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Der Tiger (2025)

Im Jahr 1943 befindet sich die deutsche Wehrmacht an der Ostfront auf dem Rückzug, nachdem sie in Stalingrad eine verheerende Niederlage erlitten haben. In dieser Zeit der Hoffnungslosigkeit bekommt eine fünfköpfige Truppe, die mit einem Tiger-Panzer durch die Einöde fahren, den Auftrag, hinter der Feindeslinie einen gewissen Major von Hardenburg (Tilman Strauß) zu befreien. Die fünf Soldaten nehmen den Auftrag, auch ohne Aussicht auf Alternativen, an und begeben sich tief ins hochgefährliche Feindesland. Dabei müssen sie sich nicht nur mit den Gefahren des tobenden Krieges, sondern auch mit sich selbst und ihren begangenen Fehlern auseinandersetzen, die sie allesamt einzuholen drohen...

Kritische Stimmen würden äußern, dass das deutsche Kino nur wenig mehr kann als romantische Komödien und Kriegsdramen. Gerade letztere schießen wohl auch aufgrund unserer Geschichte stetig aus dem Boden, als wollten wir uns auf dieser Ebene für die Gräueltaten entschuldigen, die unsere Vorfahren vor über achtzig Jahren begangen haben. Und da Deutschland eben an beiden großen Kriegen mehr als nur beteiligt war und auf historischer Sicht so manch einen Bock geschossen hat, um es salopp zu sagen, bietet sich dieses Genre hier natürlich irgendwie an. Vor rund zwanzig Jahren wagte man es bei dem auch international viel beachteten Der Untergang dann bereits, Nazis als Menschen zu zeigen, auch wenn der große Schreckenseffekt durchgehend sichtbar war. In Dennis Gansel's Der Tiger wagt man dies nun erneut - nur sehen wir hier weder Adolf Hitler beim Spaghetti-Essen oder Josef Goebbels beim Erdenken seines Testaments, sondern fünf deutsche Soldaten im Feindesland.
Den meisten dürfte es da wie mir ergangen sein: Wieso sollte ich mit fünf deutschen Soldaten in den Wirren des Zweiten Weltkrieges mitfiebern, wenn diese sich auf den Weg machen, einen ihrer Kameraden aus Feindeshand zu befreien? Und diese Kritik müssen sich Gansel und sein Team auch weiterhin gefallen lassen, denn die Chance, eben diese Menschen auch als Gefangene einer Politik zu zeichnen, die ihnen kaum eine andere Wahl ließ als bei diesem grausamen Morden mitzumachen, wird hier nicht wirklich genutzt. Im Gegenteil sogar: Die fünf Soldaten bekommen hier allerlei Zeit, um über ihre eigenen Dramen nachzusinnen und sich ständig in Gefahr zu begeben, während die Sichtweise ihrer Opfer beinahe vollständig ausgeklammert wird. Natürlich zeichnet Gansel die deutschen Soldaten auch nicht als Helden (das würde wohl wirklich zu weit gehen), aber der Film kommt trotzdem merkwürdig einseitig daher. Dass viele Soldaten an der Front auch auf deutscher Seite ungemein verloren waren und nichts anderes wollten als einfach nur in ihre Heimat zurückzukehren, ist klar - eine solche Geschichte, die in solch einem Tunnel alle anderen Sichtweisen ausblendet, sollte daraus aber dennoch nicht entstehen, wirkt sie so doch seltsam verzerrt und fast unangenehm.
Alles andere als unangenehm ist dafür der gesamte Rest, denn Die Welle-Regisseur Gansel gilt natürlich nicht grundlos als einer der besten Filmschaffenden, die wir in diesem Land haben. Seine inszenatorische Wucht ist dabei durchweg spürbar und die schier klaustrophobische Atmosphäre im Inneren des titelgebenden Panzers, in welchem sich die Soldaten an Bord die Ohren zuhalten, während der Stahl um sie herum von ohrenbetäubendem Gewehrfeuer getroffen wird, erreichen durchaus eine enorme Intensität. Das Spiel der Darsteller ist ebenfalls mehr als Glaubhaft und Gansel beweist zudem ein sicheres Händchen für das Ausspielen manch einer Spannungssequenz. Ein Schuh wird trotzdem nicht draus, wenn die ohnehin eher dünne Geschichte gegen Ende noch arg seifenopern-mäßig mit einer unglaubwürdigen, kitschigen Wendung herumgedreht wird und die dauerhaften Lebensbeichten unserer Hauptfiguren eher anrührend als wirklich aufsehenerregend daherkommen... was aufgrund der Tatsache, dass es sich bei ihnen um Nazis handelt, auch noch mal merkwürdig ist. 

Fazit: Die Konzeption, durch welche fünf deutsche Soldaten als Helden ihrer eigenen Kriegsgeschichte dargestellt werden, sorgt immer wieder für Bauchschmerzen, auch wenn Regisseur Gansel mit allerlei melodramatischen Tricks gegensteuern will. Obwohl inszenatorisch durchweg beeindruckend und zudem hervorragend gespielt, bleibt das Gefühl, hier bei etwas zuzusehen, welches schon in einer frühen Drehbuch-Phase nicht so ganz richtig war.

Note: 4+



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