Direkt zum Hauptbereich

Loyal Friend

Die Schriftstellerin Iris (Naomi Watts) lebt in New York und hadert mit ihrer Kunst - seit längerer Zeit hat sie nichts Vorzeigbares mehr hervorgebracht. In genau diese Zeit fällt nun ein persönliches Drama, als ihr Mentor und bester Freund Walter (Bill Murray) seinem Leben durch einen Suizid ein Ende setzt. Er hinterlässt mehrere Weggefährten, drei Ex-Frauen und seine Tochter Val (Sarah Pidgeon) unter enormem Schock und auch Iris weiß sich in dieser Ausnahmesituation, die sich in Trauer und Unverständnis mischt, nicht zu helfen. Zu allem Überfluss hinterlässt Walter ihr auch noch seine Dänische Dogge Apollo. Da Iris in ihrer Wohnung keine Hunde halten darf, stellt sie das vor einige Probleme... auch weil Apollo selbst um sein verstorbenes Herrchen zu trauern scheint und die Beziehung zwischen ihm und Iris so von Anfang an kompliziert ist.

Die zweifach oscarnominierte Naomi Watts hat in diesem Film als Schauspielerin gleich zwei Probleme. Einerseits gehört die Leistung, die sie hier erbringt, sicherlich nicht zu ihren stärksten - in dem Versuch, sich an den eigentlich sehr unaufgeregten Ton des Films anzupassen, macht sie einfach zu viel und wirkt daher, auch weil sie offensichtlich mit dem Material fremdelte, immer wieder wie ein Fremdkörper in einer Geschichte, die sich vorrangig um sie dreht. Und als wäre das noch nicht genug, bekommt sie auch noch erhebliche Konkurrenz: Dabei ist die Rolle von Lost in Translation-Star Bill Murray plotbedingt zwar nur recht klein, doch die wenigen Szenen, in denen er dabei ist, beherrscht er dabei so sehr mit seiner einnehmenden, natürlichen Präsenz, dass Watts neben ihm fast untergeht. Und dann ist da auch noch der eigentliche Titelheld Apollo, wobei die riesige Dogge hier mit einer schier magischen Ausdruckskraft gesegnet zu sein scheint, sodass man kaum umhin kommt, diesem prachtvollen Tier ganz große Emotionen anzudichten.
Da Watts als Hauptdarstellerin aber nur semi-gut funktioniert, leidet der gesamte Film ziemlich darunter. Der erzählt an der Oberfläche erstmal eine recht bekannte Geschichte und wie sich die Story zwischen Autorin Iris und der Dänischen Dogge entwickeln wird, kann jeder an zwei Fingern abzählen. Deutlich interessanter sind da schon die menschlichen Beziehungen, denn hier werden ein paar spannende Figuren entwickelt, die trotzdem nicht in das typische, melodramatische Konzept eines solchen Films gepresst werden. Beinahe unaufgeregt erzählt Loyal Friend von diesen unterschiedlichen Weggefährtinnen des Verstorbenen und legt dabei durchaus ehrliche und ungeschönte Wahrheiten auf den Tisch. Das wird niemals allzu konfliktreich erzählt, sondern wirkt eher wie eine spannende Momentaufnahme von real wirkenden Figuren. Das mag für den einen, aufgrund des echten Fehlens menschlicher Konflikte, etwas spröde wirken, hat in seiner eigenen Art, diese Geschichte sehr lebensnah abzubilden, aber durchaus seine Momente.
Dazu passt auch die betulich-ruhige Inszenierung, die sich niemals dem Mainstream beugen muss, um die großen, auch sehr ambivalenten Gefühle seiner Figuren zu unterstreichen. Es geht zwar stets um sehr nachdrückliche und wichtige Dinge, doch ist es nicht nötig, diese bis zum Exzess auszuspielen. Die im Kern aber nicht allzu gehaltvolle Geschichte aber auf zwei Stunden zu strecken, ist dennoch zu viel und man merkt, dass sich gerade der Plot rund um das Verbot einer Hundehaltung in Iris' Wohnung arg im Kreis dreht - auch weil man gerade hier schon von Anfang an ahnt, wie sich diese Streitigkeit denn am Ende lösen lassen wird. Die gekonnte Regie erlaubt sich zudem hin und wieder ein paar seltsame Patzer, wenn sie von ihrem eigentlich sehr schönen, ruhigen Stil abweicht, um plötzlich doch mehr "Spektakel" zu bieten. Insbesondere die allerletzte Szene ist so unnötig-dramatisch aufgeladen, dass sie überhaupt nicht zum restlichen Werk passt und uns deswegen mit einem äußerst merkwürdigen Gefühl in den Abspann entlässt.

Fazit: Die Ansätze der Geschichte sind besonders hinsichtlich der menschlichen Nebenfiguren angenehm spannend, aber niemals wertend oder allzu effekthascherisch. Die typische Hunde-Geschichte überzeugt da aufgrund ihrer Vorhersehbarkeit nur bedingt und dreht sich alsbald deutlich im Kreis.

Note: 3-



Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Eraser

Arnold Schwarzenegger, wohl neben Sylvester Stallone die Action-Ikone der 80er und 90er Jahre schlechthin, ist endlich zurück. Nachdem er sein Amt als Gouverneur von Kalifornien niedergelegt hat, dürfen wir ihn seit einiger Zeit endlich wieder in genügend rauen, spaßigen Actionfilmen wiedersehen. Auch wenn in der heutigen Zeit ganz klar Statham, Diesel und Co. die Actionhelden sind, macht es aber dennoch Spaß, den "Terminator"-Star wiederzusehen. Und natürlich auch seine vergangenen Filme, von denen ich bislang kaum einen gesehen habe und die ich nun mal nachholen möchte. Angefangen habe ich nun mit "Eraser" aus dem Jahr 1996... ERASER US-Marshall John Kruger (Arnold Schwarzenegger) arbeitet in einer geheimen Vereinigung der USA im Zeugenschutzprogramm. Darin beschützt er die Leben von Kronzeugen, welche vor Gericht Aussagen tätigen sollen und verschafft ihnen eine neue Identität, um sie vor dem Tod zu bewahren. Sein neuester Job ist eine junge Mitarbeiterin bei...

Anna und die Apokalypse

Teenagerin Anna (Ella Hunt) lebt eigentlich ein recht herkömmliches Highschool-Leben mit Verehrern, Hausaufgaben und manch einer jugendlichen Tragödie. Statt sich Schulfesten hinzugeben, ackert sie jedoch lieber für ein Flugticket raus aus den USA, um auf Reisen zu gehen. Diese Pläne werden jedoch plötzlich durchkreuzt, als in Annas Stadt eine Zombie-Apokalypse ausbricht. Erst nehmen sie und Annas und Freunde diese Sache mit Humor, doch als die Ernsthaftigkeit der Situation über sie hereinbricht, greifen sie zu allem, was sich durch einen Zombieschädel bohren lässt, um sich den Weg zur Highschool freizukämpfen. Dort sitzt nämlich Annas Vater Tony (Mark Benton) unter dem Kommando des verrückten Schulleiters Savage (Paul Kaye) fest... Man merkt schon - wirklich ernstnehmen tun die Macher rund um Regisseur John McPhail das immer noch allseits beliebte Zombie-Thema hier nicht und verpacken es daher dann auch, was in dieser Form tatsächlich noch unverbraucht ist, in ein buntes Musical. ...

Der große Crash - Margin Call

Es gehört schon einiges an Talent dazu, einen Film über eine Schar Anzugträger, die in dialoglastiger Manier das eventuelle, schockierende Ende ihrer Firma aufdecken. Wenn man es falsch angeht, könnte der Stoff arg trocken werden, mal ganz davon abgesehen, dass der Otto-Normal-Zuschauer mit den finanziellen Zusammenbrüchen und all den Zahlen nicht unbedingt umgehen kann. Eine Riege großer Stars kann da schon helfen, die Zuschauer anzulocken, so beweist es zumindest der angenehm ruhige Thriller "Margin Call"... DER GROSSE CRASH - MARGIN CALL Kurz vor der Finanzkrise 2007: In der Wertpapierhandelsabteilung einer großen New Yorker Bank werden etliche Mitarbeiter entlassen, unter ihnen ist auch Risikomanager Eric Dale (Stanley Tucci), der zuvor jedoch noch eine schockierende Entdeckung macht. Seine Arbeit hinterlässt er dem übriggebliebenen Mitarbeiter Peter Sullivan (Zachary Quinto), der die Zahlen überprüft... und dadurch entdeckt, dass der ganze Konzern auf wackligen Fü...