Direkt zum Hauptbereich

Springsteen: Deliver Me from Nowhere

Im Jahr 1981 ist Bruce Springsteen (Jeremy Allen White) bereits ein gefeierter Star, dessen Tourneen restlos ausverkauft sind und der die Konzerthallten wie kaum ein anderer füllt. Bruce hat alles, was er sich je erträumen konnte... und mehr. Nachdem er mit der jungen Kellnerin Faye Romano (Odessa Young) kennengelernt hat und sich in diese verliebt, zieht er sich zurück, um an neuen Songs zu schreiben. Was dabei jedoch aus ihm herauskommt, ist gänzlich anders als die Hits, für die ihn seine Fans kennen, in einem völlig anderen Stil. Bruce beschreibt diesen Stil als wahrhaftiger, roher und echter. Unterstützung bei seinem neuen Weg, welcher schließlich zu einem seiner berühmtesten Alben führen soll, erhält er dabei von seinem Manager Jon Landau (Jeremy Strong), der seinen Künstler und Freund selbst noch bei den seltsamsten Kehrtwenden den Rücken stärkt.

Ein Springsteen-Film hat es bei mir persönlich vorrangig erst mal etwas schwerer. So schätze ich Bruce Springsteen als legendären Künstler und mag auch die meisten seiner Songs, hatte über seine Musik hinaus aber niemals etwas mit ihm zu tun. Anders als Freddie Mercury, Elton John oder Elvis, die alle in den vergangenen Jahren mit meist im Blockbuster-Format performenden Biopics bedacht wurden, hatte ich nie eine echte Bindung zu dem Musiker. Das heißt aber erstmal nicht viel, da ich mich mit Musik ohnehin nicht wirklich auskenne und ich mich von einer guten, filmischen Geschichte ohnehin einnehmen lasse, ganz gleich, ob ich den realen Protagonisten vorab nun gut kenne oder nicht. Nur Vorschusslorbeeren oder eine gewisse Erwartungshaltung konnte ich vorab keine aufbringen... dementsprechend blieb auch die Begeisterung über gewisse Szenen und Songs aus, da mich diese niemals so in den Bann ziehen konnten wie es Kulthits wie Still Standing oder Bohemian Rhapsody taten.
Trotzdem hat Deliver Me from Nowhere den meisten Musiker-Biopics von vornherein eines voraus: Indem sich der Film nicht damit abmüht, den größten Teil von Springsteens Leben in zwei Stunden zu quetschen (und dabei zum drölfzigsten Mal die Geschichte des Aufstiegs eines ehemals belächelten und schließlich umjubelten Musikers erzählt hätte), kann er seinen Fokus ganz anders setzen. Tatsächlich spielt sich der Film ungefähr innerhalb eines Jahres ab und erzählt von der Entstehung eines gewissen Albums. Dabei spart der Film typische Konflikte des Genres angenehm aus - Streitereien mit einem verkopften Manager oder das Abrutschen in die Drogenszene fehlen ebenso wie eine zu lasch vorgetragene Liebesgeschichte. Stattdessen konzentriert man sich auf genau ein inneres Drama des Protagonisten, wobei die hier vorgetragene Traumageschichte rund um Springsteens komplizierte Beziehung zu seinem strengen Vater nun nicht neu ist, dafür aber sehr intensiv und mitreißend wiedergegeben wird.
Ob das jenseits derjenigen, die sich ohnehin zu den großen Springsteen-Fans zählen, wirklich aufregend ist, mag dahingestellt sein. Darüber hinaus bekommt man aber immerhin noch die Gelegenheit, hier einem Meister bei der Arbeit zuzusehen - die Szenen, in denen Springsteen nach und nach entdeckt, wie sich sein neuer Stil entfaltet, gehören neben den bockstarken Momenten von Adolescence-Star Stephen Graham als Bruce's Vater zu den besten des Films. Wobei man Meister gleich doppelt sagen muss, denn nicht nur beobachten wir hier Bruce Springsteen als den Meister des Songwritings, sondern natürlich auch Jeremy Allen White als Meister der Schauspielkunst. Es mag sein, dass wir dieses zurückhaltende Spiel, unter dem es stets merklich brodelt, bereits aus seiner Hauptrolle in der Hit-Serie The Bear: King of the Kitchen kennen, aber dass White in der Rolle förmlich aufgeht, ist nicht zu übersehen. Dass er bei den diesjährigen Oscars komplett übergangen wurde, ist dementsprechend mehr als unverständlich - mindestens eine Nominierung wäre seinem Schaffen angemessen.

Fazit: Begeistern tun Jeremy Allen White in der Hauptrolle sowie die Szenen, in denen sich merklich mit Springsteens Kunst und seinem Vater-Komplex auseinandergesetzt wird. Darüber hinaus ist der Film ein Biopic, welches Fans zufriedenstellt, ansonsten aber zu wenig echte Akzente setzt.

Note: 3+



Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Das Ende dieses Blogs

 An all meine treuen Leser*innen, ich machs kurz: Dieser Blog hat an dieser Stelle sein Ende gefunden. Gut zwölf Jahre haben sich meine Film- und Serienreviews hier angesammelt, doch nun werden sie an einer anderen Stelle ausgelagert. Ich bin mit meinen Filmreviews auf Letterboxd umgezogen, mein Account dort lautet Flolli und ihr findet ihn unter diesem Link:  https://boxd.it/jOAkX Meine Serienkritiken findet ihr zudem unter dem gleichnamigen Account auf Serializd:  https://www.serializd.com/user/Flolli/profile Zudem gibt es auch (seltener, aber ebenfalls erwähnenswert) Kritiken zu storylastigen Videospielen auf Backloggd:  https://backloggd.com/u/Flolli/ Ich hoffe, einige meiner treuen Leser*innen auf diesen Plattformen wieder zu treffen und euch auch dort noch genügend Lesestoff bieten zu können - es hat sich dort jedenfalls schon einiges angesammelt :) Auf bald, euer Flo

London Boulevard

Es gibt Filme, die lassen sich schlichtweg nicht in ein festes Genre pressen. Das kann ab und an richtig spannend sein, wenn sich ein Film nicht einem Stil hingibt, kann überraschen und fesseln, aber auch außer Kontrolle geraten und so irgendwann ziellos oder gar anstrengend und ungekonnt wirken. "London Boulevard" ist so ein Mischkind, welches über Thriller, Komödie, Drama und Gangster-Krimi alles mögliche abdecken will, dabei aber immer wieder unangenehm ins Trudeln gerät. LONDON BOULEVARD Mitchel (Colin Farrell) saß drei Jahre wegen gewalttätiger Vergehen im Gefängnis. Nach seiner Entlassung will er der kriminellen Szene, in welcher ihn sein ehemaliger Partner und Freund Billy (Ben Chaplin) immer wieder hineinzudrängen versucht, absagen und nimmt anstattdessen einen ehrlichen Job an: Als Personenschutz der berühmten Schauspielerin Charlotte (Keira Knightley) hält er der Frau aufdringliche Papparazzi vom Leib... und schnell kommen sich die beiden näher. Doch die Krimina...

Anna und die Apokalypse

Teenagerin Anna (Ella Hunt) lebt eigentlich ein recht herkömmliches Highschool-Leben mit Verehrern, Hausaufgaben und manch einer jugendlichen Tragödie. Statt sich Schulfesten hinzugeben, ackert sie jedoch lieber für ein Flugticket raus aus den USA, um auf Reisen zu gehen. Diese Pläne werden jedoch plötzlich durchkreuzt, als in Annas Stadt eine Zombie-Apokalypse ausbricht. Erst nehmen sie und Annas und Freunde diese Sache mit Humor, doch als die Ernsthaftigkeit der Situation über sie hereinbricht, greifen sie zu allem, was sich durch einen Zombieschädel bohren lässt, um sich den Weg zur Highschool freizukämpfen. Dort sitzt nämlich Annas Vater Tony (Mark Benton) unter dem Kommando des verrückten Schulleiters Savage (Paul Kaye) fest... Man merkt schon - wirklich ernstnehmen tun die Macher rund um Regisseur John McPhail das immer noch allseits beliebte Zombie-Thema hier nicht und verpacken es daher dann auch, was in dieser Form tatsächlich noch unverbraucht ist, in ein buntes Musical. ...