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Flora and Son

Die alleinerziehende Mutter Flora (Eve Hewson) ist völlig überfordert mit der Erziehung ihres vierzehnjährigen Sohnes Max (Oren Kinlan). Sie findet keinerlei Zugang mehr zu ihm, während der Junge immer wieder in kriminelle Handlungen abrutscht und deswegen bereits mit einem Fuß im Jugendknast steht. Floras Ex-Mann Ian (Jack Reynor), bei dem Max teilweise lebt, ist ihr dabei ebenfalls keine Hilfe - beide stehen immer noch auf Kriegsfuß miteinander. Als Flora schließlich eine alte Gitarre auf dem Sperrmüll findet, lässt sie diese wieder herrichten, um sie ihrem Sohn als Geschenk mitzugeben. So hofft sie, in Max eine neue Leidenschaft zu entfachen, doch ihr Sohn lehnt das Geschenk ab. Stattdessen findet Flora selbst den Zugang zur Musik und kontaktiert den Musiklehrer Jeff (Joseph Gordon-Levitt), der sie online unterrichten und ihr dabei ganz neue Richtungen und Ansätze aufzeigen soll, was sie mit ihrer eigenen Musik aussagen kann...

Es ist erstaunlich, wie viele verschiedene Themen und deren eigene Ansätze in 97 Minuten Platz finden können, ohne dass dabei der Fokus verloren geht. "Flora and Son", der vor zwei Jahren auf dem Streamingdienst von Apple aufgeschlagen ist, gelingt dieses Kunststück vor allem wegen des clever zusammengedichteten Drehbuchs, welches seine unterschiedlichen Themen stets von zwei verschiedenen Seiten angeht, um diese dann gegeneinander oder miteinander spielen zu lassen. So zum Beispiel das Thema der Musik: Gitarrenlehrer Jeff ist der festen Überzeugung, dass Musik uns alle retten und Menschen auf großartigste Art und Weise berühren und sogar verändern kann und gibt diese Überzeugung auch an seine Schülerin weiter. Im direkten Kontrast ist er jedoch auch sicher, dass die Musik den Rest seines Lebens zerstört hat... was seine Schülerin Flora, die ansonsten von Jeffs etwas kitschigen Ansichten nicht unbedingt überzeugt ist, wieder anders sieht. Alles in "Flora and Son" ist ein Konflikt, wobei sich diese Gegensätze aber nicht ausschließen müssen und wie diese Themen dahingehend behandelt werden, ist wahnsinnig spannend zu sehen.
So verfährt der Film auch in seinen anderen Bereichen. Er erzählt, wie schwer es sein kann, eine Mutter zu sein, macht seine zentrale Hauptfigur dabei aber auch nicht zu einer Heiligen. Flora ist wütend, beschimpft ihren Sohn auch schon mal als "kleinen Wichser", liebt ihn aber gleichzeitig aufrichtig und versucht, ihn aufzubauen. Keine Figur hier ist gut oder weniger gut, sie alle sind ambivalent. Selbst die Figuren, die noch am ehesten in ein Klischee hätten abdriften können, zeigen mit der Zeit entweder überraschende Schattenseiten oder gute Züge. So ist Musiklehrer Jeff schon recht früh an seinen Grenzen angelangt und hat längst nicht alle Antworten parat, die er gern hätte... bis ihm sogar selbst geholfen werden muss. Und Flora's Ex-Mann Ian mag mit aller Kraft gegen die Bemühungen seiner ehemaligen Frau ankämpfen, um sie zu erzürnen, doch wenn es wirklich hart auf hart kommt, zeigen sich in ihm erstaunlich sensible Seiten.
Es ist eine große Freude, wie "Can A Song Save Your Life?"-Regisseur John Carney hier nicht nur mit der Musik als verbindendes Element, sondern auch mit den lebensechten, wunderbar unperfekten Charakteren umgeht und dabei Klischees vermeidet - selbst das obligatorische Finale ist, obwohl ungemein herzerwärmend, kein Stück kitschig, sondern richtiggehend rotzig. Das liegt auch am fabelhaften Cast, der hier versammelt wurde: Wenige, dafür aber prägnante Figuren werden von starken Stars verkörpert, wobei Hauptdarstellerin Eve Hewson mit ihrer ungemein sensiblen und gleichzeitig wahnsinnig konfrontativ auftretenden Flora deutlich heraussticht. Diese Frau ist eine schiere Naturgewalt, die sich einerseits kaum etwas sagen lässt, in den richtigen Momenten aber auch zuhört, zurücktritt und eigene Fehler erkennt. Das ist schon wirklich cleveres und weises Erzählen von Charakteren mit Macken und Kanten, die deswegen so sympathisch daherkommen, weil wir eben diese auch in uns wiedererkennen können. Und das ergibt dann durchweg einen runden Film, der richtig ans Herz geht, obwohl er sich damit nicht mal großartig zu bemühen scheint.

Fazit: Eve Hewson ist großartig in der Rolle der überforderten und letztendlich Fehler ausbügelnden Mutter, die ihre Leidenschaft für die Musik entdeckt. Weise, witzig, schlagfertig, musikalisch und durchweg charmant, trotz vieler schmerzhafter Momente - ein unkitschiger, ehrlicher und durchweg lebensechter Film mit echten Originalen.

Note: 2



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