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Die Legende von Ochi

Auf der mystischen Insel Carpathia lebt die junge Yuri (Helena Zengel) gemeinsam mit ihrem Vater (Willem Dafoe) in einem kleinen Dorf. Seit jeher befinden sich die dortigen Menschen im Konflikt mit den mysteriösen Ochi, einer seltsamen Art von Tier, die in den nahen Wäldern lebt und immer wieder auch unschuldige Dorfbewohner attackiert. Als Yuri eines Abends im Wald einem verletzten, jungen Ochi begegnet, beschließt sie, diesem zu helfen und ihn nach Möglichkeit gesund zu pflegen. Schon bald wird ihr jedoch klar, dass ihr kleiner Begleiter nur zuhause wieder gesunden kann, weswegen sie sich auf eine abenteuerliche Reise begegnet... in die Heimat der Ochi. Dabei muss sich Yuri auch gegen ihre Mitmenschen auflehnen, die in ihren Taten einen Verrat sehen wollen.

Da Fantasy-Filme wie Die Legende von Ochi, die in ihrem groben Handlungsmuster an schier ausgestorbene Filme wie jene von Regie-Legende Steven Spielberg erinnern, heutzutage so selten geworden sind, werden sie, wenn sie dann doch mal aufschlagen, meist mit großem Applaus begrüßt. Ich kann die Freude über das Entstehen solch eines mehr auf Herz denn auf hirnlose CGI-Action setzende Fantasy-Produktion zwar durchaus nachvollziehen, doch kann ich die guten Kritiken zu diesem schier unentschlossenen Werk dennoch nicht verstehen. Besonders der Look wurde mehrfach schier über den Himmel gelobt. Im Kern besitzt der Film zwar eine schöne Optik und überzeugt mit atmosphärischen Landschaftsaufnahmen und detaillierten, handgemachten Sets. Warum aber jeder Film, der von sich selbst etwas "künstlerisch höchst wertvolles" erwartet, heutzutage mit einem enormen Bildrauschen versetzt werden muss, welcher die schönen Bilder zu einem krisseligen Durcheinander macht, verstehe ich nicht. Nichts gegen Filmkorn, aber Die Legende von Ochi rauscht vor allem in dunklen Szenen (und von denen gibt es viele) so enorm, dass sogar Farben zu flackern scheinen - von den schön komponierten Bildern bleibt da dann leider wenig übrig.
Die Story ist zudem ein alter Hut, was generell nichts Schlechtes sein muss, wenn sie trotzdem mit Herz und Charme erzählt wird. Nichts davon gelingt Regisseur Isaiah Saxon hier, denn in seinem schieren Zwang, den gesamten Film mit einer Art Wes-Anderson-Weirdness zu erzählen, geht das eigentliche Herz der gefühlvollen Geschichte komplett unter. Da chargieren einzelne Charaktere wild um die Wette, kurze Actionszenen werden äußerst stumpf inszeniert und eine "Hexe" tief im Wald kocht Fledermäuse. Das ist nicht charmant, sondern in seiner äußerst bemühten Art, möglichst seltsam und damit künstlerisch besonders sein zu wollen, einfach nur öde. Für das geringe Budget von nur zehn Millionen Dollar mussten sicherlich einige Abstriche gemacht werden, doch die Beziehung zwischen den beiden Hauptfiguren, die hier wenig nachvollziehbar abgehandelt wird, für allerlei höchst seltsame Szenen zu opfern, in denen Willem Dafoe in Ritterrüstung durch einen Sumpf stapft, stößt mir auf. Da bleibt die Geschichte, die ja ohnehin schon arg vorhersehbar ist und die man in zig Variationen bereits deutlich besser gesehen hat, dann eben auch spröde.
Für die erst siebzehnjährige, deutsche Schauspielerin Helena Zengel ist es nun schon die zweite Hauptrolle in einer großen, internationalen Produktion, nachdem sie vor fünf Jahren gar Oscarpreisträger Tom Hanks im Netflix-Drama Neues aus der Welt an die Wand zu spielen vermochte. Zengels Leistung ist auch hier im Grunde über jeden Zweifel erhaben, angenehm nuanciert und ehrlich - nur passt diese Art des schauspielerischen Ausdrucks nicht zum Rest des äußerst seltsam zusammengeklöppelten Films. Zengel wirkt viel zu ruhig und zurückhaltend im Kontrast zudem, was vor allem der unangenehm freidrehende Willem Dafoe hier treibt. Das scheint aber nicht Zengels Fehler zu sein, sondern generell einer, der direkt aus der Schauspielführung stammt, denn auch Stranger Things-Star Finn Wolfhard bleibt hier unerwartet blass und scheint bisweilen kaum zu wissen, in welche Richtung er nun eigentlich laufen soll. Die beste, weil passendste Leistung stammt indes von Emily Watson, welche die emotionale Bedeutung ihrer Figur noch am besten transportiert und trotzdem für eine gewisse, fantastische Stimmung sorgt.

Fazit: Die altbackene Inszenierung hält niemals mit der vorhersehbaren Geschichte Schritt, lässt aufgrund arg seltsamer Regieentscheidungen Herz und Charme vermissen. Das schlägt sich auch auf die Leistungen der Schauspieler*innen und den Look nieder - im Kern alles gut, aber aufgrund ständiger Inszenierungsfehler letztendlich kaum zusammenpassend.

Note: 4-



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