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Macbeth (2021)

Der schottische Feldherr Macbeth (Denzel Washington) wird bereits gefürchtet. Doch nun erhält er von einem mysteriösen Trio aus Hexen (Kathryn Hunter) eine Prophezeiung, die ihn anschließend nicht mehr loslassen soll - er könnte der nächste König von Schottland werden. Als er seiner Frau Lady Macbeth (Frances McDormand) von der Prophezeiung berichtet, stimmt sie seinem Plan zu, den derzeitigen König zu stürzen und seinen Platz einzunehmen. Doch Macbeth ist so gierig nach der möglichen Macht, nachdem er die ersten Schlucke von ihr kosten konnte, dass diese Gier seinen baldigen Untergang herbeiführen könnte. Und auch Lady Macbeth, die in ihrer puren Paranoia vor Feinden in ständiger Furcht lebt, könnte den großen Plan bald beeinflussen...

Auch auf filmischer Ebene wurde die Tragödie von Macbeth bereits zahlreich verfilmt - unter anderem hat Assassin's Creed-Regisseur Justin Kurzel eine Version des bekannten Bühnenstoffes vor rund zehn Jahren mächtig vergeigt. Die Version, die Joel Coen im Jahr 2021 für den Streamingdienst von Apple inszenierte, war ungleich beliebter. Für mehrere Filmpreise war der Streifen nominiert, darunter für drei Oscars und Kritiker*innen zeigten sich größtenteils begeistert über das historische Drama. Coen macht es seinem Publikum aber nicht leicht und ist sich der Herkunft des Stoffes mehr als bewusst. Er veränderte weder die Sprache, was die langen Dialoge für ein Publikum, welches mit dieser Art der Theaterdramen nicht vertraut ist, arg überfordernd sein könnte. Coen bleibt dem Stoff dabei aber so treu, dass man sich darüber ernsthaft freuen muss... wobei sich die Frage stellt, ob es diesen in filmischer Form denn so braucht, da genau dieser Ansatz auf Bühnen deutlich besser funktioniert.
Tatsächlich wirkt dieser Ansatz auf filmischer Ebene nämlich merkwürdig unpassend. Daran ist niemals Schuld, doch die alte Sprache, die wir aus den klassischen Macbeth-Bühnenversionen kennen, wollen in ein filmisches Produkt nicht ganz passen - sie erinnern uns daran, dass es deutlich eindrucksvoller ist, diese Geschichte dort zu sehen, wo sie eigentlich hingehört: In die Theater. Dennoch ist es mehr als löblich, dass sich Coen diesem Ansatz annahm und dabei gleich in mehrfacher Hinsicht die wahrscheinlichen Interessen des Publikums ignorierte, um seine Version durchzuziehen... gemeinsam mit dem Produktionsstudio A24, welches ja ohnehin für seine ebenso sperrigen wie herausfordernden Stoffe bekannt ist. So inszenierte Coen den Film komplett in Schwarzweiß, verzichtete auf helfende Hinweise und sorgte so dafür, dass das Werk komplett am Mainstream-Publikum vorbei produziert wurde. Und das ist ebenso gut wie schwach, denn als ganzes Konstrukt ist Macbeth ebenso beeindruckend wie altbacken.
Das liegt wie bereits erwähnt daran, dass diese Version, so nahe dran an dem Bühnenstoff, auf eben diesen Bühnen wesentlich besser funktioniert als auf einem heimischen Bildschirm. Das Engagement von mehreren namhaften Schauspielern scheint über diesen Umstand hinweghelfen zu wollen, doch die bekannten Gesichter verwirren uns mehr als sie uns wirklich helfen. Durch die Besetzung von Oscarpreisträger Denzel Washington oder den Harry Potter-Stars Harry Melling und Brendan Gleeson wirkt es so, als sei Shakespeare's großes Epos doch noch auf dem Weg zum Mainstream, was es aber nicht ist - denn dafür ist die Inszenierung zu breit und sperrig, was prinzipiell gut so ist. Dass der Cast seine Sache durch die Bank weg hervorragend macht, ist da nur eine kleine Hilfe, denn das ganz Große, das Theatralische, wird hier zwar stimmig bedient, hat auf einem Fernseh-Bildschirm aber zeitgleich deutlich weniger Reiz. Diese Version zeigt dementsprechend, dass eine filmische Version von Shakespeare's Magnum Opus auch dann quasi unmöglich ist, wenn man sich dicht an dieses hält. Denn dafür fehlt einfach das Bühnen-Feeling.

Fazit: Joel Coen tut alles, um ganz nah an Shakespeare's Klassiker zu bleiben. Doch auf einem Fernsehbildschirm entfaltet der Stoff einfach nicht die notwendige Wirkung, und wenn man ihn noch so sperrig inszeniert. Auf einer Bühne wirkt es einfach anders.

Note: 4+



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