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Ein ganzer Kerl

Der übermächtige Immobilienmogul Charlie Croker (Jeff Daniels) sieht sich plötzlich mit dem Rücken zur Wand, als die Bank, bei der er sich zuvor einen Kredit über 800 Millionen Dollar geliehen hat, ihr Geld zurückhaben möchte. Dies geht zurück auf einen Kniff des Bankangestellten Raymond Peepgrass (Tom Pelphrey), welcher damit Croker und seine Firma aus persönlichen Motiven zum Einsturz bringen möchte. Doch Croker sagt seinen Feinden den Kampf an und sieht es nicht ein, nur den winzigsten Funken einer Schwäche zu zeigen. Seine plötzlichen, finanziellen Probleme ziehen jedoch schon bald weite Kreise, bringen seine Mitarbeitenden in ernsthafte Schwierigkeiten und sorgen gar dafür, dass Croker einen ehemaligen Freund, der gerade als Bürgermeister kandidiert, zu Fall bringen soll, um sich so einen Gefallen bei dessen Konkurrenten, dem amtierenden Bürgermeister Wes Jordan (William Jackson Harper), zu sichern...

Diese sechsteilige Mini-Serie von Netflix basiert zwar auf einem Roman von Tom Wolfe aus dem Jahr 1998, wurde jedoch in unsere heutige Zeit herübergeholt und an einigen Stellen modernisiert. So erstaunt es mehrfach, dass dieser Stoff im Jahr 2024 (dem Erscheinungsjahr der Serie) hochaktuell daherkommt. Die Hauptfigur erinnert dabei gleich mehrfach an den derzeit amtierenden US-Präsidenten Donald Trump, wenn Charlie Croker wutentbrannte Reden schwingt, sich selbst stets in den Himmel lobt und keinesfalls nachgeben will... selbst wenn dieses sture Verhalten ihm und den Menschen um ihn herum schaden möchte. Die Geschichte, die sich aus gleich mehreren Haupt- und Nebenhandlungen zusammenschließt, kommt dabei während der ersten beiden Episoden ein bisschen schwerfällig in Gang, wird dann aber von Folge zu Folge immer besser. Bis zum schlichtweg elektrisierenden Finale überschlagen sich die Ereignisse mehrfach, dennoch bleibt man ganz eng dran an den Charakteren, die fast durchweg sehr ambivalent gezeichnet sind.
In den besten Momenten hat das echte House of Cards-Vibes, wenn sich hüben wie drüben mächtige Männer belauern, um nur auf einen winzigen Schwachpunkt des Gegenübers zu warten. Da kommen dann natürlich einige herrlich gepfefferte Dialogzeilen herum und die durchweg flotte Inszenierung tut ihr Übriges, um vollständig bei der Stange zu halten. Dabei sehen wir jedoch nicht nur reichlich verachtenswerten Charakteren bei ihrem Kampf ums Überleben zu, sondern sehen auch echte, zutiefst menschliche Geschichten. So ist besonders der Plot rund um den mit dem Gesetz in Konflikt geratenden Conrad Hensley, dem Ehemann einer Mitarbeiterin Croker's, ungemein mitreißend geraten, wird brisant und aktuell erzählt und erschüttert uns gleich mehrere Male. Wobei das auch ein Problem ergibt, denn gerade dieser Plot läuft von den anderen meist recht losgelöst und bis zum Ende schaffen es die Drehbücher nicht, eine große Glocke um all diese Geschehnisse zu stülpen, sodass schließlich alles irgendwie rund wird. Im direkten Gegensatz ist die Geschichte des Bürgermeisters Jordan zwar direkt mit allen anderen Handlungen verbunden, kommt angesichts seiner etwas schwächeren Ausgangslage aber niemals richtig in Schwung.
Solcherlei dramaturgische Stolpersteine fallen zwar auf, sind aber letztendlich doch nicht so schlimm, weil an und für sich eigentlich jeder Plot funktioniert - nur das große Ganze wirkt hin und wieder ein bisschen unausgewogen. Wer sich daran stört, kann sich aber immerhin an einigen absolut brillanten Darstellerleistungen ergötzen. Jeff Daniels, der ja mittlerweile gehäuft im TV-Bereich arbeitet, hat hier erneut einen ungemein erinnerungswürdigen Charakter erschaffen, der mit faszinierender Boshaftigkeit, gleichzeitig aber auch nachvollziehbaren Schwächen und sogar einer gewissen Menschlichkeit ausgestattet wird. Neben Daniels, der hier die klare Hauptrolle spielt, gefallen zudem besonders Serienstar Jon Michael Hill, der als vor dem Gesetz ungerecht behandelter Mann einen Kampf gegen Windmühlen ausfechten muss; Aml Ameen als Croker's engster Vertrauter, der im Anblick der schwindenden Möglichkeiten seines Vorgesetzten plötzlich mehrere Dinge mit allerlei Kraftaufwand regeln muss; und ganz besonders auch Sound of Freedom-Star Bill Camp, der als intriganter und gleichzeitig sehr eloquenter Bank-Vorstehender einige der besten Dialogzeilen der gesamten Serie abbekommt und mit diesen herrlich charismatisch umgeht.

Fazit: Auch wenn nicht alle Handlungen (und diese Mini-Serie hat so einige) am Ende passend unter einen Hut gebracht werden können, gefällt Ein ganzer Kerl nach einem noch etwas schwerfälligen Start vor allem durch seine intensive Inszenierung, emotional aufwühlende Geschichten, packende Wendungen und den durchweg bärenstarken Cast. 

Note: 3+



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