The Toxic Avenger

Winston Gooze (Peter Dinklage) scheint wie verfolgt vom Pech. Vor rund einem Jahr verstarb seine Frau an Krebs und nun ist Gooze für ihren Sohn Wade (Jacob Tremblay) verantwortlich. Um ihn bemüht er sich auch redlich, kann ihm aber kaum bei Problemen in der Schule helfen. Zudem verdient Gooze als Putzkraft bei dem gigantischen Pharmaunternehmen BTH auch kaum einen Hungerlohn, was ihm zum Verhängnis wird, als bei ihm eine tödliche Hirnkrankheit diagnostiziert wird... denn seine Versicherung deckt ein lebensrettendes, aber sehr teures Medikament nicht ab. Und als wäre all das noch nicht genug des Wahnsinns, fällt Gooze eines Tages bei der Flucht vor einigen finsteren Häschern, die ihn mit der Spionin J.J. Doherty (Taylour Paige) verwechseln, in einen Bottich voller giftigen Abfalls und verwandelt sich in ein Monster, welches anschließend den Kampf gegen Verbrecher aufnimmt. Ja, wie viel Pech kann denn ein einzelner Mann nur haben?

Die Erwartungen waren zumindest in einer Hinsicht hoch: Eine FSK ab 18 und Gerüchte darum, dass dieser Film nur deswegen lange Zeit kein Studio fand, weil alle ihn für viel zu brutal hielten, um eine Veröffentlichung zu erfahren, weckten ordentlich Laune auf einen knallharten Fun-Splatter in der Tradition der alten Atomic Hero-Filme, bei denen besonders der erste Teil als absolut grenzenlose Hardcore-Erfahrung gilt. Umso enttäuschter war ich dann, dass der Film zwar durchaus einiges an Blut und Schmodder bietet, dabei aber niemals originell oder irgendwie besonders daherkommt. Tatsächlich finden viele Kill's dann sogar im Off statt oder werden seltsam verschnitten. Und obwohl zahlreiche Gore-Effekte mit viel Handarbeit erstellt wurden, hat man leider nicht darauf verzichtet, viele von ihnen mit allerlei CGI "aufzuwerten" - das Ergebnis ist eine Künstlichkeit, die den ganzen Blutrausch, über den ein gewisser Terrifier-Clown nur müde lächeln könnte, entschieden abmildert. Mal ganz von der Tatsache abgesehen, dass es sich hierbei ohnehin durchgehend um Comic-Gewalt handelt, die so übertrieben ist, dass eine solch hohe FSK-Freigabe fast schon wieder unnötig daherkommt.
Aber gut, auch wenn das alles noch deutlich härter hätte sein können, bekommen Splatter-Fans zumindest im Ansatz das, was sie von einem traditionellen Film des Genres erwarten. Doch auch abseits der Brutalität hätte ich zumindest einen böseren Streifen erwartet. Aber nein, die gesamte Geschichte kommt im Grunde sehr brav daher und dreht sich um einen durchweg guten Kerl, der dann als grüner Kobold und mit einem Wischmopp aus Säure (!) Jagd auf böse Buben macht. Das ist dann sogar erstaunlich herzlich, auch da zumindest zu Beginn mit Game of Thrones-Star Peter Dinklage ein echter Weltklasse-Schauspieler auf der Matte steht, der mit ebenso viel Ernsthaftigkeit wie nötiger Ironie an die Sache herangeht und den ganzen Kram gar noch schauspielerisch adelt. Das steht dann jedoch im mehr als herben Kontrast zu dem ganzen Rest, der vollkommener Blödsinn ist und eigentlich nur gerettet werden könnte, indem man voll aufs Gas hinsichtlich Gewalt und Albernheiten getreten hätte. Das Gaspedal wird aber nur sporadisch gefunden, hier für ein paar Sekunden und da mal für einen kurzen Moment, wenn die Gedärme eines Verbrechers einen... sagen wir mal... speziellen Weg finden, um aus seinem Körper zu entfleuchen. 
Leider zieht sich die ganze Nummer aber bisweilen ordentlich hin, da die Macher in diesem ganzen Irrsinn als Comic-Bösewichten und einer Clownsgang, die irre kichernd durch die Straßen zieht, zu viel Zeit verwenden, um glaubwürdige Figuren zu gestalten. Ja, so seltsam diese Mixtur auch klingen mag, so unnatürlich wirkt sie dann auch im fertigen Film, weswegen keine Seite der Medaille so richtig überzeugen kann. Im kunterbunten Finale war ich dann auch bereits raus, denn da wird dann zwar noch mal richtig Gas gegeben, was das genüssliche Zermanschen von Körpern angeht, aber auch hier wird keine Grenze überschritten oder sich auch nur in ihre Nähe gewagt, was den geneigten Splatter-Fan bei solch einem Werk hinter dem Ofen hervorgelockt hätte. Und so vollbringt The Toxic Avenger das seltsame Kunststück, zu herzlich und gleichzeitig zu albern zu sein, obwohl beide Seiten prinzipiell richtig wären, aber keine sich richtig nach vorne traut. Das führt zu einem Film, der durchweg Charme hat, aber einfach fehlkonzipiert daherkommt - ein Projekt wie dieses hätte einhundert Prozent Übertreibung nötig gehabt. Die hier vorliegenden zwanzig reichen einfach nicht, um daraus mehr zu machen als eine reichlich alberne und ziemlich dämliche Splatter-Sause.

Fazit: Einerseits in der Ausarbeitung seiner ohnehin völlig dämlichen Geschichte viel zu detailliert, andererseits hinsichtlich dem Überschreiten von albernen Splatter-Eskapaden-Grenzen viel zu mutlos. The Toxic Avenger setzt sich zwischen alle Stühle und wird weder Genre-Fans noch Freunde von kreativem Eskapaden-Kino wirklich abholen.

Note: 4



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