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Infiltration - Die zweite Staffel

Es ist mittlerweile vier Monate seit dem Auftauchen eines gigantischen Raumschiffes in der Erdumlaufbahn her, welches klar machte, dass die Menschheit den Kampf gegen die außerirdischen Invasoren nicht gewonnen hat. Seitdem wird die gesamte Erde von den mordlustigen Aliens attackiert, etliche Tote sind täglich zu beklagen. In diesen grauenvollen Tagen wird Mitsuki (Shioli Kutsuna) in Japan von Regierungssoldaten nach Brasilien gebracht - dort soll sie aufgrund ihrer enormen Kenntnisse etwas über das abgestürzte Raumschiff herausfinden und vielleicht wieder einen Kontakt zu den Außerirdischen herstellen. Indes befindet sich Aneesha (Golshifteh Farahani) mit ihren Kindern auf der Flucht - in einer Welt des Ausnahmezustandes scheint nun von jeder Seite der Tod zu drohen. Dabei machen sie auch die Bekanntschaft mit einer aktivistischen Bewegung, die während der Apokalypse gegen die Regierung und das Militär vorgeht...

Eines steht mit der zweiten Staffel von Apple's Infiltration bereits jetzt fest: Das hier ist kein neues Lost, wo allerlei mysteriöse Zahnrädchen ineinander gefügt werden und immer neue Geheimnisse aufgelöst werden, damit am Ende jedes kleine Teilchen ein (je nach Ansicht) perfekt austariertes Puzzle ergibt. Nein, der Mystery-Ansatz, den Infiltration in seiner ersten Staffel noch so eindrucksvoll fuhr, ist nun zwar nicht komplett weg, aber definitiv nicht mehr der Fokus. Was im Grunde nur verständlich ist, denn die großen Mysterien rund um die seltsamen Vorfälle auf dem Planeten Erde hatten sich schon recht früh mit der Antwort, dass hier außerirdische Wesen unsere Heimat besuchen und gleich auch attackieren, aufgelöst. Nun ist das hier also eine klare Science-Fiction-Serie, bei der es weniger um Mysterien, sondern um Fragen der Größenordnung Was wollen die Aliens eigentlich? oder Wie kommunizieren wir mit ihnen? geht. Das ist nicht minder interessant, sollte sich dieser Text bis hierhin jetzt eher negativ angehört haben. Es könnte jedoch gerade in der zweiten Staffelhälfte manch einen Zuschauer verschrecken, der sich etwas mehr erhofft hat als Themen wie Träume, Visionen und auserwählte Kinder, die letztendlich aus diffusen Gründen den Tag retten sollen.
Wobei damals ja auch Lost irgendwann den Fantasy-Weg beschritt, um seine Geheimnisse aufzulösen... und dass dieser Pfad nun bei einer von Anfang an so verordneten Sci-Fi-Serie beschritten wird, sollte wenig verwundern. Und deswegen zieht die Geschichte, die wie gehabt an mehreren Standorten rund um den Planeten erzählt wird, auch immer noch in den Bann. Diesmal gibt es aber einen klaren Gewinner unter all den sorgfältig aufgeteilten Plots, denn die Geschichte rund um die nach ihrer großen Liebe suchenden und deswegen mit den Außerirdischen kommunizierenden Mitsuke überträgt aufgrund der packenden Ereignisse und Fragezeichen noch immer diesen Mystery-Faktor und ist auch auf emotionaler Ebene ein echtes Brett. Was nicht bedeutet, dass die anderen Handlungen nicht überzeugen würden, doch gerade der Plot rund um die junge Mutter Aneesha entwickelt sich hier weitestgehend zu einem durchgehenden Gefahren-Schaulaufen, was zumindest im direkten Vergleich etwas uninteressanter daherkommt. Die anderen Geschichten (so zum Beispiel jene um den offensichtlich ziemlich besonderen Casper und seine Freunde) überzeugen ebenfalls, brauchen zu Beginn aber ein bisschen, um wieder ordentlich aufzutanken. Später wird durch die Kulminierung all dieser Geschichten zudem auch eine Art Ziel in Aussicht gestellt, auf welches wir uns hinbewegen könnten - etwas, was dieser Serie bislang ein wenig fehlte und deswegen gut passt.
Der Cast macht seine Sache weiterhin sehr gut, wobei Shioli Kutsuna definitiv herausragt. Unter den Kinderdarstellern finden sich mittlerweile aber auch einige, denen man nach dem Abschluss der Serie (gerüchteweise soll sie sich am Ende auf vier Staffeln belaufen) keine große Karriere mehr zutrauen möchte und die innerhalb des Casts gar als echte Ausfälle gelten müssen. Natürlich mag man dabei nicht allzu harsch sein, denn da kann sich in einigen Jahren noch eine ganze Menge entwickeln. Da sich unter den jungen Schauspieler*innen im direkten Vergleich aber auch einige echte Talente befinden, fällt dieser Kontrast umso deutlicher auf... und die Erwachsenen machen ihre Sache eben auch durch die Bank weg gut. Ein Fortschritt ist dafür bei der visuellen Gestaltung zu erkennen, auch wenn man gewisse Sparmaßnahmen hier und da bemerkt. Für eine Geschichte, bei der es nun tatsächlich um eine gewaltige Alien-Invasion geht, bekommen wir von eben dieser gar nicht so viel zu sehen, was aber auch nicht sein muss. Auffälliger wirds, wenn eine gesamte Actionszene, die zuvor lange aufgebaut wurde, offensichtlich aus Budget-Gründen komplett im Off stattfindet, was wenig gekonnt wirkt. Wenn es denn aber mal kracht oder visuell Eindruck schinden soll, dann tut es das meistens auch, auch wenn hier keine Konkurrenz zu solch üppig ausgestatteten Blockbuster-Serien wie Game of Thrones erwartet werden sollte.

Fazit: Auch wenn die zweite Staffel nicht ganz mit dem Auftakt mithält, da im direkten Vergleich dieser enorm spannende Mystery-Faktor fehlt, macht dieser Sci-Fi-Trip aufgrund spannender Charaktere, einer weitestgehend schlüssigen Geschichte und einer stimmigen Dynamik aus leisen und lauten Momenten immer noch Laune, weiß zu bewegen und zu überraschen.

Note: 3+



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