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Agatha Christie's Seven Dials

Im Jahr 1925 kommt es auf dem Landsitz der Familie Brent, gleich nach einer ausgelassenen Feier mit zahlreichen Gästen, zu einem schockierenden Todesfall. Lady Eileen Brent (Mia McKenna-Bruce), oft nur "Bundle" genannt, nimmt sich den Fall nicht nur deswegen zur Brust, weil Detektivarbeit eine Leidenschaft für sie ist, sondern auch, weil sie dem Toten nahestand und so hofft, Gerechtigkeit zu finden. Auch wenn aber nicht jeder in ihrem Umkreis davon überzeugt ist, dass es sich tatsächlich um einen Mord handelt, so ist Eileen davon mehr als überzeugt... die ersten Hinweise, die sie im Schlafzimmer des Toten findet und zusammensetzt, deuten klar in diese Richtung. Auf der Suche nach den ersten Zeugen und Verdächtigen kreuzt sie allerdings auch den Weg mit dem ebenfalls in diesem Fall ermittelnden, mysteriös auftretenden Superintendant Battle (Martin Freeman)...

Ich verstehe den Sinn von dreiteiligen Miniserien nicht so ganz. Nähme man alle drei Episoden der nun als Mini-Serie veröffentlichten, neuen Agatha-Christie-Serie zusammen, würde sich daraus recht genau ein Film mit nicht einmal drei Stunden Laufzeit ergeben - warum also nicht auch einen Film daraus machen? Da aber Serien gerade im Bereich des "altmodisch" angehauchten, klassischen Krimis ziemlich in Mode sind, möchte Netflix auf diesen Zug natürlich auch aufspringen und neben ihrer neuen Variation eines Sherlock-Holmes-Krimis namens Enola Holmes auch noch versuchen, den klassischen und kultigen Krimi-Romanen von Agatha Christie zu modernen Sichtweisen zu verhelfen. Dass man dabei versucht, auch eine ganze Serienreihe zu starten, ist mehr als ersichtlich und angesichts der Masse an Romanen, die Christie zu ihren Lebzeiten geschrieben hat, dürfte es da auch nicht an Material mangeln. Dazu muss aber dieser Erstschlag erstmal zum Erfolg werden und da man sich dafür eine der generell als schwächer angesehenen Vorlagen aus Christie's Büchern herausgesucht hat und mit dieser bisweilen auch arg fremdelt, bleibt da erstmal ein Fragezeichen.
Im Grunde hat das Team aber alle Elemente des klassischen Krimis im Griff: Es gibt süffisanten, aber niemals zu aufdringlichen, britischen Humor; allerlei Verzwickungen; neue Hinweise und zahlreiche Verdächtige; ein spannendes Finale und eine sympathische Heldin. Insgesamt macht das dann vor allem deswegen Spaß, da Lady Eileen Brent als im Fokus stehende Detektivin durchaus funktioniert - sie ist nicht nur ein helles Köpfchen, sondern auch emotional in diesen Fall investiert, was zumindest über die erste Hälfte durchaus trägt. Zudem bekommt die Geschichte, obwohl auf einer deutlich älteren Vorlage basierend, aufgrund des ständigen Kampfes der Hauptfigur gegen die anzugtragenden Männer, die eine Frau in diesem Job nicht wirklich akzeptieren wollen, eine angenehm-moderne Note. Mia McKenna-Bruce macht ihre Sache als Hauptdarstellerin dementsprechend sehr gut und wenn man innerhalb der Nebenbesetzung auch noch solch naheliegende Castings wie das von Sherlock-Star Martin Freeman oder Helena Bonham Carter (die nun zum zweiten Mal bei einer Neuinterpretation einer klassischen Detektivgeschichte von Netflix als Mutter der Hauptfigur auftritt, nachdem sie ja schon in den Enola Holmes-Filmen dabei war) bereithält, die ihre Sache beide ausgezeichnet machen, dann kann da doch eigentlich nicht mehr viel schiefgehen.
Tut es aber doch, denn das emotionale Investment in diesen Fall läuft recht bald aus und als reine Detektivarbeit ist die Handlung in ihrem seltsamen, wirren Gewese dann doch etwas zu spröde, um langfristig zu fesseln. Da zudem alle Nebenfiguren abseits der zentralen Detektivin und des süffisanten Scotland-Yard-Ermittlers mit nur sehr wenig Profil ausgestattet werden (wobei eine größere Episodenanzahl sicherlich Abhilfe hätte schaffen können, auch wenn diese vielleicht das Tempo beeinflusst hätten), macht das Rätselraten angesichts nur sehr weniger, charismatischer Verdächtiger nicht wirklich viel Spaß. Wer die Vorlage zudem schon kennt, muss ohnehin nicht mehr mit vielen Überraschungen rechnen... und die recht beliebige Inszenierung gewinnt da auch keinen Blumentopf. Letztendlich war mir die (sehr konstruierte und bisweilen vorhersehbare) Auflösung dann gar nicht mehr so wichtig und ich interessierte mich deutlich mehr auf das charmante Zusammenspiel zwischen McKenna-Bruce und Freeman. Da die gemeinsamen Szenen der beiden aber unverständlicherweise selten sind und der energischste Faktor somit arg zurechtgestutzt daherkommt, bleibt am Ende nur zu sagen, dass diese neue Christie-Variante doch als sehr zweischneidiges Schwert gesehen werden muss.

Fazit: Ob es nun die Schuld der Vorlage oder die Schuld der etwas müden Inszenierung ist, darf gerne diskutiert werden. Diese Neuinterpretation eines klassischen Agatha-Christie-Falles ist jedoch nur aufgrund der grandiosen Besetzung und der fein-britischen Leichtfüßigkeit sehenswert, während der Fall in emotionaler und spannender Hinsicht merklich auf Sparflamme köcheln muss.

Note: 3-



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