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Fancy Dance

Seneca-Cayuga-Reservat, Oklahoma. Jax (Lily Gladstone) ist eine indigene Prostituierte, die seit dem Verschwinden ihrer Schwester auf ihre Nichte Roki (Isabel Deroy-Olson) aufpasst. Jede freie Minute widmet sie sich der Suche nach ihrer verschwundenen Schwester und hilft Roki bei den Vorbereitungen für die traditionellen bevorstehenden Powwow-Feierlichkeiten. Dann wird Roki von der Polizei zu ihrem nicht-indigenen Großvater Frank (Shea Whigham) gebracht, der von nun an auf sie aufpassen soll. Auf die Gefahr hin, großen Ärger zu bekommen, macht sich Jax mit ihrer Nichte in einer Nacht- und Nebelaktion auf den Weg in das unnachgiebige Land des Reservates um Rokis Mutter rechtzeitig vor dem Powwow zu finden. Was als eine Suche beginnt, wird allmählich zu einer viel tiefer gehenden Überprüfung der eigenen indigenen Wurzeln und ihrem Überleben in einer kolonialisierten Welt und einem gescheiterten Rechtssystem.

Spätestens seit dem (ebenfalls von Apple produzierten) Scorsese-Überwerk Killers of the Flower Moon ist Lily Gladstone wohl jedem Filmfan ein Begriff. Ungefähr zur gleichen Zeit, in der auch dieser für etliche Oscars nominierte Film herauskam, arbeitete Gladstone mit Apple an einem weiteren Drama, welches in der Summe aber deutlich weniger Aufmerksamkeit erhielt und von dessen Existenz ich (Asche auf mein Haupt) bis vor wenigen Tagen gar nichts wusste. Aber so ist das mit manchen Apple-Filmen, die dann doch recht schnell wieder in der Versenkung verschwinden, da sich an diesem Streamingdienst längst nicht so viele Massen tummeln wie bei Netflix oder Disney. Einen Blick wert ist Fancy Dance aber dennoch, nicht nur, aber auch aufgrund seiner faszinierenden Hauptdarstellerin.
Unter Gladstones Oberfläche brodelt es förmlich permanent, doch zu einer Explosion, auf die man wartet, muss es dabei gar nicht kommen. Es wäre ein leichtes, ihre Performance als zu zurückgenommen zu beschreiben und dem Film als Ganzes dementsprechend fehlendes Gefühl vorzuhalten. Und auch wenn ich diese Kritikpunkte nicht gänzlich von der Hand weisen kann und ich mir hier und da ein paar größere Emotionen gewünscht hätte, so bleibt sich der Film in seinem Tonfall so treu. Es braucht keine gigantischen Gefühlsausbrüche, denn die Menschen in diesem Land und vor allem mit dieser Herkunft haben ohnehin lernen müssen, ihre Emotionen im Zaum zu halten. Das sorgt für eine gedrückte Stimmung, die besonders die erste Hälfte dieses Krimi-Dramas beherrscht und für eine dichte Atmosphäre sorgt.
Später herrscht dann vor allem die Selbstfindung. Obwohl der Fall der verschwundenen Schwester der Hauptfigur rein dramaturgisch der Mittelpunkt bleibt, geht es später viel mehr darum, wer Jax und ihre Nichte eigentlich sind, wer sie sein wollen und können. Vor dem heutigen, politischen Hintergrund bekommt zudem die Szene mit einem ICE-Officer einen ganz neuen, heftigen Anklang. Man merkt, es steckt viel drin in Fancy Dance und trotz der bemerkenswert ruhigen Ausrichtung gibt es viel zu entdecken. Das passt dann nicht immer alles zusammen und wirkt manchmal ein bisschen wie mit den schnellen Fingern zusammengesetzt - gerade eine dramatische Wendung der Ereignisse ist da doch zu vorhersehbar, aber auch zu nüchtern eingeschoben worden. Für Freunde dieser Art des kleineren, feineren Erzählkinos hält Apple aber durchaus spannende anderthalb Stunden bereit.

Fazit: Einer der unbekannteren Filme auf Apple's Streamingdienst und aufgrund seiner nüchternen Ausrichtung sicherlich nicht für ein breiteres Publikum geeignet. Lily Gladstone agiert erneut absolut herausragend, die Geschichte entwickelt sich ruhig, wenn auch hier und da zu arg in sich gekehrt.

Note: 3



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