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Was ist Liebe wert - Materialists

Lucy (Dakota Johnson) arbeitet als Dating-Beraterin für die Partnervermittlungsagentur Adore und kann dabei schon zahlreiche Erfolge, darunter insgesamt neun Hochzeiten, verbuchen. Für ihre eigene Liebe hat sie dabei keine Zeit und möchte diese Zeit auch eigentlich gar nicht finden. Doch dann lernt sie auf der Hochzeit eines Klienten den gutaussehenden Investmentbanker Harry Castillo (Pedro Pascal) kennen, der Lucy unbedingt daten will - wohingegen Lucy argumentiert, dass Harry etliche Frauen kennenlernen könnte, die einen deutlich besseren Stand hätten als sie. Zudem begegnet sie auch ihrem Ex-Freund John (Chris Evans) wieder und ihre längst verflossene Liebe, die damals vor allem an den finanziellen Sorgen des Paares scheiterte, scheint wieder aufflammen zu können...

Kennt ihr dieses Gefühl? Ihr schaut einen Film und fühlt euch prinzipiell zumindest solide unterhalten und habt auch Lust, euch auf den Film einzulassen. Doch eure Gedanken schweifen immer wieder ab. Nicht, weil in eurem Leben gerade besonders viel los ist und ihr euch nicht konzentrieren könnt - nein, es sind prinzipiell eher unwichtige Gedanken wie die Erinnerung, den Abwasch noch zu erledigen oder einen freizeitlichen Termin in ein paar Tagen abzuklären, die euch plötzlich in den Sinn kommen. Und das ist dann eigentlich kein gutes Zeichen für den Film, wenn er solche Gedankenspiele zulässt. Tatsächlich erging es mir bei Materialists so, was vor allem an der schier einschläfernden Inszenierung von Regisseurin Celine Song liegt, die insbesondere Dialogszenen so dermaßen zäh in Szene setzt, indem sich Figuren stets ganz lange in die Augen sehen, bevor sie eine (meist recht maue) Zeile zum Besten geben, dass man ziemlich schnell müde wird.
Und das ist gleich in zweifacher Hinsicht schade. Einerseits, weil Song vor ein paar Jahren mit dem grandiosen Past Lives einen viel besseren, stärkeren und auch wichtigeren Film im gleichen Genre abgeliefert hatte, der so viel mehr aussagte, aber auch wesentlich mehr Energie hatte als dieser hier. Und andererseits tut es mir unglaublich leid für Dakota Johnson. Nachdem sie sich erfolgreich aus dem Schatten der unsäglichen Fifty Shades of Grey-Reihe herausgeschält hatte, konnte man sehen, dass sie eine durchweg gute Schauspielerin ist... doch ihre Rollenauswahl in den letzten Jahren ließ zu wünschen übrig. Besonders das Superhelden-Debakel Madame Web hinterließ tiefe Kratzer in ihrer Karriere, auch wenn sich Johnson davon wenig beeindruckt zeigte. In Materialists liefert Johnson nun eine gewohnt beachtliche Leistung, darf aber auch den mit Abstand interessantesten Charakter verkörpern. Denn ihre Lucy glaubt eigentlich an die Liebe und drückt ihren Klientinnen auch durchweg die Daumen, wenn es darum geht, den richtigen Partner zu finden. Gleichzeitig ist die Liebe für sie aber auch ein Geschäft, welches höchst streng analysiert und durchgerechnet wird - so sehr, dass sogar ihre eigene Partnerwahl zu reiner Mathematik wird, was Johnson in einem ziemlich cleveren Monolog während eines Dates auf den Punkt bringt.
Diese recht clevere Ausgangslage wird später dann auch noch mit ein paar düsteren Einschlägen gemünzt, wenn nicht nur reale Gefahren, die beim Daten auf Menschen warten, diskutiert werden, sondern auch auf unser aller Verhalten beim Online-Dating, wo wir darauf warten, dass wir alles bekommen, was wir wollen, eingegangen wird. Das klingt dann auch alles erstmal gut, doch diese Ideen sind nur auf dem Papier wirklich etwas wert. Die Dialogzeilen, in denen diese Themen diskutiert werden, sind oft so bedeutungsschwanger und dementsprechend fake, dass man den Figuren kein Wort glauben mag. Die Inszenierung ist so geleckt und dementsprechend langweilig, dass man sich zwingen muss, dem Film überhaupt noch zu folgen. Und die Entscheidung, aus diesen eigentlich gar nicht mal so dummen Themen und dieser spannenden Hauptfigur letztendlich doch nur wieder eine klischeehafte "Ich stehe zwischen zwei Männern und beide sehen so gut aus, welchen wähle ich nur?"-Nummer zu machen, ist richtig ärgerlich und trotz der starken, weiblichen Hauptfigur fast schon wieder sexistisch. Ist den Machern zu diesem Thema denn wirklich nichts besseres eingefallen als die x-te Romantik-Nummer, bei der die beiden Männer sich schier durch den ganzen Plot schlafwandeln und über weite Strecken nur gut aussehen müssen? Dass die beiden Marvel-Stars Chris Evans und Pedro Pascal dabei nur wenig glänzen können, versteht sich fast von selbst. Immerhin kriegt der Film aber hinsichtlich des Themas, dass Pascal's Charakter vordergründig wegen seiner Finanzen interessant ist, noch einen cleveren Turn hin, wenn etwas darüber erzählt wird, dass wir uns nicht der Liebe wegen auf einen Menschen einlassen... sondern Geld, berufliche Sicherheit und das Aussehen auch viel zählen. In diesen Momenten lässt sich Materialists auf einen ebenso giftigen wie bodenständigen Realismus ein, der durchaus originell ist. Leider wird dieser aber recht schnell für den typischen, semi-romantischen Irrsinn über Bord geworfen.

Fazit: Es gibt wahnsinnig viele, gute und erfrischende Ansätze in diesem Film - über die angenehm-spannende Hauptfigur, real aufgezogene Themen wie der Marktwert der Liebe oder die Gefahren des Online-Datings bis hin zur Regisseurin, die so viel aussagen kann. Leider wird in Hollywood daraus doch nur wieder eine arg fahrige Schmonzette, viel zu auswalzend erzählt, viel zu schmachtend gespielt und mit Dialogen, die einfach nur fake daherkommen. Schade, hier wäre wirklich so viel mehr möglich gewesen.

Note: 3-



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