Direkt zum Hauptbereich

Can a Song Save Your Life?

Vor einigen Wochen hatte ich im Rahmen der Schauspielschule die Aufgabe, einen Song zu singen, der mich emotional berührt. Das war tatsächlich eine der schwierigsten Aufgaben, der ich mich bislang als Schauspieler in Ausbildung stellen musste, nicht, weil ich Angst davor hatte, vor Leuten zu singen, sondern weil es tatsächlich keinen nennenswerten Song gibt, der mich wirklich emotional aus den Socken haut. Als Filmfan bin ich hingezogen zu instrumentaler Musik, verstehe generell auch wenig von Gesang und lausche lieber Instrumenten als singenden Menschen. Dennoch habe ich einen gewissen Bezug zu Musicals und auch zu Musikfilmen, weswegen es keine große Überraschung ist, dass mir "Can a Song Save Your Life?" gut gefallen hat.

CAN A SONG SAVE YOUR LIFE?

Der ehemals erfolgreiche Musikproduzent Dan Mulligan (Mark Ruffalo) hat soeben seinen Job bei einem hochkarätigen Musiklabel verloren, als er, eigentlich mit dem Ziel, sich bloß voller Frust volllaufen zu lassen, in einer Bar die Hobby-Musikerin Gretta (Keira Knightley) trifft, die sich soeben von ihrem Freund Dave Kohl (Adam Levine), einem berühmten Musikstar, getrennt hat. Gretta stimmt eher unfreiwillig einen selbst komponierten Song an, Dan ist begeistert und überredet sie zur Aufnahme eines Albums. Doch da sein ehemaliger Chef Saul (Mos Def) die beiden nicht unterstützen möchte, nehmen Dan und Gretta das Ding selbst in die Hand... und wagen einige frische, unverbrauchte Ideen.

Und frisch und unverbraucht fühlt sich somit auch der Film an. Er erfindet das Rad sicher nicht neu, erzählt jedoch eine schöne und immer wieder einfühlsam-ehrliche Geschichte über Abgründe und wie man aus ihnen wieder herausklettern kann. Identifikationspotenzial ist da und das wird bei den hübsch gestalteten Charakteren auch gut genutzt. Sie sind Menschen wie du und ich, Menschen mit Problemen, Menschen mit Träumen und Menschen mit Zukunftsängsten. Der Film zeigt, dass man auch mit einfachen Mitteln seinen Träumen folgen kann und somit, fernab von materiellen Besitztümern oder kreischenden Groupies, glücklich sein kann... wenn man es denn nur mit genug Selbstbewusstsein richtig anpackt. Ein Feel-Good-Movie also gewissermaßen und dennoch tappt "Can a Song Save Your Life?" nur in den wenigsten Momenten in die Kitsch-Falle, belügt uns nicht, bleibt angenehm realistisch und geerdet. Positiv fällt dabei auch der Wegfall einer Romantik-Sidestory auf, die zwar angedeutet, aber nicht wirklich begangen wird, was der ansonstigen Story wohl auch im Weg gestanden hätte. Nicht ganz so gut fallen die besonders ab dem Mittelteil ab und zu etwas zu konstruierten Konflikte auf und auch einige melodramatische Zeitlupen hätte man sich besser gespart... dadurch macht sich der Film nämlich größer, als er eigentlich ist und beraubt sich der Sympathie, gerade deshalb, weil er ansonsten ein kleines Schmuckstück ist, welches bitte auch klein und fein bleiben soll. Die Schauspieler haben erwartungsgemäß viel Zeit zu glänzen, mit Mark Ruffalo und Keira Knightley haben wir ein Hauptdarstellerpaar dabei, welches wunderbar nuanciert und echt miteinander harmoniert und besonders in ruhigeren Szenen eine unglaubliche Präsenz an den Tag legt. Neben einer wie immer grandiosen Catherine Keener muss jedoch auch die gerade mal achtzehnjährige Hailee Steinfeld lobenswert erwähnt werden: Vor vier Jahren gerade noch für einen Oscar als beste Nebendarstellerin in "True Grit" nominiert ist diese hier sichtlich erwachsen und zu einer jungen Frau geworden, was ihre schauspielerische Kraft aber nicht im geringsten gemindert hat. Ganz große Dinger, welche sie hier raushaut und man darf sie sicher schon bald zu der Riege um Chloe Grace Moretz und Abigail Breslin unter den Nachwuchsschauspielerinnen zählen. Insgesamt also ein schöner Film mit kleinen Schwächen... die Musik-Fans unter uns, für die ein Song wirklich ein Leben retten kann, die dürfen hier aber gern auch noch eine Note höher steigen.

Note: 2-

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Anna und die Apokalypse

Teenagerin Anna (Ella Hunt) lebt eigentlich ein recht herkömmliches Highschool-Leben mit Verehrern, Hausaufgaben und manch einer jugendlichen Tragödie. Statt sich Schulfesten hinzugeben, ackert sie jedoch lieber für ein Flugticket raus aus den USA, um auf Reisen zu gehen. Diese Pläne werden jedoch plötzlich durchkreuzt, als in Annas Stadt eine Zombie-Apokalypse ausbricht. Erst nehmen sie und Annas und Freunde diese Sache mit Humor, doch als die Ernsthaftigkeit der Situation über sie hereinbricht, greifen sie zu allem, was sich durch einen Zombieschädel bohren lässt, um sich den Weg zur Highschool freizukämpfen. Dort sitzt nämlich Annas Vater Tony (Mark Benton) unter dem Kommando des verrückten Schulleiters Savage (Paul Kaye) fest... Man merkt schon - wirklich ernstnehmen tun die Macher rund um Regisseur John McPhail das immer noch allseits beliebte Zombie-Thema hier nicht und verpacken es daher dann auch, was in dieser Form tatsächlich noch unverbraucht ist, in ein buntes Musical. ...

Titanic (1997)

Eigentlich hätte "Titanic" kollossal floppen müssen. Der Dreh zog sich über viel mehr Tage hinweg, als eigentlich vorgesehen waren, die Produktionskosten explodierten, die Studios fürchteten einen massiven Verlust und überlegten sogar, Regisseur James Cameron noch während der laufenden Produktion wieder abzusetzen. Letzten Endes war sich sogar Cameron selbst eines Erfolges nicht mehr sicher... aber die Geschichte ist bekannt. Zwölf Jahre lang war das Katastrophen-Drama der erfolgreichste Film aller Zeiten, heimste elf Oscars ein, machte seine Hauptdarsteller über Nacht zu Stars. Und James Cameron, der erschuf ein unübertreffbares Meisterwerk der dramatischen Filmkunst, welche in Sachen Intensität und auch Schönheit auch noch heute recht allein dasteht in der Welt des Kinos. TITANIC Die über 100jährige Rose (Gloria Stuart) erzählt dem Schatzsucher Brock Lovett (Bill Paxton), der das Wrack der 1912 versunkenen Titanic nach einem wertvollen Diamanten absucht, von ihrer Ge...

The Dark Knight Rises

Nach Heath Ledgers Tod weigerte sich Christopher Nolan zuerst, einen weiteren Teil rund um den dunklen Ritter zu drehen. Erst, als eine fertige Geschichte im Raum stand, sagte Nolan zu und konnte so seine "Dark Knight"-Trilogie zu einem Abschluss bringen, welcher in puncto Einspielergebnisse sogar noch seinen direkten Vorgänger an den Kinokassen übertraf. Die Kritiker waren zwar nicht mehr so begeistert wie bei der Joker-Show, dennoch war auch hier der Tonus positiv. Und eigentlich ist Teil 3 dabei seinem Vorgänger doch ziemlich ebenbürtig... THE DARK KNIGHT RISES Acht Jahre nach dem Tod von Harvey Dent (Aaron Eckhart) hat sich Bruce Wayne (Christian Bale) in "Wayne Manor" zurückgezogen und auch sein Batman-Kostüm an den Nagel gehängt, da er mit körperlichen Beschwerden zu kämpfen hat. Jedoch macht ihm auch sein schwindendes Vermögen Probleme und er wird von der Profieinbrecherin Selina Kyle (Anne Hathaway) bestohlen. Als sich der Verbrecher Bane (Tom Hardy) ...