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Kleine, schmutzige Briefe

In den 1920ern erhält die streng christlich lebende Edith Swan (Olivia Colman) seit geraumer Zeit Briefe von einer unbekannten Person. In diesen wird sie auf das Bösartigste beschimpft. Der Verdacht fällt früh auf Ediths Nachbarin Rose Gooding (Jessie Buckley), welche seit jeher durch ihre unflätige Sprache und ein loses Mundwerk Aufmerksamkeit auf sich zieht. Obwohl Edith einen Konflikt vermeiden möchte, wird die Polizei kontaktiert und Rose trotz nur schwammiger Beweise in Gewahrsam genommen. Rose beteuert ihre Unschuld zwar, sieht sich aufgrund ihres aggressiven Verhaltens jedoch keinerlei Verständnis seitens der männlichen Polizeibeamten ausgesetzt. Nur die junge, von ihren Kollegen müde belächelte Polizeibeamtin Gladys Moss (Anjana Vasan) möchte noch tiefer graben...

Vordergründig mag dieser Film ein recht unorigineller Krimi sein - im Kern geht es nämlich um die Suche nach dem bösen Schreiberling, der diese finsteren und ziemlich morbiden Worte zu Papier bringt, was natürlich eine Menge Polizeiarbeit erfordert. Bricht man "Kleine, schmutzige Briefe" tatsächlich auf diesen Plot herunter, wird man nicht viel finden. Trotz einiger Überraschungen und Wendungen, die ich so nicht unbedingt habe kommen sehen (auch wenn einige falsche Fährten zu Beginn eindeutig als solche auszumachen sind), fehlt es dem Krimi-Plot auch Durchschlagskraft. Das ist aber nicht weiter schlimm, da der Film eigentlich etwas anderes erzählen möchte. Zum einen führt er nämlich ein mit rabiaten Worten geführtes und manipulatives Schauspiel-Duell zwischen zwei der besten Schauspielerinnen der Gegenwart an. Olivia Colman und Jessie Buckley stehen sich zwar nur in wenigen Szenen richtig gegenüber, doch wenn sie das tun, dann sprühen die Funken förmlich und es ist ein großer Spaß, den beiden so verschieden auftretenden Frauen bei ihrer Arbeit zuzusehen.
Noch viel prägnanter und wichtiger ist jedoch die Erzählung über eine Männerdomäne, die Frauen in ihrer Welt nicht nur nicht ernstnehmen, sondern sie sogar bei der Ausarbeitung ihrer Pflicht behindern wollen. Nicht nur die verschüchterte Edith wird in ihrem eigenen Heim von einem Mann unterdrückt, bis sie sogar gegen ihren Willen zur Anklägerin werden muss. Besonders auffällig ist diese damals bekannte und auch heute noch viel zu aktuelle Thematik, wenn es um die junge Polizeibeamtin Gladys Moss geht, die ihren Zorn immer wieder herunterschlucken muss, wenn ihre Kollegen ihre Ideen wegschieben und sie stattdessen mit dem Aufbrühen der nächsten Kaffeetasse beauftragen. Anjana Vasan ist das dritte, weibliche Schwergewicht in diesem Film und zeigt im Gegensatz zu Colman und Buckley zum ersten Mal so richtig, was sie kann. Es ist mehr als gut möglich, dass wir von diesem jungen Talent, die ihren ersten kleinen Filmauftritt im Marvel-Blockbuster "Spider-Man: Far From Home" bewerkstelligt hat, noch einiges hören werden.
Natürlich agiert "Kleine, schmutzige Briefe" in jedem dieser Aspekte recht durchsichtig - es ist dabei fast schon ein wenig zu viel des Guten, wie sehr hier fast alle Männer (bis auf einen, wenn man es genau nimmt) als absolute Feindbilder daherkommen. Allerdings passt auch gerade das gut, um in direktem Kontrast einige richtig starke Frauenfiguren zu erschaffen, die nicht nur durch ihren eisernen Willen, sondern auch durch die Fähigkeit, im richtigen Moment zur richtigen Stelle zu sein, ohne sich zu verheben, einen Kampf gewinnen können. Und noch dazu ist der Film in seinen bisweilen sehr, sehr schlüpfrigen Dialogen, die voller unflätiger Schimpfworte stecken, auch noch sehr lustig. Gerade der Kontrast eines optisch bieder aussehenden Kostümfilms zu dem, was in den Dialogen steckt und was besonders die Damen hier so alles von sich geben, ist höchst amüsant. Und das Finale, während welchem alle weiblichen Hauptfiguren zu ihrer Blüte kommen und manch eine Enthüllung ans Licht kommt, ist nicht nur clever inszeniert, sondern innerhalb seines eng gesteckten Rahmens sogar ziemlich spannend.

Fazit: Obwohl der Plot in mancherlei Hinsicht zu durchsichtig ist, ist vor allem das Schauspiel-Duell zwischen Colman und Buckley sowie der herrlich-fiese und schmerzhaft wahre Unterton, wenn es um Frauen in einer Männerdomäne geht, ziemlich packend.

Note: 3



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