Spirited

Jedes Jahr arbeiten die drei Geister der Weihnacht und ihr Team aus verstorbenen, aber noch arbeitenden Helferlein daran, einen bösen Menschen pünktlich zum Fest der Liebe zu bekehren. Für den Geist der gegenwärtigen Weihnacht (Will Ferrell) ist die diesjährige Wahl klar: Er will den skrupellosen Medienunternehmer Clint Briggs (Ryan Reynolds) bekehren, obwohl dieser als knallharter Fall und sogar als "unbekehrbar" gilt. Eine harte Nuss, die es zu knacken gilt, denn schließlich schreckt Briggs nicht mal davor zurück, Kinder zu denunzieren und ihre Leben zu zerstören, um seiner Nichte Wren (Marlow Barkley) eine Chance als Schulsprecherin einzuräumen. Das Trio der Geister müht sich redlich, Clint seine vergangenen und gegenwärtigen Fehler vorzuhalten, doch der zeigt sich unbeeindruckt und dreht den Spieß plötzlich um, indem er den Geist der gegenwärtigen Weihnacht konfrontiert und versucht, auch dessen Fehler aufzudecken...

Charles Dickens' Weihnachtsgeschichte wurde schon auf zig unterschiedlichste Arten verfilmt - ob nun als Animationsfilm aus der Feder von Regisseur Robert Zemeckis oder als Fantasy-RomCom-Variante in "Der Womanizer" mit Matthew McConaughey in der Hauptrolle. Es braucht also wenn schon einen etwas andersartigen Ansatz, um mit dieser Geschichte noch jemandem hinter dem Ofen hervorzulocken. Das Team rund um den Apple-Original-Film "Spirited" hatte diesen Ansatz glücklicherweise parat, denn eine Version der Geschichte, in der die drei Geister als Charaktere beleuchtet werden und ihr Arbeitsalltag rund um diese Bekehrungen als eine Art "Santa Clause"-Backstage-Verschnitt gezeichnet wird, hatten wir so definitiv noch nicht. Und dann ist die ganze Nummer auch noch ein Musical mit zahlreichen, wirklich schmissigen Gesangs- und Tanzeinlagen, die dann auch das gar nicht mal so heimliche Highlight dieser originellen Adaption darstellen. Nicht nur die flotten Songs, sondern auch die spektakulären Choreos wissen zu begeistern und machen richtig Laune... auch weil der Kitschfaktor genau die richtigen Ebenen erreicht und zwischendrin weiterhin Platz bleibt für allerlei unfreundlichen Humor.
Denn wir sind hier nicht wirklich in einer familienfreundlichen Komödie, auch wenn das kitschigere (und umso treffsicherere) letzte Drittel etwas anderes zu behaupten versucht. Nicht ganz zufällig übernehmen hier mit Will Ferrell und besonders Ryan Reynolds zwei spielfreudige Recken die Hauptrollen, die mehr als bekannt sind für ihre auch mal böseren Scherze. Beide haben dabei eine Mordslaune und scheinen viel Spaß am Tanzen und Singen, aber auch am Kalauern gefunden zu haben. Dass der Tonfall dabei bisweilen etwas uneben wirkt und sich die etwas zotigeren Gags, die auch mal unter die Gürtellinie treffen, mit der eigentlich recht herzlichen, manchmal auch dramatischen Geschichte beißen, fällt zwar auf. Da diese Witzchen aber recht zuverlässig zünden und der emotionale, wenn auch vorhersehbare Kern darunter nicht wirklich leidet, lässt sich dieses Manko jedoch verschmerzen. Ganz im Gegensatz zu der Überlänge, denn gerade im Mittelteil hängt "Spirited" in seinem Bemühen, noch etliche Story-Fäden über verschiedene Figuren (inklusive unglaubwürdiger Lovestory) auszuspinnen, relativ deutlich durch. Zehn bis fünfzehn Minuten weniger hätten es hier auch getan, um den Film ein wenig zu entschlacken und das ansonsten sehr hohe Tempo durchzuhalten.
Viel mehr gibt es aber nicht zu kritisieren an einem Film, der auf der einen Seite ebenso witzig wie schlagfertig ist und dennoch sehr eigentümliche und ans Herz gehende Weihnachts-Messages bereit hält. Natürlich ist die Geschichte des fiesen Grobians, der doch noch ein paar Gefühle in seinem Eisblock-Herz entdeckt, bis in die letzten Ecken vorhersehbar. Doch das macht nichts, wenn der Weg hin zum sonnenklaren Finale ein solch spaßiger ist, wenn die Charaktere bis in die schrulligen Nebenrollen so liebevoll und originell geschrieben sind und die gesamte Darstellerriege offensichtlich so viel Spaß hat. An einige Musical-Nummern wird man sich dabei noch länger erinnern, visuell ist "Spirited" in seinen aufwendigen Sets und mit ziemlich überzeugenden Special Effects auch ein echtes Fest. Einzig die deutsche Synchronisation raubt gerade diesen Songs ein bisschen den Verve, da die Sprecher kaum in der Lage sind, diese großen Emotionen gesanglich noch mitzutragen. Dafür kann der Film aber an und für sich nichts, weswegen man ihn dahingehend auch nicht kritisieren, sondern einfach seinen Spaß haben sollte. Als Geheimtipp für die kommenden Weihnachtstage sollte man sich dieses paradoxe Spektakel jedenfalls vormerken.

Fazit: Ferrell und Reynolds haben jede Menge Spaß, was sich vor allem aufgrund der schmissigen und hervorragend choreographierten Musical-Nummern auch aufs Publikum überträgt. Obwohl der originelle Meta-Plot im Mittelteil durchhängt, macht die Mixtur aus etwas böserer Komödie und feinem Weihnachts-Kitsch durchgehend Laune, lässt uns lachen und sogar ein paar Tränchen vergießen. Wunderbare Weihnachts-Unterhaltung der etwas anderen Art.

Note: 2-



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