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Meisterhaftes Schauspiel, kein meisterhafter Film: Filmkritik zu "Maestro (2023)"

1943: Im Alter von nur fünfundzwanzig Jahren übernimmt Leonard Bernstein (Bradley Cooper) als Dirigent ein Konzert des New York Philharmonic Orchesters - dieser Auftritt soll ihm den Weg zu einer meisterhaften Karriere ebnen. Bernstein könnte, so sagen es ihm viele Wegbegleiter, der erste amerikanische Komponist von echter Größe werden. Allerdings soll ihm seine geheime Homosexualität sowie seine Herkunft dabei Steine in den Weg legen. Als Bernstein die junge Schauspielerin Felicia Montealegre (Carey Mulligan) kennenlernt, ist er sofort hingerissen von ihr. Ihre baldige Ehe soll jedoch viele Tiefen durchstehen müssen - über Bernsteins außereheliche Affären bis hin zu seiner völligen Inkarnation mit seiner Arbeit, was Felicia zu einem Leben im Schatten eines Genies zu verbannen droht...

Bradley Cooper gilt als einer der großen Favoriten für den Oscar im nächsten Jahr - neben Leonardo DiCaprio könnte er der ernsthafteste Anwärter für den Preis als bester Hauptdarsteller sein. Kein Wunder, denn Cooper wirft sich hier mit einer Verve in die Rolle, die man von ihm so seit Jahren nicht mehr oder vielleicht auch noch nie gesehen hat. Diskussionen darüber, dass Cooper in Wahrheit kein Jude ist oder eine Nasenprothese brauchte, um dem echten Leonard Bernstein ähnlicher zu sehen, werden brennend geführt, erübrigen sich aber, sobald man Cooper erblickt: Er verschwindet förmlich hinter der Rolle und Diskussionen über die Religion und Herkunft eines Schauspielers, die nicht exakt mit der der Figur übereinstimmt, sollten angesichts solch brillanter Darstellungen ohnehin hintenanstehen. Auch Carey Mulligan empfiehlt sich zum wiederholten Male für einen Oscar, denn diese steht dem Feuer Coopers in nichts nach und kann in den dramatischen Szenen einer schattierenden Ehe mit einer enormen Wucht glänzen. Besonders die vielen gemeinsamen Szenen zwischen Cooper und Mulligan, ob bei ihrem ersten Kennenlernen und den leisen Flirts, bis hin zum ganz großen Krach während einer Familienfeier, sind großes Drama-Kino.
Der Film "Maestro" an sich kann mit den bravourösen Leistungen seines Casts jedoch nicht mithalten. Nach den ersten temporeichen und bewegenden 30 Minuten verfällt das Werk dann nämlich in die leider schon zu oft gesehenen Stereotype eines herkömmlichen Biopics, wobei zahlreiche Passagen und Eckpfeiler eines realen Lebens im Eiltempo abgehakt werden müssen. Da sich "Maestro" deutlich mehr für die privaten als für die beruflichen Passagen im Leben Leonard Bernsteins interessiert, müssen die wuchtigen, musikalischen Szenen im späteren Verlauf weichen. Schade, denn gerade von diesen Momenten, in denen sich Bernstein mit aller Leidenschaft seiner Berufung widmet, dabei aber auch droht, jeden neben sich vollkommen zu überflügeln, hätte ich zu gerne mehr gesehen. Das bedeutet natürlich nicht, dass die Szenen im Privatleben des umstrittenen, aber in jeder Phase meisterhaften Musikers nicht ebenfalls ein enormes Feuer aufweisen könnten. Trotzdem geht der Film in diesen Szenen aber nie so sehr in die Tiefe, wie er könnte und müsste, verfängt sich in Einzelstudien und weist in der zweiten Hälfte manch eine Länge auf.
Eine richtige Bindung kann der Film zu seiner Hauptfigur nicht aufbauen, obwohl er angenehm und mutig gerade dessen Schwachstellen aufzeigt: Bernstein war kein einfacher Mann, er war sogar ein Egomane, der für seine Kunst lebte und deswegen andere Menschen förmlich wegdrängte. In dieser enormen Komplexität zwischen Bernsteins echten Gefühlen, seiner Angst vor Ausgrenzung und gar Verfolgung und dem Versuch, seiner Familie beizustehen, kann "Maestro" in seiner kurzen Laufzeit von nur 130 Minuten aber nicht so ausladend sein, wie es vielleicht notwendig gewesen wäre. So bietet der Film, auch dank einer wirklich knackigen Inszenierung, immer wieder meisterhafte Einzelmomente, die sich jedoch mit viel Leerlauf abwechseln und deswegen kein homogenes Ganzes ergeben. Künstlerische Entscheidungen wie das umstrittene 4:3-Format oder das Drehen der ersten fünfzig Minuten in Schwarzweiß sorgen zwar für eine etwas intensivere und dichtere Atmosphäre, schrammen bisweilen aber auch nur harsch am Selbstzweck vorbei. 

Fazit: Cooper und Mulligan sind in jeder Hinsicht grandios, der Film ist es leider nicht. Trotz einer starken Inszenierung und einigen Szenen, die ebenso unangenehm wie erhellend sind, schafft es "Maestro" aufgrund seiner trockenen Biopic-Atmosphäre und einigen Längen nicht, nachhaltig zu begeistern und uns die Person Leonard Bernstein wirklich näher zu bringen.

Note: 3



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