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57 Seconds

Eigentlich schleicht sich der mittellose Ticket-Kontrolleur Franklin Fox (Josh Hutcherson) nur deswegen auf eine große Technik-Veranstaltung, um sein großes Idol, den grandiosen Technik-Mogul Anton Burrell (Morgan Freeman) zu einem Interview für seinen Blog zu überreden. Doch dann rettet er Burrell sogar das Leben, indem er einen bewaffneten Attentäter aufhält. Bei dieser Aktion gerät Franklin in den Besitz eines mysteriösen Ringes, der, so stellt er bald darauf fest, ihm die Möglichkeit gibt, 57 Sekunden in die Vergangenheit zu reisen. Schon früh setzt Franklin das gute Stück gewinnbringend ein, beschafft sich Geld und nutzt das Trial-and-Error-Prinzip der kurzen Zeitreise ein, um seinen Schwarm Jala (Lovie Simone) für sich zu gewinnen. Doch dann möchte er größere Pläne verfolgen und hängt sich mit seinen neuen Fähigkeiten an den fiesen Pharmaunternehmers Sig Thorensen (Greg Germann), mit dem er noch eine sehr persönliche Rechnung offen hat...

Die Idee ist einigermaßen originell: Da gerät ein recht unbedarfter und bis dahin recht korrekt agierender, junger Mann in den Besitz eines Gegenstandes, der ihn 57 Sekunden in die Vergangenheit reisen und dann Fehler ausbügeln lässt, die er vorher begangen hat. Die Szenen, in denen dieser Franklin Fox den Ring dann zuvorderst für private Zwecke einsetzt, um sein Leben zu verbessern, gehören definitiv zu den amüsantesten des Films. Dabei blickt 57 Seconds aber auch bereits tiefer und zeichnet Fox keinesfalls als Saubermann, wenn er den Ring auch dazu benutzt, seinen Schwarm auszutricksen oder auf betrügerische Art und Weise an Geld zu kommen. Der Wandel vom unauffällig-netten Typen von nebenan hin zum ziemlich skrupellosen Süchtigen seiner Macht wird recht überzeugend erzählt und The Beekeeper-Star Josh Hutcherson verkörpert diesen recht interessanten, weil angenehm ambivalenten Hauptcharakter sehr solide. 
Das Drehbuch hingegen nutzt die recht faszinierende Grundidee nicht so gut aus, wie es möglich gewesen wäre. So gibt es schon früh eklatante Glaubwürdigkeitsprobleme zu beklagen, wenn Franklin eigentlich recht offensichtlich mit seinem Ring hantiert, aber trotzdem selbst die cleversten Hintermänner nicht dahinter kommen, wie er sein Glück überhaupt erhält. Auch darüber hinaus wirkt das Skript arg vollgestopft mit verschiedenen Figuren und Plots, die dann recht oberflächlich abgehandelt werden müssen, da nicht genug Zeit bleibt, um all das zu vertiefen. Deutliche Opfer dieses wenig kohärenten Drehbuchs sind einerseits die absolut unglaubwürdige Liebesgeschichte, wobei zwischen Hutcherson und seinem Co-Star Lovie Simone auch keinerlei Funken fliegen; und die ungemein karikatureske Figur eines Oberbösewichts, der so abartig böse daherkommt, dass hier wirklich keinerlei Ambivalenzen oder Grauzonen mehr möglich sind.
Die Kapitalismuskritik trifft dabei zwar eindeutig die Richtigen, ist aber ebenfalls reichlich reißbrettartig vorgetragen, weswegen 57 Seconds in seinen auf dem Papier sehr ehrenhaften und zugleich auch recht düsteren Motiven etwas oberflächlich daherkommt. Wie seltsam hinzugefügt wirkt auch die Figur von Morgan Freeman, bei der dann eindeutig wird, dass das Skript noch ein bisschen Nachbearbeitungszeit vertragen hätte - denn am Ende bleiben so viele Fragen eklatant offen, dass man sich ernsthaft fragen muss, ob die Autoren für diverse Antworten nur zu faul waren oder ob sich da tatsächlich jemand keinerlei Gedanken gemacht hat und das so abnicken wollte. Letztendlich kann man mit dem Film aber dennoch Spaß haben, denn er ist temporeich genug inszeniert, um zumindest nie zu langweilen, baut ordentlich Spannung auf, hat (bisweilen sehr morbiden) Witz und einen tüchtigen Hauptdarsteller. Die Grundidee alleine macht dabei durchaus einiges an Faszination aus, auch wenn sie in diesem Fall durchaus mehr Gravitas und auch Hintergrund vertragen hätte.

Fazit: Die Grundidee rund um einen Ring, der einen 57 Sekunden in die Vergangenheit schickt, macht Laune - hier geben sich morbider Spaß, eine gewisse Grundspannung und ein ambivalenter Hauptcharakter die Klinke in die Hand. Das Drehbuch ist jedoch so vollgestopft, dass alle Ideen reichlich oberflächlich und karikaturesk verbleiben... und offenbart zudem Logiklöcher so groß wie das ekelhafte Ego des schmierigen Bösewichts.

Note: 3-



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