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A House of Dynamite

Es scheint ein ganz gewöhnlicher Morgen in den USA zu sein. In Fort Greely beendet Major Daniel Gonzalez (Anthony Ramos) gerade ein Telefonat und geht danach an die Arbeit, als er und sein Team einen Raketenabschuss von unbekannter Position bemerken. Nur wenige Sekunden später herrscht Alarmbereitschaft im ganzen Land. Militärs, Mitarbeiter des Weißen Hauses und hochrangige Politiker versuchen herauszufinden, von wo die Rakete gestartet ist, welches Ziel sie hat und wie man sie aufhalten kann. Neunzehn Minuten verbleiben, bis eine atomare Explosion auf dem Festland der USA droht - anschließend bleibt womöglich keine Zeit mehr, um wie auch immer zu reagieren. Innerhalb von Minuten droht ein Atomkrieg, der die ganze Welt verändern, wenn nicht gar beenden könnte... und der Ausgang dieses Szenarios entscheidet sich dadurch, wie nur wenige Menschen, mit den Fingern auf Knöpfen, nun reagieren werden.

Kathryn Bigelow gilt als eine der faszinierendsten Regisseurinnen unserer Zeit, die in den vergangenen Jahren schon zweimal Filme gemacht hat, die förmlich die Zerlegung unserer zivilisierten Welt durch die Grausamkeiten des Krieges aufzeigten. Ihr großer Oscargewinner The Hurt Locker auf der einen Seite, auf der anderen dann die intensive Jagd nach Osama Bin Laden in Zero Dark Thirty. Mit ihrem neuesten Film treibt Bigelow diesen Ansatz auf die Spitze und erzählt eine fiktive, aber ungemein realistische und glaubwürdige Geschichte, die das Ende der Zivilisation bedeuten könnte. Ihr Film hat gerade deswegen so viel Gewicht, weil dieses Szenario wohl noch nie so greifbar war wie zu unserer heutigen Zeit, in welcher verschiedene, verfeindete Staaten rund um den Erdball mit den Ketten rasseln und die Welt praktisch innerhalb von Minuten vor dem Abgrund stehen könnte. Mit minutiöser Genauigkeit und einer furchterregenden Plausibilität erschafft Bigelow einen Film, der regelrecht Angst macht und die förmliche Ohnmacht vor solch einem möglichen, apokalyptischen Szenario genauestens durchspielt, dabei aber stets ganz nah an den Menschen bleibt, die plötzlich alle gleich scheinen.
Das etwas eigensinnige Drei-Akt-Szenario, für welches Bigelow sich hier entschieden hat, sorgt quasi zwangsläufig dafür, dass wir über zwei Stunden die Luft anhalten und immer tiefer in den grauenvollen Sog der Ohnmacht hineingezogen werden. Und auch wenn diese Struktur im letzten Drittel etwas durchsichtig wird und gewisse Wiederholungen unvermeidbar sind, bleibt diese drückende Intensität durchweg bestehen. Mit einer kritischen Stimme zerlegt Bigelow den Verteidigungsapparat und politische Entscheidungen und zeigt uns ebenso kühl wie faktisch, dass nichts unsere Welt retten kann, wenn dieses Szenario erst einmal eingetreten ist - die besten Verteidigungssysteme, Milliarden von Dollars und Sicherheitsmaßnahmen bringen nichts, wenn sich die Menschen rund um den Erdball nicht endlich einig werden können. Das ist schon eine ziemlich niederschmetternde, leider aber sehr reale Sichtweise, die einen ziemlich umhauen kann und dementsprechend noch lange, sehr lange nachwirkt. Bigelows atemloser Regiestil, beinahe dokumentarisch, sorgt für durchgehende Anspannung, die sich bisweilen so zu entladen droht, dass es nahezu zu viel sein kann.
Einen solch realistischen und bedrohlichen Film fast durchweg mit bekannten Namen zu besetzen, wirkt erstmal obskur. Tatsächlich tummeln sich so viele Stars in Haupt- und Nebenrollen, dass sogar für die stets brillante Kaitlyn Dever nur noch eine absolute Kleinstrolle übrig bleibt und sogar die zuvor so prominent beworbenen Jason Clarke oder Mission: Impossible-Star Rebecca Ferguson eher noch in der zweiten Reihe verbleiben. Das Star-Schaulaufen funktioniert dennoch, da sich hier niemand ernsthaft nach vorne drängt und alle sehr nuanciert agieren, sodass man ihnen die großen, furchtsamen Emotionen angesichts des drohenden Endes der Welt mehr als abnimmt. Gut sind sie alle, zwei ragen dennoch heraus. Einerseits Tracy Letts, der als nahezu schlafwandlerischer General, der vor allem erst mal die Ruhe bewahren will und dem ganzen Chaos mit dem Verlangen nach Fakten begegnet; und The Night Agent-Star Gabriel Basso als junger, nationaler Sicherheitsberater, der mit seiner energetischen Performance seine auf den Punkt geschriebenen Dialogzeilen gewieft verwandelt. Erheblichen Diskussionsstoff bietet zudem das Ende des Films - ich jedenfalls saß schon lange nicht mehr so fassungslos vor dem Fernseher, als der Abspann lief und werde, wie sicherlich ein Großteil des Publikums auch, noch sehr, sehr lange über das Geschehen der letzten Minuten nachdenken.

Fazit: Kathryn Bigelow ist ein minutiös durchgetakteter, bravourös inszenierter und in seinem grausamen Realismus schier furchterregender Film gelungen. Ein ganz realer Horrorfilm, wenn man so will, der regelrecht verängstigen kann, dabei aber auch spannende Charaktere, grandiose Schauspielleistungen sowie durchgehende Hochspannung liefert. Auch wenn der Film in seinem dritten Akt ein bisschen abbaut und das Ende gnadenlose Diskussionen verursachen wird, ist A House of Dynamite ein ungemein wichtiger Film zur richtigen Zeit, über den man unbedingt sprechen muss... auch wenn es förmlich unerträglich ist, sich ihn anzusehen.

Note: 2+



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