Direkt zum Hauptbereich

"The Descent" in der teureren Sparversion: Filmkritik zu "The Cave (2005)"

In Rumänien wird ein unbekanntes Höhlensystem entdeckt, welches vor dreißig Jahren verschüttet und nun wieder freigelegt wurde. Ein Forschungsteam unter der Leitung des Tauchers Jack (Cole Hauser) soll die Tunnel ergründen und somit vielleicht Geschichte schreiben. Doch schon die ersten Schritte in das Höhlensystem, in welchem sich ein gigantischer Fluss befinden soll, der nicht wieder aus der Höhle heraustritt, erweisen sich als schwierig. Noch dazu scheint eine Art Lebensform in dem Höhlensystem zu leben und dieses ist den Forschern keinesfalls freundlich gesinnt...

Kaum ein Genre lässt sich schwieriger neuerfinden als das Horror-Genre - angesichts der Massen an Schauerfilmen haben wir so ziemlich alles schon mal irgendwie gesehen und es braucht schon wahre Könner wie Darren Aronofsky und Ari Aster, um dem noch frisches Leben einzuhauchen. Trotzdem ist ja auch nichts einzuwenden, wenn die Bausteine bereits bekannt sind, solange man sie nur ansprechend zusammentürmt. Im direkten Vergleich zum im selben Jahr startenden "The Descent", in welchem es eine Gruppe Menschen ebenfalls in ein verzweigtes Höhlensystem verschlug, zieht "The Cave" trotz eines höheren Budgets aber eindeutig den Kürzeren. Die Ähnlichkeiten sind frappierend und dass die Höhle hier zu großen Teilen aus Wasser besteht, ist noch der eindeutigste Unterschied bezüglich des Settings. Ein Setting, welches Regisseur Bruce Hunt aber niemals richtig unter Kontrolle bringt, womit er auch den ärgsten Kritikpunkt vom thematisch verwandten "The Descent" mit einbringt. Denn wenn es schon dunkel und eng ist, warum muss man die Orientierung des Publikums noch weiter erschweren, indem man auf einen furchtbar rasanten Schnitt setzt?
Dieser ist wohl zum einen dazu da, um die schwachen Computereffekte der zweiten Hälfte noch weiter zu kaschieren als es die Dunkelheit der Szenerie ohnehin schon tut... und um dem Film eine für diese Machart erstaunlich niedrige Altersfreigabe zu verschaffen, sodass um gröbere Gewaltattacken stets sehr unpassend herumgeschnibbelt wird. Doch auch darüber hinaus ist es schwer, für die Location ein wirkliches Gefühl zu bekommen, da Hunt seine Figuren sehr seltsam durch die verschnörkelten Gänge bewegt. Mal sind sie unter dem Wasser, dann wieder zurück an der Base und plötzlich wieder ganz woanders: Die Orientierungslosigkeit der Figuren auf das Publikum zu übertragen, macht zwar durchaus Sinn, doch wenn zudem noch deren Erkundungen innerhalb des wirren Szenenschnitts wegfallen, ergibt diese Herangehensweise kein wirkliches Plus in Sachen Atmosphäre. Atmosphärisch dicht sind hingegen einige einzelne Szenen, wenn die Forscher nach und nach hinter das Geheimnis des Höhlensystems kommen. Die Antworten auf derlei Fragen sind zwar im trashigen Bereich angesiedelt, doch die Reise dahin hält ein paar nette Wendungen bereit.
So ist auch nicht immer wirklich vorhersehbar, welche der Figuren denn das Zeitliche segnen wird und Hunt überrascht uns mit dem plötzlichen Ableben eines handelnden Charakters mehr als einmal. Dieser Schritt hätte jedoch deutlich mehr Feuer entwickelt, wenn man denn auch Figuren entworfen hätte, die über das reine Klischee-Abziehbild des Genres hinausgehen. So müssen wir uns hier nur mit reinen Standard-Varianten des mutigen Helden, der toughen Abenteurerin oder dem sprücheklopfenden Draufgänger zufrieden geben. Viel mehr als ihre Positionen erfahren wir über die Figuren ohnehin nicht, weswegen es den Schauspieler*innen überlassen bleibt, vielleicht noch ein wenig mehr aus den Schablonen des Drehbuchs herauszuholen. Die Besetzung liest sich derweil gut und generell machen die bekannten Namen (unter ihnen "Game of Thrones"-Star Lena Headey, "2 Fast 2 Furious"-Fiesling Cole Hauser und der aus der Mystery-Serie "Lost" bekannte Daniel Dae Kim) auch keinen üblen Job. Doch auch sie können die schnöden Dialoge und die teilweise ziemlich mauen Charakterszenen nicht mehr retten, so sehr sie sich zumindest teilweise auch bemühen.

Fazit: Horrorfilm nach sattsam bekannten Mustern, der zwar mit ein paar Überraschungen aufwarten kann, darüber hinaus aber nur die üblichen Klischees aufbietet und darüber hinaus nicht mal mit einer packenden Inszenierung fesseln kann.

Note: 4



Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Anna und die Apokalypse

Teenagerin Anna (Ella Hunt) lebt eigentlich ein recht herkömmliches Highschool-Leben mit Verehrern, Hausaufgaben und manch einer jugendlichen Tragödie. Statt sich Schulfesten hinzugeben, ackert sie jedoch lieber für ein Flugticket raus aus den USA, um auf Reisen zu gehen. Diese Pläne werden jedoch plötzlich durchkreuzt, als in Annas Stadt eine Zombie-Apokalypse ausbricht. Erst nehmen sie und Annas und Freunde diese Sache mit Humor, doch als die Ernsthaftigkeit der Situation über sie hereinbricht, greifen sie zu allem, was sich durch einen Zombieschädel bohren lässt, um sich den Weg zur Highschool freizukämpfen. Dort sitzt nämlich Annas Vater Tony (Mark Benton) unter dem Kommando des verrückten Schulleiters Savage (Paul Kaye) fest... Man merkt schon - wirklich ernstnehmen tun die Macher rund um Regisseur John McPhail das immer noch allseits beliebte Zombie-Thema hier nicht und verpacken es daher dann auch, was in dieser Form tatsächlich noch unverbraucht ist, in ein buntes Musical. ...

London Boulevard

Es gibt Filme, die lassen sich schlichtweg nicht in ein festes Genre pressen. Das kann ab und an richtig spannend sein, wenn sich ein Film nicht einem Stil hingibt, kann überraschen und fesseln, aber auch außer Kontrolle geraten und so irgendwann ziellos oder gar anstrengend und ungekonnt wirken. "London Boulevard" ist so ein Mischkind, welches über Thriller, Komödie, Drama und Gangster-Krimi alles mögliche abdecken will, dabei aber immer wieder unangenehm ins Trudeln gerät. LONDON BOULEVARD Mitchel (Colin Farrell) saß drei Jahre wegen gewalttätiger Vergehen im Gefängnis. Nach seiner Entlassung will er der kriminellen Szene, in welcher ihn sein ehemaliger Partner und Freund Billy (Ben Chaplin) immer wieder hineinzudrängen versucht, absagen und nimmt anstattdessen einen ehrlichen Job an: Als Personenschutz der berühmten Schauspielerin Charlotte (Keira Knightley) hält er der Frau aufdringliche Papparazzi vom Leib... und schnell kommen sich die beiden näher. Doch die Krimina...

Das Ende dieses Blogs

 An all meine treuen Leser*innen, ich machs kurz: Dieser Blog hat an dieser Stelle sein Ende gefunden. Gut zwölf Jahre haben sich meine Film- und Serienreviews hier angesammelt, doch nun werden sie an einer anderen Stelle ausgelagert. Ich bin mit meinen Filmreviews auf Letterboxd umgezogen, mein Account dort lautet Flolli und ihr findet ihn unter diesem Link:  https://boxd.it/jOAkX Meine Serienkritiken findet ihr zudem unter dem gleichnamigen Account auf Serializd:  https://www.serializd.com/user/Flolli/profile Zudem gibt es auch (seltener, aber ebenfalls erwähnenswert) Kritiken zu storylastigen Videospielen auf Backloggd:  https://backloggd.com/u/Flolli/ Ich hoffe, einige meiner treuen Leser*innen auf diesen Plattformen wieder zu treffen und euch auch dort noch genügend Lesestoff bieten zu können - es hat sich dort jedenfalls schon einiges angesammelt :) Auf bald, euer Flo