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Darf ich bitten?

Wer schon einmal Tanzunterricht genommen hat, der weiß, dass der Glanz und Glamour, den viele dahinter vermuten, eigentlich nicht existiert... oder nur an der obersten Oberfläche. Ansonsten ist das mit viel Stress, Körperkraft und Selbstbeherrschung verbunden. Tanzfilme, die im Mainstream angesiedelt sind, durchstoßen diese Oberfläche nicht, tauchen nicht tiefer in die Materie ein als es dem Publikum guttun könnte - nicht umsonst gibt es aber eben auch so entblätternde, gar schockierende Werke wie "Black Swan" , die die andere Seite der Medaille aufzeigen. "Darf ich bitten?" gehört zu dieser aber selbstverständlich nicht, denn hier haben wir einen Film, der mit seinen perfekt durchchoreographierten Tanznummern und den spielfreudigen Stars einfach nur unterhalten will... das gelingt dann aber auch nur so halb. DARF ICH BITTEN? Jeden Tag fährt er im Zug auf dem Heimweg an ihr vorbei: Nachlassverwalter John Clarke (Richard Gere) erblickt die junge Tänzerin Pauli...

Kindeswohl

Mit Sekten bin ich in meinem Leben glücklicherweise nie ernsthaft in Kontakt geraten. Im ungefähren Alter von zwölf Jahren wurde ich Zeuge, wie ein Mann im Bus mehrere Kinder ansprach und ihnen dabei mehrere Wachtürme anbat, sie ihnen bald regelrecht aufzwang - als er sich mir zuwandte, entgegnete ich ein starkes "Nein" und ließ ihn nicht zu Wort kommen. Zum Glück war ich in diesem Alter bereits über die Gefahr dieser religiösen Spinner aufgeklärt worden, doch nicht allen erging es so wie mir. Wie zum Beispiel lebt ein Kind, welches innerhalb dieser Bande aufgewachsen ist? "Kindeswohl" erzählt eine interessante Geschichte aus diesen Geflechten, über einen jungen Mann, der sich zwischen seinem eigenen Tod und dem unerschütterlichen Glauben entscheiden muss. KINDESWOHL Die Ehe zwischen der hochangesehenen, englischen Richterin Fiona Maye (Emma Thompson) und ihrem Gatten, dem Highschool-Lehrer Jack (Stanley Tucci) droht, in die Brüche zu gehen: Jack ist unzufrie...

Ben is Back

Wenn es ein Jungstar in den vergangenen drei Jahren geschafft hat, quasi von heute auf morgen in die A-Liga Hollywoods aufzusteigen, dann ist es Lucas Hedges. Dabei wurde dieser nicht durch einen großen Blockbuster über Nacht bekannt, sondern formte sich seine Karriere durch eine bemerkenswerte Auswahl aus Indie-Dramen , in denen er stets mit einer brillanten Leistung glänzen konnte. Im Alter von zweiundzwanzig Jahren hat er somit bereits eine Oscarnominierung abgestaubt und mit Weltstars gedreht, die er dabei sogar noch oftmals an die Wand gespielt hat - Hedges gilt als einer der talentiertesten Schauspieler seiner Generation. Diesen Status untermauerte er im Januar 2019 zum wiederholten Male, als er neben Julia Roberts in dem intensiven Drama "Ben is back" auftrat - ein großartiger Film! BEN IS BACK Holly Burns (Julia Roberts) traut ihren Augen kaum, als am Weihnachtsmorgen urplötzlich ihr Sohn Ben (Lucas Hedges) vor der Tür steht. Dieser ist mitten im Entzug, hat si...

Amistad

In der Filmografie des großen Steven Spielberg finden sich so viele Klassiker und so viele qualitativ wertvolle Meisterwerke, dass manch ein Film dazwischen manchmal gar unterzugehen droht. So ging es mir beispielsweise immer mit "Amistad". Ich hatte von dem Film gehört, wusste auch, dass er von Spielberg war... ansonsten war ich jedoch vollkommen ahnungslos. Vielleicht ist er bislang nie zu mir durchgedrungen, weil er im Jahr 1997 und somit genau zwischen "Jurassic Park 2" und "Der Soldat James Ryan" veröffentlicht wurde, die beide bis heute einen großen popkulturellen Wert besitzen. Nun habe ich das Drama jedoch endlich nachholen und mit selbst ein Bild von dem Film machen können, der 1998 zudem auch noch für vier Oscars nominiert wurde. Gesehen habe ich einen gewohnt guten Spielberg-Film, der nicht zu seinen besten Werken gehört, aber dennoch insgesamt sehr sehenswert ist. AMISTAD Im Jahr 1839 gelingt es vierzig Sklaven an Bord des spanischen H...

Radio Rock Revolution

Macht man sich heute Gedanken, was noch vor wenigen Jahrzehnten so alles offiziell verboten oder zumindest verpönt war, möchte man beinahe lachen. Heute darf in sämtlichen Medien geflucht und getratscht werden, man darf Haut zeigen, über Sex, Gefühle und Unzucht reden... vor vierzig Jahren sah dies noch anders aus. In den 60ern begann die sogenannte Sternstunde der Rockmusik, etliche, heute schier unsterbliche Künstler kamen an die Oberfläche, wurden zu Weltstars. Bis es jedoch soweit war, dass der Rock auch richtig in die Kultur einging, so wie es heute der Fall ist, dauerte es seine Zeit. Eine zwar fiktive, innerhalb dieser Zeitgeschichte aber gar nicht mal so unglaubwürdige Geschichte erzählt "Radio Rock Revolution"... über eine Gruppe Männer, die sich gegen die Regierung stellen, um sich der Musik zu fröhnen und eine ganze Generation damit zu prägen. RADIO ROCK REVOLUTION Der achtzehnjährige Carl (Tom Sturridge) wird von seiner Mutter nach seinem Schulrauswurf auf da...

Silence

Wer mich kennt, der weiß, dass ich versuche, möglichst viele Filme im Kino zu sehen. Natürlich ist dies sowohl zeitlich als auch angesichts des manchmal etwas eng gestaffelten Programms aber nicht möglich und gewisse Werke verpasst man einfach. "Silence" schien vor zwei Jahren ein ebenso sperriger wie interessanter Film zu sein und auch diesen verpasste ich im Kino, da er nur gut zwei Wochen in meinem Stammkino zu sehen war. Zudem beträgt das mehrfach oscarnominierte Werk auch eine Laufzeit von 165 Minuten - ein solch ausschweifender Kinobesuch muss manchmal eben etwas genauer geplant haben als ein kurzer, knackiger Ausflug in einen 100-Minüter. Dank Amazon Prime konnte ich das Drama nun aber endlich nachholen... und war schockiert aufgrund der vollkommen fehlgeleiteten Aussage, die dem Zuschauer hier mitgegeben werden soll. SILENCE 1638: Christovao Ferreira (Liam Neeson), der ehemalige Mentor des jungen Jesuiten Sebastiao Rodrigues (Andrew Garfield) ist in Japan versc...

Die Frau des Nobelpreisträgers

Schauspielerin Glenn Close hält einen Rekord, der ebenso beachtlich wie traurig anmutet: Sieben Mal war sie bereits für den begehrten Filmpreis Oscar nominiert, darunter viermal als beste Hauptdarstellerin. Heute ist sie zweiundsiebzig Jahre alt, blickt auf eine grandiose Karriere zurück, hat den Goldjungen aber noch immer nicht erhalten. Zuletzt war sie tatsächlich in diesem Jahr nominiert, hatte jedoch gegenüber der brillanten Darstellung von Olivia Colman in "The Favourite" das Nachsehen. Colmans Spiel war mehr als würdig für den Oscar und man muss anmerken, dass es schwer für Close war, dagegen noch anzukommen. Sieht man sich nun jedoch "Die Frau des Nobelpreisträgers" an, der weitestgehend von ihrer ungemeinen Präsenz zehrt, ist es fast schon wieder schade, dass sie es nicht war, die den Oscar in den Händen hielt... auch wenn uns damit Colmans bereits klassische, wunderbare Rede durch die Lappen gegangen wäre, die ich heute keinesfalls mehr missen möchte. DI...