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Die Fotografin

Kurz vor der Machtergreifung durch Hitler arbeitet Lee Miller (Kate Winslet) vorrangig als Foto-Model, hegt insgeheim jedoch den Wunsch, mehr hinter der Kamera zu arbeiten und durch ihre Fotos wirklich etwas auszusagen und zu bewegen. Während die Nazis durch Europa marschieren, zieht Lee gemeinsam mit ihrem Freund Roland Penrose (Alexander Skarsgard) nach London, wo sie hofft, ihre Fotos einem großen Magazin anbieten zu können. Aufgrund der Bedrohung durch die deutsche Wehrmacht bleiben Lee's Bewerbungen allerdings liegen, da die Zeitung befürchtet, ohnehin bald aufgelöst zu werden. Dies möchte Lee anschließend nutzen und lässt sich als Kriegsfotografin direkt an die Front bringen - was sie dort sieht und auf Zelluloid bannt, ändert ihr ganzes Leben.

Lee Miller war eine der bedeutendsten Fotografinnen während der Zeit des Dritten Reichs. Ihre Fotografien gingen um die Welt und bewegten Millionen von Menschen - vor allem ihre Werke, die genau das Innere eines Konzentrationslagers bebilderten, bleiben in Erinnerung. Diese zeigten den Menschen auf, dass die Geschehnisse in Europa keine einfache Gruselgeschichte waren, sondern die bittere Realität. Beinahe fünfzig Jahre nach ihrem Tod schenkte Hollywood dieser Ausnahme-Künstlerin nun das lang verdiente, filmische Portrait und ging dabei durchweg auf Nummer sicher. Man holte sich eine der talentiertesten und wandelbarsten Schauspielerinnen ihrer Generation für die Hauptrolle und sorgte dafür, dass die Inszenierung wirkungsvoll genug ist, um zu bewegen, aber auch nicht so exzessiv, dass sie irgendwie belasten würde. Das ist leider viel zu oft ein typisches Merkmal von Hollywood-Biopics... und es stört auch in "Die Fotografin".
Was aber ganz und gar nicht stört, ist erwartungsgemäß Kate Winslet, die in der Hauptrolle mal wieder eine phänomenale Darstellung abliefert. Winslet beherrscht die verschiedenen Klaviaturen der echten Lee Miller perfekt, von ihrem beinahe zornigen Aufschrei nach Beachtung, hin zu echter emotionaler Anteilnahme in den Schrecken des Krieges und letztendlich zu wahrer Verzweiflung, wenn der einzige Weg, mit welchem sie diesen Krieg greifbar machen kann, plötzlich auch noch verschüttet wird. Neben ihr hat der Rest des Casts dann natürlich weniger Gelegenheit, um wirklich zu glänzen, immerhin holt überraschenderweise Comedy-Star Andy Samberg aber noch einige Kohlen aus dem Feuer. Überraschend ist hingegen, wie kurz der Auftritt der französischen Oscar-Legende Marion Cotillard hier ausfällt und dass ihre wenigen Szenen dann leider auch keinen echten Eindruck hinterlassen - von der Besetzung eines solch großen Namens hätte man auf filmischer Ebene mehr erwartet.
Das gilt auch für den Film an sich, der die altbekannten Manirismen eines historischen Biopics pflichtbewusst abarbeitet, dabei in Sachen Inszenierung und Skript viel zu sauber und korrekt daherkommt, um mehr als oberflächliche Anerkennung zu ernten. Natürlich sieht das alles gut aus, es gibt bewegende Einzelmomente, starke Schauspielleistungen und die wahre Geschichte um Lee Miller ist ohnehin viel zu erhellend, um da einen schlechten Film abzuliefern. Man hätte aber noch deutlich mehr herausholen können als das typische Hollywood-Biopic, welches im Eiltempo einzelne Stationen in Millers Leben abarbeitet und es dabei verpasst, in die Tiefe zu gehen. So verkommt ihre durchaus interessante Beziehungs-Situation zu einer reinen Randnotiz, während der Film versucht, all ihre Fotos irgendwie zu würdigen, dem dann aber nur schwer einen dramaturgischen Bogen hinzufügen kann, der wirklich wirkt. Immerhin wird das von einem mal wieder wunderschönen Soundtrack von "The Danish Girl"-Komponist Alexandre Desplat getragen.

Fazit: "Die Fotografin" kommt nur dank der starken Performance von Kate Winslet bisweilen über den Standard eines herkömmlichen Hollywood-Biopics hinaus. Die Geschichte ist bewegend, aber hier zu sehr auf Nummer sicher abgefilmt, um einen wirklich bleibenden Eindruck zu hinterlassen.

Note: 3



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