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Son (2021)

Die junge Mutter Laura (Andi Matichak) kümmert sich aufopferungsvoll um ihren achtjährigen Sohn David (Luke David Blumm). Als eines Nachts urplötzlich eine Gruppe Menschen um das Bett des Kindes versammelt stehen, ruft Laura panisch die Polizei - doch als diese eintreffen, geht es dem Jungen gut und von einer Menschenmeute fehlt jede Spur. Einzig der Detective Paul (Emile Hirsch) schenkt der verängstigten Mutter Glauben - er ist es auch, der ihr beisteht, als David plötzlich unter seltsamen Symptomen ins Krankenhaus eingeliefert wird. Die Ärzte sind ratlos, doch Laura hat bereits eine Vermutung, was mit ihrem Sohn nicht stimmen könnte: Eine Sekte soll hinter ihm her sein. Um ihren Sohn zu retten, ist sie anschließend dazu bereit, über Grenzen zu gehen...

In der ersten halben Stunde baut Regisseur Ivan Kavanagh eine treffsichere Atmosphäre des Schreckens auf. Mit teilweise bösartigen Jumpscares, aber auch einer minutiös aufgebauten, düsteren Stimmung, die Schreckliches ahnen lässt, erzählt er die Geschichte einer jungen Mutter, deren Vergangenheit auf einmal zurückschlägt und somit ihren Sohn bedroht. Dabei bleibt sein Fokus auf der Beziehung zwischen Mutter und Kind und der horrormäßige Schrecken wird durch die Augen ersterer erzählt. Der Kampf der Mutter um das Wohl ihres Sohnes wirkt glaubwürdig, auch wenn er dabei nie die altbekannten Grenzen des Genres verlässt. Dementsprechend gibt es Polizisten, welcher der Geschichte der Protagonistin keinen Glauben schenken wollen sowie Ärzte, die überfordert durch die Ereignisse sind. Keine sehr einfallsreichen Plotpoints, um das Geschehen am Laufen zu halten, doch verfehlen sie durch die treffsichere Inszenierung ihre Wirkung nicht, wobei auch das überzeugende Spiel von Andi Matichak in der Hauptrolle hilft.
Leider kann "Son" dieses Niveau im weiteren Verlauf nicht halten. Die zuvor so minutiös aufgebaute Atmosphäre findet durch eine klarere Auflösung im Mittelteil, die zumindest erklären, wie und wo Hilfe zu erwarten ist, einen anderen Ton. Das ist in dieser Form zwar einfallsreich, da eine altbekannte Geschichte aus den Augen einer Person erzählt wird, die im Horrorkino noch weitestgehend ungenutzt als Protagonistin ist. Allerdings gerät der Film damit auch auf die Spuren einer gewissen Vorhersehbarkeit, da man zu früh weiß, wie der Hase läuft und man sich anschließend eher auf dem "Wie" statt auf dem "Was" ausruht. Die schaurige Horroratmosphäre muss einem ziemlich brutalen, als solcher aber nicht mehr allzu furchterregenden Blutgemetzel weichen, was in dieser Form recht konsequent und schonungslos, aber auch wendungsarm präsentiert wird. Einige zuvor aufgestellte Subplots, die dem Geschehen eine angenehme menschliche Tiefe gaben, fallen dabei über den Tellerrand, wobei besonders die Figur des Polizisten Paul (Emile Hirsch gibt als größter Name des Casts nur ab und zu den Ton an) etwas zurechtgestutzt wirkt.
Auch das Finale enttäuscht aufgrund der irgendwann viel zu klaren Bahnen und endet im Grunde genauso wie man sich das vorab ausgemalt hat. Es gibt zwar noch eine überraschende Wendung in der letzten Szene, die uns einige Szenen aus einem anderen Licht betrachten lassen, doch wirkt auch dieser Haken ein wenig willkürlich. Am Ende leidet "Son" also unter einem recht unausgegorenen Drehbuch, welches seine an sich spannende Geschichte irgendwann in Sackgassen lenkt - offenbar wussten die Macher ab einem bestimmten Punkt, an welchem deutlich mehr Klarheit bezüglich der unheimlichen Ereignisse herrscht, selbst nicht mehr, wie sie die Handlung noch vorantragen sollen. Und da dieser Punkt recht früh erreicht ist, fehlt es quasi der gesamten zweiten Hälfte des Films trotz allerlei Blutvergießen und Effekthascherei an dramaturgischem Schwung. An der Horrorinszenierung von Regisseur Ivan Kavanagh gibt es indes wenig auszusetzen - es wäre spannend zu sehen, wie er mit einem größeren Budget und noch mehr kreativer Kraft umgehen würde, doch bleibt abzuwarten, ob er solch eine Chance in Zukunft erhält.

Fazit: "Son" beginnt als schauriges Drama und endet schließlich in einem vorhersehbaren, die Atmosphäre seiner Geschichte kaum nutzenden Blutrausch. Kein sonderlich großer Wurf im Horrorkino, der seine guten Ideen leider nicht ausreichend gelungen umsetzt.

Note: 4+



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