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Babygirl

Von außen führt Romy Mathis (Nicole Kidman) das perfekte Leben: Sie ist Gründerin und CEO eines höchst erfolgreichen Robotikunternehmens, ihr Mann Jacob (Antonio Banderas) ist ein angesehener Theaterregisseur, die beiden haben zwei Kinder, verdienen eine Menge Geld... doch Romy fehlt etwas. Das zeigt sich insbesondere im Schlafzimmer, wenn Romy einerseits nicht in der Lage ist, ihrem Mann ihre intimen Wünsche anzuvertrauen und Jacob hingegen diese auch nicht wirklich umsetzen möchte. Die Lust, etwas Neues, vielleicht auch Verbotenes auszuprobieren, steigt in Romy... und eskaliert, als mit dem jungen Samuel (Harris Dickinson) ein neuer Praktikant direkt in ihren Arbeitsbereich vordringt. Samuel legt einen ganz anderen Tonfall an den Tag, schreckt nicht vor Romys Position zurück und lässt sich auch nicht in die Schranken weisen, was Romy selbst ungemein anziehend findet und was schließlich dazu führt, dass sie ihre geheimen Wünsche ausgerechnet mit dem Mann auslebt, mit dem sie eigentlich nicht intim werden sollte...

Nicole Kidmans Karriere ist ungebrochen. Man hat das Gefühl, in fast jedem ihrer neuen Filme wird wieder von einer der besten Performances ihrer Laufbahn gesprochen, was ja generell heißt, dass ihre Rollenauswahl in den letzten Jahren ziemlich exzellent war. Das lässt sich so auch nicht von der Hand weisen, doch ich habe zuletzt immer ein paar Probleme mit Kidmans Darstellungen gehabt. Ihr deutlich mit Botox behandeltes Gesicht hat halt leider nicht mehr die allergrößten Möglichkeiten, echte Emotionen so richtig greifbar darzustellen, so traurig das auch ist... und da ist ihre Position in wirklich schwierigen Dramen eben auch immer so eine Sache, mit der ich nicht so ganz umgehen kann. Damit will ich Kidmans sicherlich beachtenswerte Darstellungen in den letzten Jahren keinesfalls schmälern, sondern will damit nur sagen, dass sie mich nicht mehr so eiskalt erwischt wie noch vor einigen Jahren... einfach, weil sie es vielleicht nicht mehr wirklich kann.
Dieses Problem bemerkte ich nun auch in Babygirl, wobei ausgerechnet die deutlich intimeren Szenen eine Schwierigkeit darstellen, wenn es um Kidman geht. Ihr Mut jedoch in allen Ehren: Mit beinahe sechzig Jahren körperlich noch so offen und zudem auch uneitel zu sein, das gebührt Respekt. Gerade, wenn sie alleine zu sehen ist und sich in privaten Momenten ganz selbst ihren eigenen Leidenschaften hingeht, geschieht im direkten Kontrast zu dem, was sie gerade entdeckt und fühlt, in ihrem Gesicht aber einfach zu wenig. Diese eigentlich sehr intimen Momente, die unbedingt ein Gefühl von ungeschönter Wahrheit ohne jegliche Verurteilung transportieren sollten, wirken hier leider reichlich aufgesetzt. Die ganze Nummer wird besser, sobald Harris Dickinson so richtig ins Spiel eingreift, denn der Triangle of Sadness-Star gibt den selbstbewussten Praktikanten wirklich mit allerlei Verve. Doch auch mit ihm hatte ich stets das Gefühl, zwei (durchaus mutigen) Darstellenden bei der Vortäuschung des Geschlechtsakts zuzusehen - es wirkt bemüht, aber niemals wirklich echt oder gar richtig leidenschaftlich.
Und das ist für einen Erotik-Thriller, der ja einen anderen, moderneren Blick auf gewisse Kinks und Fantasien werfen wollte, dann doch etwas schal. Nichts auszusetzen gibt es aber am Rest, denn die im Kern zwar recht dünne, aber dennoch angenehm erzählte Handlung führt recht schnörkellos durch die flott vergehenden 110 Minuten. Babygirl ist ansprechend gefilmt und inszeniert, sieht hübsch aus und leistet sich keine sonderlich Hänger oder Ärgernisse... wenn man vom etwas schwülstigen Finale absieht, wo die Figuren sich einige sehr unglaubwürdig geschriebene Beichten an den Kopf werfen, die das Show, don't tell-Prinzip des Filmemachens ziemlich ad absurdum führen. Aber auf dramaturgischer Ebene funktioniert das alles schon, wirkt an den richtigen Stellen mutig genug, ohne aber auf Krampf modern oder dreckig sein zu wollen. Vielleicht ist der Film, obwohl es so eindeutig nur um sexuelles Verlangen geht, am Ende doch etwas zu clean, aber für einen Hollywood-Film prescht er trotzdem ziemlich weit nach vorne... und hat aufgrund seines Teams natürlich auch den nötigen, europäischen Touch, der bei diesem Genre fast zwangsläufig dabei sein muss.

Fazit: Handwerklich solide, durchaus mutig und progressiv, aber an den entscheidenden Stellen dann doch zu seicht. Kidman und Dickinson mühen sich redlich, können aber auch nicht verhindern, dass die wahre Leidenschaft der Figuren niemals auf das Publikum überschwappt oder zumindest greifbar wird.

Note: 4+



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