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Echoes

Für Gina (Michelle Monaghan) steht ihr Leben Kopf, als ihre Zwillingsschwester Leni eines Tages spurlos verschwindet. Während die Polizei die nahen Wälder absucht, in die sie vermutlich gelaufen ist, geht auch Gina einigen Spuren nach und glaubt bald, dass ihre Schwester womöglich in eine kriminelle Situation verstrickt worden ist. Auf ihrer Suche findet sie Hinterlassenschaften Leni's, die den Verdacht nahelegen, dass diese weder entführt noch getötet worden ist, sondern auf eigene Faust verschwunden ist. Um das Geheimnis von Leni's Verschwinden aufzuklären, nutzt Gina eine Fähigkeit, welche sie und ihre Schwester im Geheimen schon beinahe ihr ganzes Leben lang anwenden: Sie schlüpft in das Leben ihrer Schwester, taucht somit quasi wieder auf und recherchiert unter Leni's Freunden, Bekanntschaften und Familienmitgliedern, was sie womöglich zu ihrer plötzlichen Flucht bewegt haben könnte...

Die Verwirrung ist hier im Grunde von vornherein vorprogrammiert und bis zu einem gewissen Grad sicherlich auch gewollt: Man kann sich nie wirklich sicher sein, ob nun Gina oder Leni gerade vor Ort sind, wer da nun wer ist und wer in der Vergangenheit was gemacht hat. Beide haben schließlich so oft ihre Leben getauscht, dass sie selbst kaum noch wissen, wer hier eigentlich wer ist. Das macht es den Zuschauer*innen nicht unbedingt leichter, in das Geflecht aus Lügen, Betrug und Mord einzusteigen und darin für Klarheit zu sorgen. Es ist sicherlich möglich, den einzelnen, wahnsinnig wirren Taten der beiden Schwestern zu folgen, doch es stellt sich die Frage, ob man daran nicht alsbald das Interesse verliert. Denn die Geschichte ist nicht nur leidlich unspannend, sondern auch zu überkompliziert erzählt, dass es schon bald gar keine Rolle mehr zu spielen scheint, wer hier nun was getan hat. Beide Schwestern haben offensichtlich Dreck am Stecken und aus der interessanten Grundidee, zwei Figuren immer wieder die Plätze tauschen zu lassen, wird eine große Luftblase - denn da beide ohnehin ständig tauschen, stellt sich die Frage nach dem "Wer tat was?" irgendwann nicht mehr ernsthaft.
Und da haben wir noch gar nicht darüber gesprochen, dass diese Grundidee ohnehin von Anfang an auf reichlich tönernen Füßen steht. Denn dass praktisch kein Mensch um die beiden Schwestern herum über Jahrzehnte nicht mitbekommt, dass seine Frau/Mutter/Freundin ausgetauscht wird (völlig egal, ob beide Frauen nun genau gleich aussehen oder nicht), ist zumindest unwahrscheinlich. Da diese Idee aber die einzige ist, auf welcher diese Mini-Serie über sieben enorm zähe Episoden herumreitet, beginnt man sich solcherlei Fragen über die innere Logik der Geschichte immer wieder zu stellen... und kommt zu dem Schluss, dass das alles schon ziemlich unglaubwürdig ist. Macht aber eigentlich nichts, denn die Geschichte, die daraus noch entsteht, ist im direkten Vergleich ziemlich langweilig. Ein Haufen ziemlich uninteressanter, klischeehafter Nebencharaktere versucht sich durch den Wust der Täuschungsmanöver der beiden Schwestern zu ästeln, während die halt auch nicht mehr genau wissen, warum die das nun alles machen. Die einzelnen Motivationen der Figuren bleiben allerhöchstens schwammig und eine packende Atmosphäre möchte, trotz einiger hübsch komponierter Bilder, nicht aufkommen.
Bis zum Finale, in dem dann doch noch mal alles auf den Kopf gestellt wird, obwohl zu diesem Zeitpunkt halt auch schon alles irgendwie egal ist und die Autor*innen offensichtlich längst die Übersicht über ihr Konstrukt verloren haben, ist also weitestgehend Langeweile angesagt. Da kann dann auch der mutige Schritt von "Eagle Eye"-Star Michelle Monaghan, hier eine fordernde Doppelrolle zu übernehmen, nicht wirklich helfen. Denn einerseits agiert Monaghan in beiden Rollen viel zu überzeichnet und bekommt vom Drehbuch nun auch nicht wirklich wirksame Dialogzeilen, um aus den beiden mysteriösen Charakteren, die eh nicht wissen, was sie nun wollen, noch etwas herauszuholen. Ähnliches gilt für den Supporting Cast rund um Michael O'Neill oder "Winter's Bone"-Star Matt Bomer - allesamt nicht schlecht gespielt, aber dennoch Klischees und dementsprechend wenig spannend. Am Ende raucht einem der Kopf und man hat sich trotzdem ordentlich gelangweilt, was so ziemlich das Schlechteste aus beiden Mystery-Thriller-Welten ist. Oder um es kurz zu sagen: Das hier ist schon ziemlicher Blödsinn.

Fazit: Die von Beginn an arg unglaubwürdige und über-konstruierte Geschichte schlägt Haken wie der Wind, doch mit jeder neuen, blödsinnigen Wendung wird das Geschehen egaler. Der Cast wirkt unterfordert, die Drehbücher sind bisweilen eine Katastrophe. Sicherlich bis dato eine der schwächsten Mini-Serien im Netflix-Portfolio.

Note: 4-



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