The Crown - Die erste Staffel

Die ganze Welt sieht zu, als sich Prinzessin Elizabeth (Claire Foy) und ihr Ehemann Philip (Matt Smith) das Ja-Wort geben. Philip tritt somit ins britische Königshaus ein und scheint sich seiner neuen Familie über sehr zu freuen. Tatsächlich ist er aber nicht dafür vorgesehen, irgendwann als König zu herrschen, auch wenn er seinen Schwiegervater, König George VI. (Jared Harris) genau beobachtet. Dieser leidet unter einer aggressiven Form von Krebs, wobei die ihn behandelnden und schließlich sogar operierenden Ärzte jedoch nicht ganz ehrlich bezügliches seines Gesundheitszustandes sind... nicht einmal dem König selbst gegenüber. Als seine Krankheit voranschreitet, ist das gesamte Königshaus in Sorge und es soll der Tag kommen, an welchem die Welt auf Prinzessin Elizabeth blickt, denn womöglich ist sie es, die ihre Familie und das britische Königshaus zu neuer Stärke führen könnte...

Zugegeben, ich habe mich nie allzu sehr für die Dramödien des britischen Königshauses interessiert. Natürlich kam und kommt man um gewisse, große Nachrichten nicht herum, doch all zu arg beschäftigt habe ich mich nie mit ihnen. Trotzdem hat mich eine Sichtung der Netflix-Serie "The Crown" stets gereizt, da ich mir hier Einblicke hinter die Mauern des Königshauses erhoffte, welche eben jenes am liebsten verschwiegen hätte... und nun war es endlich so weit. Die viel besprochene und als eines der besten Originals des Streamingdienstes geltende Serie, die letztes Jahr ihr Ende nahm, wird von mir nun gesehen. Und ich habe mich in der ersten Staffel bereits sehr gut unterhalten gefühlt, obwohl ich mit dem in dieser gesteckten Zeitraum wohl noch am wenigsten anfangen kann. Als Kind der 90er sind mir die hier aufgezeigten Szenarien und historischen Ereignisse weit weniger ein Begriff als es die aktuelleren oder geschichtlich deutlich aufsehenerregenderen Momente sind. Und trotzdem ist "The Crown" ein nahezu hypnotisches und ungemein mutiges Erlebnis.
Ein Erlebnis, welches vor allem optisch und inszenatorisch ungemein viel hermacht. Die Macher haben keinerlei Mühen gescheut, die Sets, Räumlichkeiten und Kostüme der damaligen Zeit in akribischer Detailarbeit nachzustellen. Und dementsprechend hervorragend sieht das dann aus, wenn sich mal prunkvoll, mal leger gekleidete Charaktere durch spektakuläre Räumlichkeiten bewegen und dabei aus jeder einzelnem Bild etliche Details erstrahlen. Die Farbgebung, die Kameraarbeit, Schnitt und Musik, alles wirkt hier so aus einem Guss, dass auch das eher niedrige Tempo und manch eine etwas schwächere Folge die Begeisterung nicht drücken können. Die ungemein dichte Atmosphäre, wo immer noch Zeit für ein bisschen Humor, weitestgehend aber auch viel Drama bleibt, fesselt über alle zehn rund einstündigen Episoden hinweg. Und das ist schon mal eine Leistung, ein eigentlich trockenes Thema, welches zu Großteilen das Zusammensitzen von Politikern und Adeligen zum Thema hat, mit solch einem Verve und großem Unterhaltungswert zu inszenieren, dass man selbst als Mensch, der wenig mit diesen Dingen am Hut hat, noch gebannt ist.
Neben den fantastischen Autoren ist es aber auch vor allem dem Cast zu verdanken, dass man sich hier kaum langweilt und selbst einige etwas langwierige Erzählungen noch gespannt verfolgt. Im Zentrum steht dabei natürlich Claire Foy, die als Queen Elizabeth nicht nur optisch erstaunlich nahe an die reale Persönlichkeit herankommt, sondern auch mit einer sehr glaubwürdigen und elektrisierenden Performance überzeugt. Neben ihr glänzen dann noch so illustre Namen wie "Pieces of a Woman"-Star Vanessa Kirby als Elizabeth's Schwester und Prinzessin; Jared Harris als King George VI., der hier eine ganz eigene Interpretation des berühmten Königs abgibt, der bereits im oscarprämierten "The King's Speech" im Fokus stand; und der wie immer geniale Matt Smith als Elizabeth's Gemahl, der eine der ambivalentesten und spannendsten Figuren einer an spannenden Charakteren wirklich nicht armen Serie darstellt. Nicht gänzlich unüberraschend hebt sich aber dann noch John Lithgow als regelrechter Szenendieb empor, denn seine Darstellung des Premierministers Winston Churchill ist nicht weniger als meisterhaftes Schauspiel, welches man so nur selten zu Gesicht bekommt. Lithgow verschwindet förmlich hinter dieser historischen Persönlichkeit, ist eine schauspielerische Naturgewalt par exellance und vergoldet jede Szene, in welcher er zu sehen ist. Eine Ausnahme-Performance innerhalb einer Serienstaffel, die ohnehin ausschließlich mit bravourösen Mimen besetzt ist.

Fazit: Ich bin am Haken - trotz einiger Längen reißt "The Crown" dank seines fantastischen Casts, packender Drehbücher, grandioser Dialoge und vor allem der butterweichen Inszenierung, welche die unglaublich detaillierten Sets in Szene setzt, durchweg mit. Dabei agiert die Serie mutig und geht bisweilen hart, aber niemals glatt verurteilend, mit dem Königshaus ins Gericht. 

Note: 2-



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