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Die Ehe als Warnung: Filmkritik zu "Zeiten des Aufruhrs"

Schon in jungen Jahren und kurz nach ihrem Kennenlernen im Jahr 1948 haben Frank (Leonardo DiCaprio) und April Wheeler (Kate Winslet) geheiratet - damals schien es für beide das richtige zu sein. Sieben Jahre später haben sie zwei Kinder in die Welt gesetzt... und ihre Ehe liegt in Trümmern. Vor allem liegt das darin, dass beide ihre Träume für das Zusammenleben aufgeben mussten und das auf eine Weise, die sie lange Zeit gar nicht erkannt haben. Frank arbeitet in einem Job, in dem er gutes Geld verdient, dabei aber Dinge tun muss, die ihn furchtbar anöden. Und Aprils Schauspielkarriere steht von Beginn an auf tönernen Füßen. Beide wollen sich nicht eingestehen, dass sich ihre Leben in einer schnöden Sackgasse befinden... alsbald platzen die Wahrheiten jedoch aus ihnen heraus, als sie die Einöde um sich herum nicht mehr aushalten.

Es war wahrscheinlich nicht unbedingt so geplant, ist im Jahr 2008 aber dennoch so gekommen. "Zeiten des Aufruhrs" von Regisseur Sam Mendes ist eine ziemlich eindeutige "Titanic"-Reunion, zumindest innerhalb der Besetzung. Denn zum ersten Mal nach elf Jahren treten Leonardo DiCaprio und Kate Winslet wieder zusammen auf, diesmal in den Rollen als von sich gegenseitig angeödetes Ehepaar, was in dieser Form fast schon eine Was-wäre-wenn-Fortsetzung des Katastrophen-Dramas sein könnte, wenn der Ozeandampfer nicht gesunken wäre und man der Handlung rund um Jack und Rose eine wirklich deprimierende Zukunft andichten möchte. Um die Reunion noch zu verstärken, ist auch Kathy Bates in einer prägnanten Nebenrolle dabei und zeigt daher auf, wie namhaft und passend Mendes seine Filme nach wie vor besetzt. Doch obwohl sämtliche Nebenfiguren noch mit großen und talentierten Namen wie David Harbour, "Amsterdam"-Star Michael Shannon und Kathryn Hahn besetzt sind, bleiben DiCaprio und Winslet der Fokus. Beide waren in den elf Jahren nach ihrem großen "Titanic"-Erfolg schauspielerisch ungemein gereift und hatten großartige Karrieren vorzuweisen - kein Wunder also, dass sie beide absolut abliefern, wo sie nun endlich wieder gemeinsam agieren durften.
Denn nicht nur gelten beide als Superstars, sondern gehören auch zu den bravourösesten Schauspieltalenten der Jetztzeit. Beide spielen sich hier nach allen Regeln der Kunst die Seele aus dem Leib, ohne dabei (was bei einem Stoff wie diesem durchaus eine reale Gefahr gewesen wäre) kitschig zu überzeichnen. Deswegen wirken sowohl DiCaprios Wutanfälle, in denen er auch gleich mal Teile einer Wohngarnitur zerlegt, als auch Winslets zutiefst intensive, deutlich kleinere Ängste und Panikattacken ungemein echt. Letztendlich ist das hier ganz großes Schauspielkino, welches in Sachen Publicity aufgrund der beiden großen Namen noch mal einen deutlichen Tusch gewann... das aber nur nebenbei und das waren sicherlich nicht die Gründe, diesen Film nun auch so zu besetzen. Darüber hinaus bietet "Zeiten des Aufruhrs" aber weniger als erhofft. Das dezidierte Analysieren und letztendliche Zerlegen einer im Grunde von vornherein zum Scheitern verurteilte Ehe geschieht auf oftmals ziemlich intensive, letztendlich aber auch langsam erzählte Art und Weise, bei der man als Publikum einen unpassenden Wissensvorsprung hat. Dass die Ehe von April und Frank im Grunde kein Happy End bereithalten kann, wissen wir nach fünfzehn Minuten, so dermaßen fies gehen beide Parteien (insbesondere aber Frank) hier miteinander um. Die Figuren selbst wissen es aber erst sehr viel später, weswegen die Wuttiraden und die Manipulationen, all die fiesen Attacken und Worte, hier fast schon wie eine Art Dauerfeuer einprasseln.
Das kann dann ziemlich wehtun und einen auch ziemlich runterziehen, darüber hinaus erzählt Mendes aber nicht mehr viel. Wir sehen DiCaprio und Winslet dabei zu, wie sie sich gegenseitig hassen, sich grausame Dinge an den Kopf werfen und sich hin und wieder versöhnen... wenn auch meistens nur mit einer kurzen Halbwertzeit. All das umspielt von dem hypnotischen Soundtrack von "The Green Mile"-Komponist Thomas Newman und mit sicherer Hand inszeniert von Sam Mendes, der hier jedoch nicht den gleichen Schwung entwickelt wie in seinem Meisterwerk "American Beauty", obwohl er von ähnlichen Themen berichtet. Die Bilder sind kühler, beinahe muffig und ähneln gleich selbst einem Gefängnis des Lebens. An diesen hat man sich alsbald aber auch sattgesehen und da uns die Handlung durchaus bekannt vorkommt, bleiben etwaige Längen nicht aus, wenn sich diverse Nebenplots doch genauso entwickeln, wie wir es zu Beginn haben kommen sehen. Das ist aber dennoch so grandios gespielt, dass man hier von keiner echten Enttäuschung sprechen kann, denn diesen grandiosen Stars dabei zuzusehen, wie sie beste Arbeit leisten, ist immer ein Genuss. Leider aber auch einer, der nicht viel mehr tut, als dem Zuschauer immer wieder in die Magengrube zu punchen, bis man sich wahrlich nicht mehr rühren mag.

Fazit: Die Stars sind hier die Stars - der Film ist begnadet gut besetzt und gespielt, wohingegen die ziemlich deprimierende Geschichte keine Überraschungen liefert und sich in langen Szenen um sich selbst dreht. "American Beauty" war besser, fieser und intelligenter.

Note: 3-



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