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The Life of Chuck

Offensichtlich steht das bekannte Universum vor seinem endgültigen Ende. Am Tag des endgültigen Ausfalls des Internets versucht der Lehrer Marty Anderson (Chiwetel Ejiofor) weiterhin seiner alltäglichen Arbeit nachzugehen. Im Angesicht des baldigen Untergangs der Welt sucht er jedoch auch den Kontakt zu seiner Ex-Frau, der Krankenschwester Felicia Gordon (Karen Gillan) - es wäre doch zu traurig, das Ende ganz alleine angehen zu müssen. Doch ist es das Ende? Und wenn ja, wieso verläuft es nun so, indem Nordkalifornien nach und nach einfach wegbricht, während die Bienen aussterben und ein Vulkan in Europa ausbricht? Konkrete Antworten auf diese Vorfälle, die sich nicht wirklich auf das Verhalten des Menschen gegenüber der Natur zu beziehen scheinen, gibt es nicht. Eines Tages fällt Marty auf dem Nachhauseweg eine große Werbetafel auf, auf der man sich bei einem gewissen "Chuck" für neununddreißig gute Jahre bedankt. Darauf zu sehen: Ein Geschäftsmann namens Charles Krantz (Tom Hiddleston), den jedoch niemand zu kennen scheint...

Mike Flanagan, besonders bekannt aufgrund seiner von Kritikern umjubelten Horror-Serien, die er für den Streaming-Giganten Netflix kreierte, verfilmt eine Kurzgeschichte des Schauer-Meisters Stephen King, mit Avengers-Star Tom Hiddleston in der Titelrolle und herauskommen tut... ein Drama. So überraschend ist das aber eigentlich nicht, denn auch Flanagans frühere Arbeiten waren weitestgehend auf ihre Charaktere gemünzt, während Autor King neben seinen (ebenfalls oft sehr menschlich angehauchten) Horror-Epen a la Es schon allerlei großspurige Dramen geschrieben hatte - wovon angesehene Filmklassiker wie The Green Mile oder gar Die Verurteilten entsprangen. Diese ziemlich spannende Kombination mit einem ebenso spannenden filmischen Ergebnis, die wir hier nun bewundern dürfen, hat das Zeug zu einem der Filme des Kinojahres, über den man noch lange sprechen wird. Das liegt vor allem daran, dass er es seinem Publikum nicht wirklich leicht macht und es dazu auffordert, immer wieder neu gelegte Karten zu analysieren. Auch wenn das hier kein großes Mystery-Puzzle ist, welches geknackt werden muss, so muss man sich auf die dramatische Struktur, die immer wieder eine Art "Reset" erzwingt, erst mal einlassen.
Tut man dies, wird man mit einem Film belohnt, den es in dieser Form so kein zweites Mal gibt. Etwas über die Handlung auszuplaudern, ist quasi unmöglich, ohne direkte Kniffe der Dramaturgie zu verraten, doch so viel sei gesagt: Flanagan und King ist eine allumfassende Erzählung eines Universums gelungen, die trotzdem auf einer menschlichen Ebene für die Geschichte eines ganz speziellen Menschen steht. Das klingt nun sperriger, als es letztendlich ist, denn diese sehr lebendige Dramaturgie, die sich erstmal wie ein atmosphärisch forderndes Endzeit-Drama liest, um später noch in ganz andere, auch kleinere Richtungen vorzudringen, wird sehr kohärent wiedergegeben. Manch ein Kritiker könnte mokieren, dass die ganze Nummer letztendlich doch zu simpel ist, vielleicht zu verkitscht oder gar verträumt, naiv und leichtgläubig. Tatsächlich kann man The Life of Chuck aber trotz einiger sehr düsterer Momente als ungemein beschwingt und lebensbejahend bezeichnen, wobei vor allem zahlreiche, ganz wunderbare Tanzszenen herausstechen.
Möchte man dieser recht speziellen Drei-Akt-Struktur, die immer wieder, sobald man gerade richtig emotional investiert in einem bestimmten Plot ist, quasi einen Neuanfang und somit auch erstmal eine neue Orientierung fordert, nicht einlassen, wird man wenig Freude an The Life of Chuck haben. Auch ich war erst einmal frustriert, als der Film mich plötzlich in der Luft hängen ließ und (scheinbar) an einer ganz anderen Stelle weitermachte. Das clevere Konzept sorgt aber nach hinten raus dafür, dass alles gesammelt wirklich viel Sinn ergibt und ist letztendlich auch nicht wirklich kompliziert, sodass man der Idee einfach folgen kann, ohne dabei bei all dem Nachdenken und Sinnieren zu vergessen, sich emotional an die Figuren zu binden. Das gelingt nämlich aufgrund toller Darstellerleistungen, schöner Dialoge und einer beeindruckenden Inszenierung mit kraftvollen Bildern ohne Probleme - auch wenn die ständige Einmischung einer Erzählerstimme hier bisweilen etwas zu viel des Guten ist und man bei Beginn des dritten bzw. ersten Aktes bemerkt, dass diese dramaturgische Grundidee gegen Ende nicht mehr ganz so viel Faszination ausübt wie noch zu Beginn, da man das große Ganze zu diesem Zeitpunkt bereits (vielleicht zu früh) durchschaut hat. Macht aber nichts, denn auch ohne ein großes, noch aufzulösendes Mysterium ist das hier kluges, bewegendes und beschwingendes Kino mit vielen großen Einzelmomenten... und ein paar kleineren, die noch tiefer ins Herz treffen.

Fazit: Mit einer faszinierenden Idee rund um die Narrative, einer atmosphärisch dichten Inszenierung und dem richtigem Drive aus seltsamen Mysterien und großen Dramen gelingt Mike Flanagan ein originelles Werk, welches das Herz anspricht, es bricht und wieder zusammensetzt. Nicht perfekt, aber perfekt in seiner Macht, das Publikum mitzureißen und auf eine ziemlich spezielle Reise zu schicken.

Note: 2



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