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Das schönste Chaos seit Teil 1: Filmkritik zu "Alles steht Kopf 2"

Riley Anderson ist nun dreizehn Jahre alt und steht somit vor der bislang größten Herausforderung ihres Lebens: Der Pubertät. Rileys tapfere Emotionen ahnen noch nichts von dem Chaos, welches ihnen bevorsteht, als sich der rote Alarmknopf eines Tages von selbst betätigt, doch gerade Freude sieht dem neuen Treiben mit der üblichen Portion aus positiver Energie entgegen. Als jedoch gänzlich neue Emotionen Einzug in Rileys Kopf erhalten, darunter der hyperaktive "Zweifel" und der riesige, pinke "Peinlich", muss selbst Freude zugeben, dass es nun ziemlich schwierig wird, Riley noch unter Kontrolle zu halten. Das liegt daran, dass Zweifel unbedingt vor einem wichtigen, anstehenden Eishockey-Spiel vollständig die Tastatur für Rileys Empfindungen übernehmen möchte... was Freude allerdings so gar nicht in den Kram passt.

Eigentlich hatten sie keine Chance: "Alles steht Kopf" ist nicht für mich der bisher beste Pixar-Film der glorreichen Karriere des Animationsstudios und eine Fortsetzung zu diesem Mega-Hit aus dem Jahr 2015 lässt zwar sehr erfolgreich die Kassen klingeln (Platz acht der erfolgreichsten Filme aller Zeiten hat es dafür gegeben), doch ist die Sensationsüberraschung des Originals so natürlich nicht einfach zu wiederholen. Schraubt man die Erwartungen an ein neues, quasi lebensveränderndes Meisterwerk also ein kleines bisschen zurück, zieht sich Pixar dabei mehr als achtsam aus der Affäre. Denn obwohl sie an die ganz großen Gefühle des Erstlings, welcher die Entstehung von düsterer Leere in einem verlorenen Kind auf kongeniale Art und Weise bebilderte, nicht ganz heranreichen, besitzt "Alles steht Kopf 2" dennoch alles, was Fans für eine Fortsetzung erhoffen durften. Das gilt zum einen für den großen, gefühlvollen Tusch gegen Ende, der nur aufgrund einer etwas geringeren Fallhöhe der gesamten Geschichte nicht den ganz gigantischen Tränenstrom erreicht, sondern auch für die schier maßlose Kreativität der Autoren und Story-Designer, all die neuen und alten Ideen in Rileys Kopf zum Leben zu erwecken.
Es sind hier zum einen die alten Referenzen, wie der nervige Kaugummi-Jingle, die uns erneut zum Lachen bringen... vor allem aber auch die vielen neuen Ideen. Zum einen der sogenannte "Ich"-Baum, der nicht nur als emotionales Zentrum und Ziel fungiert, sondern darüber hinaus in seinem ganzen, an die "Avatar"-Filme erinnernden Design und seiner Lebensart unglaublich originell daherkommt. Und darüber hinaus haben die Damen und Herren von Pixar, wie man es von ihnen gewohnt ist, an jeder kleinen Straßenecke weitere Details, kleine Gags und Hinweise versteckt, die man bei einer einzigen Sichtung unmöglich gleich alle wahrnehmen kann - weitere Stunden mit diesem Film sind also sicherlich nicht nur für mich sogleich vorprogrammiert. Die Gag-Quote ist dabei ähnlich hoch wie im in dieser Hinsicht bereits sehr beeindruckenden ersten Film und auch die neuen Figuren fügen sich wunderbar ins Gesamtbild ein - nach einer kurzen Eingewöhnungszeit wirken auch diese neben Freude, Kummer und Co. so homogen, als wären sie schon immer dagewesen. Und auch der noch einmal gesteigerte Animationsstil, der im direkten Vergleich mit dem ersten Teil noch detailreicher, liebevoller und opulenter daherkommt, sorgt dafür, dass wir bei der Sichtung der Fortsetzung nicht nur in grandiosen Bildern versinken dürfen, sondern auch ein wenig das Gefühl haben, wir würden nach langer Zeit heimkommen, um mit unseren alten Freunden ein neues Abenteuer zu erleben.
Und dieses Gefühl konnten viele andere Pixar-Fortsetzungen wie "Findet Dorie" nicht wachrufen, wirkten sie doch oft zu angestrengt, um wirklich mitzureißen. Dieses Problem besitzt "Alles steht Kopf 2" zu keinem Zeitpunkt, denn die unbändige Energie des Originals, mit all seinen großartig durchdachten Charakteren, herrlichen Witzen und herzzerreißenden Momenten, wird hier nicht nur simpel kopiert, sondern unglaublich sinnig weitergedacht. Deswegen entsteht tatsächlich der Eindruck einer richtigen, fortgesetzten Geschichte und nicht nur dem Wiederkäuen von dem, was uns vor neun Jahren viel Freude bereitet hat. So wie gute Fortsetzungen eben aussehen sollten... wobei allein die Grundidee der gesamten Geschichte ja ohnehin schon eine richtige Steilvorlage für allerlei weitere Ideen und Herausforderungen bietet, mit denen man in Zukunft etliche Filme füllen könnte. Und nach dem Erfolg des zweiten Teils sind weitere Streifen rund um Rileys Emotionen sicherlich nur noch eine Frage der Zeit. Behält man diese Qualität bei, die nur deswegen keinen Meisterwerk-Status mehr hat, weil sich die großartige Überraschung des Originals eben nicht nochmal auf diese Art wiederherstellen lässt, darf man sich darauf auch ehrlich freuen. Denn auch "Alles steht Kopf 2" trifft intelligent ins Herz, ist ungemein witzig und sehr lehrreich. 

Fazit: Die emotionalen Fallhöhen sind hier nicht mehr ganz so enorm und deswegen etwas weniger dramatisch. Trotzdem trifft "Alles steht Kopf 2" mit seinen originellen Ideen, dem brillanten Animationsstil, den charmanten Figuren und dem genialen Witz wieder einmal voll ins Herz.

Note: 2



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