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Die Mitchells gegen die Maschinen

Die Teenagerin Katie Mitchell lebt schon länger im Clinch mit ihrem Vater Rick - sie ist ein völliger Technik-Nerd, produziert in ihrer Freizeit Kurzfilme und plant einen Antritt an einem Film-College, während Rick nicht mal ein Smartphone besitzt und all dem technischen Kram nichts abgewinnen möchte. Kurz vor Katies Antritt ans College arrangiert Rick daher einen Familienausflug, um vor dem Auszug seiner Tochter wieder mit ihr auf eine Wellenlänge zu kommen. Während Katie, Rick, Mutter Linda, Sohn Aaron und Familienhund Monchi auf Reisen gehen, geschieht jedoch das Undankbare: Hochmoderne Roboter, gesteuert von der rachsüchtigen KI PAL, greifen die Menschheit an. In dem Chaos der Apokalypse müssen die Mitchells nun ihre Familiendramen beilegen oder zumindest lösen, um lebend aus den gefährlichen Zonen zu entkommen... und am Ende vielleicht sogar die Welt zu retten.

Allein in der ersten halben Stunde von "Die Mitchells und die Maschinen" steckt mehr Energie als in vielen anderen Animationsfilmen über deren gesamte Laufzeit. Es dauerte nur wenige Minuten und ich hatte schon mehrfach herzhaft gelacht, mich über die herzlichen Charaktere gefreut und über einige höchst energetische Szenen gefreut, die in ihrer wilden Dynamik eine große Freude sind. Das liegt auch an dem herrlich eigensinnigen Animationsstil, der eine krude Mischung aus "Captain Underpants" und den Telltale-Videospielen darstellt, dabei aber trotzdem noch viel Eigenes, Originelles mitbringt. Der Stil hat dabei die Fähigkeit, etliche Szenen sehr skurril und abgedreht darzustellen, was sich in einem wahren Wust aus knalligen Farben und rasanten Actionszenen entfaltet. Dabei gelingt nicht jeder Gag, doch viele eben schon - die Mischung aus albernem Meme-Humor und dennoch viel ehrlichem Herz, um die süffisanten Charaktere ernst zu nehmen, gerät hier sehr stimmig.
Mehrere Momente sind hier wahre Highlights, die nicht nur aufgrund des sehr ausgeglichenen und hohen Tempos des Films funktionieren, sondern auch aufgrund der originellen Ideen für einzelne Szenen - wie hier ein kultiges 90er-Spielzeug in eine wahre Horror-Stimmung versetzt wird, ist schlichtweg genial und herrlich witzig. In diese wilden Jagd verliert "Die Mitchells gegen die Maschinen" jedoch niemals die Beziehung zu den Figuren und lässt sie allesamt einige spannende, wenn auch vorhersehbare Wandlungen durchlaufen. So gelingt der Spagat, jüngere Zuschauer mit allerlei Action zu unterhalten und die Erwachsenen aufgrund klug geschriebener Figuren, die sich tatsächlich etwas zu sagen haben, nicht zu unterfordern. Das gilt auch für den ziemlich irren, in dieser Form oft sehr treffsicheren Humor als auch für die erstaunlich gut aufgearbeiteten Themen rund um Technik-Wahn oder Technik-Abscheu. Die Macher rund um Regisseur Mike Rianda begehen dabei nicht den Fehler, als technikverachtende Erwachsene rüberzukommen und dementsprechend klare Messages zu verteilen, die unzeitgemäß wirken. Stattdessen beleuchten sie beide Seiten der Medaille sehr charmant und haben mit einer KI als Oberbösewicht zudem auch den aktuellen Zeitgeist im Blick.
Zwar kann der Film dieses enorme Tempo nicht durchweg halten - man spürt vor allem in der letzten halben Stunde, dass "Die Mitchells gegen die Maschinen" nicht ganz weiß, wann er denn nun zu seinem Schlusspunkt kommen sollte und zögert den unvermeidlichen Abschied von dieser verrückten und charmanten Familien-Gang damit recht lange heraus. Auch das Finale ist zwar angemessen spektakulär, ziemlich spannend und hält mit einer faszinierenden und unglaublich witzigen Grundidee für die Schwäche der Feinde einige herrliche Szenen bereit. Doch ein paar Minuten weniger hätten es auch hier getan, wenn eine Heldentat an die andere gereiht wird, bis man endlich bis zum Endgegner vordringt. Langweilen tut man sich zwar nie, mit 111 Minuten ist der Film aber für ein Werk innerhalb des Animations-Genres und angesichts seiner packenden, aber nun auch nicht wahnsinnig originellen Geschichte schon recht breit geraten. Das macht aber nichts, denn tatsächlich habe ich sogar die etwas zäheren Minuten genossen, da ich sie dennoch mit den überaus sympathischen Figuren verbringen durfte, die in diesem Genre aufgrund ihrer Glaubwürdigkeit durchaus etwas Besonderes darstellen. 

Fazit: Der Animationsstil ist herrlich originell, die Geschichte spannend, die Charaktere voller Herz... und dann ist das Ding in seinen überbordenden Ideen und dem hervorragenden Timing auch noch ungemein witzig! Obwohl der Film gegen Ende nicht genau weiß, wann er endlich auf den Punkt kommen sollte, hat Netflix hier ein ungemein buntes und schrilles Abenteuer für Jung und Alt geschaffen, mit viel Witz, krachender Action und sogar viel Köpfchen!

Note: 2-



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