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Fallout - Die zweite Staffel

In der öden und verseuchten Wüste des ehemaligen Amerikas hat sich Lucy MacLean (Ella Purnell) mit dem Ghul Cooper Howard (Walton Goggins) zusammengetan. Beide haben zumindest örtlich gesehen das gleiche Ziel: Während Lucy nach ihrem Vater sucht, der draußen in der Wüste weiteren, höchst gefährlichen Experimenten nachgeht, hofft Howard auf diesem Wege seine verschollene Familie zu finden. In der Wüste lauern jedoch viele Gefahren und die beiden ungleichen Gefährten sind sich mehr als uneins darüber, wie man diesen begegnen sollte - mit schierer Waffengewalt oder doch mit hoffnungsvollen Worten. Indes verfolgt der gefangene Norman (Moises Arias) in den unterirdischen Tunneln der Vaults einen Plan, um doch noch zu entkommen... und dafür benötigt er gleich zigfach Hilfe von den einzigen Menschen, die ihm in seiner aussichtslosen Lage noch helfen können.

Natürlich habe ich mir zur Vorbereitung auch die erste Staffel noch einmal angesehen, von der ich nun sogar noch ein bisschen angetaner war als zuvor. Die zweite Season bügelt ein paar der kleineren Fehler dabei sogar ziemlich gut aus, allen voran jene um die Figur der Lucy MacLean, die nun nicht mehr einfach so zurechtgeschrieben wirkt, wie es die jeweilige Szene gerade braucht, sondern in einer Mischung aus Tollpatschigkeit, Naivität und schließlichem Kampfeswillen deutlich mehr aus einem Guss daherkommt. Auch Ella Purnell ist deutlicher in die Rolle hineingewachsen und besonders die gemeinsamen Szenen mit ihr und The Hateful Eight-Star Walton Goggins wissen dabei zu gefallen. Goggins lässt als gar nicht mal so heimlicher Star der Show nach wie vor nichts anbrennen und hat die emotionalen Momente ebenso auf seiner Seite wie die kernigen Sprüche, wobei sich seine Figur im Gegensatz zur ersten Staffel aber auch nicht ganz so bahnbrechend weiterentwickelt. Ähnliches gilt für die Figur von Maximus, bei der man lange Zeit gar nicht weiß, wohin es mit dieser eigentlich gehen soll.
Ein weiteres Problem der Vorgängerstaffel war der Umgang mit dem arg schrillen Humor der Videospielvorlage, der hier angesichts der doch sehr düsteren Ausgangslage stets etwas deplatziert daherkam. Auch hier findet man nun einen feineren Grat, weswegen zahlreiche Lacher durchaus landen und trotzdem nicht die Ernsthaftigkeit der Geschichte stören. Eine Geschichte, die zu Beginn ein bisschen Zeit braucht, um die nötigen, losen Handlungsfäden nach und nach wieder aufzugreifen. Da sich fast alle Figuren nun getrennt voneinander aufhalten, springt der Plot natürlich immer wieder hin und her. Einige Geschichten fallen dabei zwangsläufig zurück, so wie jene um Vault 31, der erst später wieder eine wirkliche Dringlichkeit erhält. Die Reise von Lucy und dem Ghul steht im Gegensatz deutlich im Vordergrund, hat aufgrund der familiären Konflikte aber auch die größte Spannung zu bieten. Zudem sind die zahlreichen Rückblenden in das Leben von Cooper Howard vor dem Zünden der Bomben noch aufschlussreicher und packender als zuvor, auch wenn es an solch denkwürdigen Momenten wie dem Serienauftakt mangelt.
An den Look hat man sich mittlerweile gewöhnt, auch wenn nach wie vor das sehr krisselige Bild, wobei es in schlechter ausgeleuchteten Szenen sogar auf den Gesichtern der Schauspieler*innen wuselt, umarmt werden muss. In Tageslichtmomenten zeigt sich aber die ganze Pracht der Ausstatter, der detaillierten Sets und auch der (zumeist) sehr guten Spezialeffekte. Letztere kommen in den Actionszenen zum Einsatz, die zwar durch die Bank weg gut inszeniert sind, von denen man sich aber bisweilen wünscht, dass sie ein bisschen länger ausgefallen wären. Gerade zwischenzeitliche Auseinandersetzungen mit fiesen Kreaturen fallen oft dadurch auf, dass sie nach rund einer Minute schon wieder vorbei sind. Ähnlich schade ist es um die Gastauftritte manch eines bekannten Gesichts - man freut sich wahnsinnig, sie zu sehen, doch wirklich etwas zu tun bekommen sie nicht. Gerade der Überraschungsauftritt eines ehemaligen Kinderstars, der seit Ewigkeiten nicht mehr vor einer Kamera stand, ist dabei zwar genial, aber leider auch viel zu kurz geraten - und wenn man solch einen Namen doch schon endlich wieder an ein Filmset bekommt, dann sollte man diesem doch auch bitte mehr Arbeit geben.

Fazit: Die Welt ist weiterhin faszinierend, die Figuren spannend, die Dynamik hoch. Auch wenn die Geschichte hier und da zu zerfasern droht, bleibt die Neugier angesichts zahlreicher Fragezeichen konsequent hoch. In Sachen Action und Charakterentwicklung wäre hier und da aber noch mehr möglich gewesen.

Note: 3+



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