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Die Royal Tenenbaums

Seit drei Jahren hat Familienoberhaupt Royal Tenenbaum (Gene Hackman) kein Wort von irgendeinem Mitglied seiner Familie gehört - so lange ist die Scheidung von seiner Frau Etheline (Anjelica Huston) nun her. Just in dem Moment, als sie beginnt, über die Verlobung mit ihrem Verehrer Henry Sherman (Danny Glover) nachzudenken, steht Royal jedoch wieder vor ihrer Tür und eröffnet seiner Ex-Frau, dass er Krebs habe und seine letzten Tage damit verbringen will, wieder den Kontakt zu den gemeinsamen Kindern zu suchen. Diese behandelte er damals mit so viel Missgunst, dass diese ihren Vater eigentlich nicht mehr sehen wollen. Doch Royal hält an einer Familienzusammenkunft fest und hofft, dass seine Krankheit die Wunden der Vergangenheit schließen kann. Aber gibt es diese Krankheit überhaupt oder ist es doch nur ein weiterer Trick des alten Griesgrams, um seinen Willen zu bekommen?

Es gibt einen Grund, warum die für mich besten Filme des Kult-Regisseurs Wes Anderson nur in wenigen anderen Bestenlisten seiner Fans vorkommen und dieser hat erheblich mit dem beliebten Regie-Stil zu tun, den er seit jeher an den Tag legt. So bin auch ich in seinem Stil zwar verfallen, habe jedoch immer ein paar kleinere Probleme mit ihm, wenn er die absurd gehaltenen Schnitte, die peniblen Sets und die bisweilen gestelzten Dialoge mit eigentlich sehr menschlichen und realen Themen in ebenso real bezogenen Geschichten verwenden muss. So favorisiere ich die ohnehin etwas unrealer und abstruser gestalteten "Grand Budapest Hotel" und vor allem "Isle of Dogs", während mich andere Filme seiner Filmografie erstaunlich kalt ließen. Auch mit "Die Royal Tenenbaums" hatte ich deswegen meine Probleme, obwohl dieser als der vielleicht beste und beliebteste Film in Andersons Karriere gilt. Doch die sehr ernsten, menschlichen Geschichten, die in vielerlei Hinsicht traurig sind und nachdenklich stimmen sollten, beißen sich mit dem unverwechselbaren Inszenierungs-Stil und haben bei mir deswegen keine ganz großen Emotionen geweckt.
So ich hatte zu Beginn angesichts des hohen Tempos und der schnellen Szenenabfolge Probleme damit, überhaupt in die verschiedenen Charaktere hineinzufinden und ein Gespür für ihre Schwierigkeiten, ihre Biografien und ihre Seelenleiden zu entwickeln. Anderson verzichtet weitgehend auf Klischees, sorgt mit seinen bekannten, oftmals leise vorgetragenen Absurditäten jedoch dafür, dass sie uns wie Überzeichnungen vorkommen. In dieser Form fällt besonders der von Ben Stiller gespielte Chas Tenenbaum negativ auf, der zwar ein ordentliches, familiäres Päckchen mit sich herumträgt, aber im Grunde wie jede seiner stets sehr flott agierenden Comedy-Rollen geschrieben ist und deswegen nicht so richtig berühren mag. Solcherlei Diskrepanzen gibt es einige - viele, sehr bewegende Szenen wechseln sich mit abstruser Komik, die ebenfalls durchaus charmant inszeniert ist, aber in dem Wechselbad der Gefühle oftmals etwas unpassend daherkommt. Das gilt auch für das chaotische Finale, bei welchem man die Reaktionen einiger Figuren bisweilen gar nicht mehr nachempfinden kann.
Wobei das natürlich auch Jammern auf höherem Niveau ist, denn alles, was man an Andersons Filmen liebt, steckt natürlich auch hier drin: Ein brillanter Soundtrack. Eine hervorragende Kameraarbeit. Ein meist gewitztes Drehbuch mit originellen Charakteren und viel Dialogwitz. Und natürlich ein namhaftes Ensemble, welches Anderson wie immer stark unter Kontrolle hat. Auch hier finden sich dabei etliche Schauspieler, die immer wieder mit dem "Asteroid City"-Regisseur drehen oder gedreht haben, wie Bill Murray, Anjelica Huston oder Owen Wilson. Ganz groß auftrumpfen darf aber vor allem Gene Hackman: Der mittlerweile tragisch verstorbene Schauspieler ist hier in einer seiner letzten Rollen vor seinem freiwilligen Ruhestand zu sehen und trägt dabei noch mal ganz groß auf. Es ist durchgehend sichtbar, wie viel Freude Hackman diese Rolle gemacht haben muss und mit wie viel Esprit und Herzblut er an die Arbeit gegangen sein muss. 

Fazit: Für mich beißt sich Andersons eigensinniger Regiestil mit den eigentlich sehr ehrlichen, oft sehr dramatischen Themen dieses Films. Pluspunkte sind (wie in jedem Anderson-Film) jedoch die tolle Besetzung, der markante Soundtrack und das flotte, wenn auch bisweilen zu ausschweifende Drehbuch.

Note: 4+



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