serializd.com/user/Flolli/profile Zudem gibt es auch (seltener, aber ebenfalls erwähnenswert) Kritiken zu storylastigen Videospielen auf Backloggd:  https://backloggd.com/u/Flolli/ Ich hoffe, einige meiner treuen Leser*innen auf diesen Plattformen wieder zu treffen und euch auch dort noch genügend Lesestoff bieten zu können - es hat sich dort jedenfalls schon einiges angesammelt :) Auf bald, euer Flo

London Boulevard

Es gibt Filme, die lassen sich schlichtweg nicht in ein festes Genre pressen. Das kann ab und an richtig spannend sein, wenn sich ein Film nicht einem Stil hingibt, kann überraschen und fesseln, aber auch außer Kontrolle geraten und so irgendwann ziellos oder gar anstrengend und ungekonnt wirken. "London Boulevard" ist so ein Mischkind, welches über Thriller, Komödie, Drama und Gangster-Krimi alles mögliche abdecken will, dabei aber immer wieder unangenehm ins Trudeln gerät. LONDON BOULEVARD Mitchel (Colin Farrell) saß drei Jahre wegen gewalttätiger Vergehen im Gefängnis. Nach seiner Entlassung will er der kriminellen Szene, in welcher ihn sein ehemaliger Partner und Freund Billy (Ben Chaplin) immer wieder hineinzudrängen versucht, absagen und nimmt anstattdessen einen ehrlichen Job an: Als Personenschutz der berühmten Schauspielerin Charlotte (Keira Knightley) hält er der Frau aufdringliche Papparazzi vom Leib... und schnell kommen sich die beiden näher. Doch die Krimina...

Anna und die Apokalypse

Teenagerin Anna (Ella Hunt) lebt eigentlich ein recht herkömmliches Highschool-Leben mit Verehrern, Hausaufgaben und manch einer jugendlichen Tragödie. Statt sich Schulfesten hinzugeben, ackert sie jedoch lieber für ein Flugticket raus aus den USA, um auf Reisen zu gehen. Diese Pläne werden jedoch plötzlich durchkreuzt, als in Annas Stadt eine Zombie-Apokalypse ausbricht. Erst nehmen sie und Annas und Freunde diese Sache mit Humor, doch als die Ernsthaftigkeit der Situation über sie hereinbricht, greifen sie zu allem, was sich durch einen Zombieschädel bohren lässt, um sich den Weg zur Highschool freizukämpfen. Dort sitzt nämlich Annas Vater Tony (Mark Benton) unter dem Kommando des verrückten Schulleiters Savage (Paul Kaye) fest... Man merkt schon - wirklich ernstnehmen tun die Macher rund um Regisseur John McPhail das immer noch allseits beliebte Zombie-Thema hier nicht und verpacken es daher dann auch, was in dieser Form tatsächlich noch unverbraucht ist, in ein buntes Musical. ...