Direkt zum Hauptbereich

Sie weiß von Dir

Die in einer psychologischen Praxis als Sekretärin arbeitende Louise (Simona Brown) fällt aus allen Wolken, als sie in ihrem neuen Chef David (Tom Bateman) den Mann erkennt, mit dem sie vor Kurzem in einem Pub nicht nur geflirtet, sondern sogar geknutscht hat. David stellt sich nun als verheirateter Mann heraus und beide Seiten kämpfen mit großen Schuldgefühlen, nun da sie erkennen, dass sie diesen kleinen Fauxpas aufgrund ihres neuen Arbeitsverhältnisses nicht einfach beiseite schieben können. Und dann nimmt Davids Ehefrau Adele (Eve Hewson) auch noch Kontakt zu Louise auf und verabredet sich mit ihr zu verschiedenen Aktivitäten. Sie scheint nichts von dem Vorfall zu wissen und dies soll auch so bleiben, weswegen Louise sich plötzlich in einem gefährlichen Lügengespinst verstrickt... denn eine normale Beziehung scheinen Adele und David nicht zu pflegen.

Bislang war ich der Meinung, dass Netflix seinen Peak im Metier der Mini-Serien erreicht hat - so gut wie alles, was ich mir in diesem Bereich von dem Streaming-Giganten angesehen habe, holte mich mindestens gut ab oder begeisterte mich sogar komplett. Natürlich bin ich dieser Meinung immer noch, doch habe ich nun zum ersten Mal den Fall, dass mir eine (auch generell sehr positiv besprochene), sechsteilige Mini-Serie aus dem Netflix-Katalog kaum zugesagt hat. Natürlich ist das immer Geschmackssache und ich werde aufgrund dieses Fails nicht aufhören, mir weiterhin zahlreiche dieser Serien zu Gemüte zu führen - dafür waren Shows wie "Toxic Town" oder "Apple Cider Vinegar" einfach zu gut. Bei "Sie weiß von Dir" hatte ich nun aber mehrheitlich das Gefühl, dass die hier erzählte Geschichte ebenso gut oder wahrscheinlich sogar deutlich besser als höchstens zweistündiger Spielfilm hätte erzählt werden können - stattdessen haben wir hier aber sechs ungefähr fünzigminütige Episoden vorliegen.
Das Ergebnis kann man sich daher vorstellen: Die an und für sich solide, aber auch etwas dünne Geschichte muss auf die herkömmliche Länge einer solchen Serie gestreckt werden, weswegen echte Antworten auf früh gestellte Fragen bis (fast) zur letzten Episode hinausgezögert werden. Es ist bezeichnend, dass die Serie erst kurz vor diesem Punkt überhaupt an Tempo gewinnt und eine Spannung nur daraus resultiert, dass die endlich gegebenen Antworten und Lösungen des Mysteriums recht rund und einigermaßen überraschend ausfallen. Gegen Ende erlaubt man sich zudem noch ein paar richtig feine Wendungen, die regelrecht schockierend sind - leider ist "Sie weiß von Dir" auf dem Punkt der größten Überraschung aber eben auch schon zu Ende und hat zuvor viel Zeit mit Leerlauf verbracht. Atmosphärisch dichter und stark gespielter Leerlauf, zugegeben, denn Cast und Regie leisten hier durchweg Großes. Das hilft aber, bei aller optischer Finesse und schauspielerischer Größe, nicht dabei, das hier Erzählte spannender oder aufregender zu machen.
Denn die ganze Affären-Nummer und das langsame Herantasten an die einzelnen Figuren zieht sich wie Kaugummi. Die Geschichte dreht sich in dem Belangen, einzelne Charaktere immer wieder die Lauscher spitzen zu lassen, um herauszufinden, was das Gegenüber denn nun weiß oder nicht weiß, so sehr im Kreis, dass ich nicht den Faden verlor, aber dennoch reichlich angeödet war von der x-ten Wiederkäung des Themas. Auch weil die schlussendliche Auflösung des Mysteriums diesen enorm langen Vorbau im Grunde obsolet macht, da diese sich tonal sehr deutlich vom Rest der Geschichte unterscheidet. Das ist dann zwar alles rund, aber die lange Vorlaufzeit rechtfertigt auch das nicht, sodass man zu der Frage kommt, warum man eine solch simple Geschichte nicht in viel kürzerem Rahmen erzählt. Viele Fans reden deswegen vorrangig über das (ziemlich geniale) Ende, während die vorherigen fünf Folgen kaum Erwähnung finden. Und ja, auch das ist dann schon irgendwie wieder bezeichnend und zeigt, dass die Serie auf genau einen Punkt hinarbeitet, der vom Hocker haut, den ganzen Weg davor aber nicht ebenfalls mit ansprechenden Inhalten pflastert.

Fazit: Eine an und für sich spannende, über sechs Folgen jedoch unnötig aufgeblasene Geschichte, die erst viele Klischees einführt, um diese später zu brechen. Die großen Überraschungen kommen zu spät und können den enorm langen Aufbau eines recht schnell gelösten Mysteriums nicht rechtfertigen, was die ganze Nummer insgesamt recht zäh und konstruiert werden lässt.

Note: 4



Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Eraser

Arnold Schwarzenegger, wohl neben Sylvester Stallone die Action-Ikone der 80er und 90er Jahre schlechthin, ist endlich zurück. Nachdem er sein Amt als Gouverneur von Kalifornien niedergelegt hat, dürfen wir ihn seit einiger Zeit endlich wieder in genügend rauen, spaßigen Actionfilmen wiedersehen. Auch wenn in der heutigen Zeit ganz klar Statham, Diesel und Co. die Actionhelden sind, macht es aber dennoch Spaß, den "Terminator"-Star wiederzusehen. Und natürlich auch seine vergangenen Filme, von denen ich bislang kaum einen gesehen habe und die ich nun mal nachholen möchte. Angefangen habe ich nun mit "Eraser" aus dem Jahr 1996... ERASER US-Marshall John Kruger (Arnold Schwarzenegger) arbeitet in einer geheimen Vereinigung der USA im Zeugenschutzprogramm. Darin beschützt er die Leben von Kronzeugen, welche vor Gericht Aussagen tätigen sollen und verschafft ihnen eine neue Identität, um sie vor dem Tod zu bewahren. Sein neuester Job ist eine junge Mitarbeiterin bei...

Anna und die Apokalypse

Teenagerin Anna (Ella Hunt) lebt eigentlich ein recht herkömmliches Highschool-Leben mit Verehrern, Hausaufgaben und manch einer jugendlichen Tragödie. Statt sich Schulfesten hinzugeben, ackert sie jedoch lieber für ein Flugticket raus aus den USA, um auf Reisen zu gehen. Diese Pläne werden jedoch plötzlich durchkreuzt, als in Annas Stadt eine Zombie-Apokalypse ausbricht. Erst nehmen sie und Annas und Freunde diese Sache mit Humor, doch als die Ernsthaftigkeit der Situation über sie hereinbricht, greifen sie zu allem, was sich durch einen Zombieschädel bohren lässt, um sich den Weg zur Highschool freizukämpfen. Dort sitzt nämlich Annas Vater Tony (Mark Benton) unter dem Kommando des verrückten Schulleiters Savage (Paul Kaye) fest... Man merkt schon - wirklich ernstnehmen tun die Macher rund um Regisseur John McPhail das immer noch allseits beliebte Zombie-Thema hier nicht und verpacken es daher dann auch, was in dieser Form tatsächlich noch unverbraucht ist, in ein buntes Musical. ...

Der große Crash - Margin Call

Es gehört schon einiges an Talent dazu, einen Film über eine Schar Anzugträger, die in dialoglastiger Manier das eventuelle, schockierende Ende ihrer Firma aufdecken. Wenn man es falsch angeht, könnte der Stoff arg trocken werden, mal ganz davon abgesehen, dass der Otto-Normal-Zuschauer mit den finanziellen Zusammenbrüchen und all den Zahlen nicht unbedingt umgehen kann. Eine Riege großer Stars kann da schon helfen, die Zuschauer anzulocken, so beweist es zumindest der angenehm ruhige Thriller "Margin Call"... DER GROSSE CRASH - MARGIN CALL Kurz vor der Finanzkrise 2007: In der Wertpapierhandelsabteilung einer großen New Yorker Bank werden etliche Mitarbeiter entlassen, unter ihnen ist auch Risikomanager Eric Dale (Stanley Tucci), der zuvor jedoch noch eine schockierende Entdeckung macht. Seine Arbeit hinterlässt er dem übriggebliebenen Mitarbeiter Peter Sullivan (Zachary Quinto), der die Zahlen überprüft... und dadurch entdeckt, dass der ganze Konzern auf wackligen Fü...