Direkt zum Hauptbereich

The Banker (2020)

Trotz des eklatanten Rassismus in Amerika in den 60er-Jahren gibt Barnard Garrett (Anthony Mackie) seinen Plan, ein erfolgreicher Geschäftsmann zu werden, nicht auf. Um seine Idee durchzusetzen, braucht er jedoch die Hilfe eines weißen Partners, denn er kann und darf nicht als Gesicht fungieren, welches so viel Geld verdient. Letztendlich tut er sich, nach ersten erfolgreichen Gehversuchen, mit dem Geschäftsmann Joe Morris (Samuel L. Jackson) zusammen. Gemeinsam bilden sie Matt Steiner (Nicholas Hoult), einen weißen Mann der Arbeiterklasse, in ihrem Wissen aus, damit dieser daraufhin als Gesicht der Banken fungieren kann, deren Häuser sie kaufen wollen. Da Steiner schnell lernt, geht der Plan auch erst einmal auf... bis die rassistischen Fallstricke ihnen doch noch auf die Schliche kommen.

Von den zwischenzeitlichen Schwierigkeiten, mit denen dieses Projekt konfrontiert war (so zum Beispiel eine abgesagte Premiere aufgrund schwerer Vorwürfe gegen einen der Produzenten und eine Kontroverse rund um den Sohn der im Film dargestellten Hauptfigur), ist im fertigen Produkt nichts zu erahnen. "The Banker" leidet viel mehr unter einer viel zu schnöden Regie, welche das eigentlich spannende Thema durchweg als spröde und trockene Geschichtsstunde inszeniert... und den Film damit wesentlich langweiliger erscheinen lässt als er sein müsste. Sogar die wenigen amüsanten Momente, in denen ein überforderter Matt Steiner erst einmal Mathe-Nachhilfe über sich ergehen lassen muss, bevor er auch nur grob in die Bankengeschäfte eintauchen kann, sind durchweg recht blass inszeniert. Da tut es gut, dass mit Samuel L. Jackson ein Schauspieler an Bord ist, der seiner extravaganten Figur so gut es geht das nötige, bissige Charisma verleiht.
Ihm gegenüber bleibt "The Hate U Give"-Star Anthony Mackie blasser. Das liegt aber nicht unbedingt an seiner Performance, sondern ist schon in der Figur begründet, die er hier spielt. Diese ist von vornherein deutlich steifer und leiser angelegt und über die gesamte Laufzeit kann Mackie dann auch nur in wenigen Momenten etwas von der Leichtfüßigkeit beweisen, die Hoult und vor allem Jackson hier quasi fast durchgehend aufs Parkett legen dürfen. Solange es der Regiestil zulässt, natürlich, denn dieser kann in den bisweilen langwierigen, faktischen Dialogen nur selten echten Schwung entwickeln. Die untersaturierte Farbpalette mit ihren teils ausgewaschenen Farbtupfern und dem deutlichen Sepia-Ton passt hingegen gut in die Zeit der 60er, ohne dabei aber stilmäßig eigene Akzente zu setzen. Filme, die in dieser Zeit spielen, sahen schon oft so aus und über das atmosphärisch passende Setdesign hinaus gibt es nur wenig, was an "The Banker" sonderlich auffällt.
Selbst wenn sich der Film später von seinen eher leichtfüßigen Tönen verabschiedet und tatsächlich etwas aussagen will, wesentlich mehr in die Drama-Ecke tritt, fehlt es an echtem Schwung. Wenn sich die Seile um die Kehlen der Charaktere zuschnüren, mag trotzdem keine echte Spannung aufkommen - dafür ist das alles zu bieder und nach Lehrbuch abgefilmt, es entsteht schlichtweg keine Dynamik zwischen den Szenen. So verpufft auch das Finale, wenn vor Gericht eine emotionale Rede gehalten wird, recht wirkungslos. Ein Thema wie dieses hätte dahingehend einen deutlich besseren Film mit mehr Kraft und Wirkung verdient, denn so erschließt sich den Laien der wirkliche Abgrund abseits des Kernthemas rund um den Rassismus und seine Unfairness nur bedingt. Da die Charaktere meistens nur Abziehbilder von dem darstellen, was sie können und wissen, dürfte das Interesse bei jenen, die sich nicht schon vorher mit den Winkelzügen von Banken und deren Kontrolleuren auskennen, bisweilen schwinden.

Fazit: Samuel L. Jackson reißt diverse Szenen nach Belieben an sich und ist damit einer der wenigen Farbtupfer in einer sonst recht spröde angelegten Produktion. Zäh inszeniert und ohne echten Schwung ist "The Banker" zwar mit einer kraftvollen Message gesegnet, kann diese aber genauso wenig packend transportieren wie den amüsanten Momenten Verve zu verschaffen.

Note: 4+



Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Das Ende dieses Blogs

 An all meine treuen Leser*innen, ich machs kurz: Dieser Blog hat an dieser Stelle sein Ende gefunden. Gut zwölf Jahre haben sich meine Film- und Serienreviews hier angesammelt, doch nun werden sie an einer anderen Stelle ausgelagert. Ich bin mit meinen Filmreviews auf Letterboxd umgezogen, mein Account dort lautet Flolli und ihr findet ihn unter diesem Link:  https://boxd.it/jOAkX Meine Serienkritiken findet ihr zudem unter dem gleichnamigen Account auf Serializd:  https://www.serializd.com/user/Flolli/profile Zudem gibt es auch (seltener, aber ebenfalls erwähnenswert) Kritiken zu storylastigen Videospielen auf Backloggd:  https://backloggd.com/u/Flolli/ Ich hoffe, einige meiner treuen Leser*innen auf diesen Plattformen wieder zu treffen und euch auch dort noch genügend Lesestoff bieten zu können - es hat sich dort jedenfalls schon einiges angesammelt :) Auf bald, euer Flo

Titanic (1997)

Eigentlich hätte "Titanic" kollossal floppen müssen. Der Dreh zog sich über viel mehr Tage hinweg, als eigentlich vorgesehen waren, die Produktionskosten explodierten, die Studios fürchteten einen massiven Verlust und überlegten sogar, Regisseur James Cameron noch während der laufenden Produktion wieder abzusetzen. Letzten Endes war sich sogar Cameron selbst eines Erfolges nicht mehr sicher... aber die Geschichte ist bekannt. Zwölf Jahre lang war das Katastrophen-Drama der erfolgreichste Film aller Zeiten, heimste elf Oscars ein, machte seine Hauptdarsteller über Nacht zu Stars. Und James Cameron, der erschuf ein unübertreffbares Meisterwerk der dramatischen Filmkunst, welche in Sachen Intensität und auch Schönheit auch noch heute recht allein dasteht in der Welt des Kinos. TITANIC Die über 100jährige Rose (Gloria Stuart) erzählt dem Schatzsucher Brock Lovett (Bill Paxton), der das Wrack der 1912 versunkenen Titanic nach einem wertvollen Diamanten absucht, von ihrer Ge...

The Dark Knight Rises

Nach Heath Ledgers Tod weigerte sich Christopher Nolan zuerst, einen weiteren Teil rund um den dunklen Ritter zu drehen. Erst, als eine fertige Geschichte im Raum stand, sagte Nolan zu und konnte so seine "Dark Knight"-Trilogie zu einem Abschluss bringen, welcher in puncto Einspielergebnisse sogar noch seinen direkten Vorgänger an den Kinokassen übertraf. Die Kritiker waren zwar nicht mehr so begeistert wie bei der Joker-Show, dennoch war auch hier der Tonus positiv. Und eigentlich ist Teil 3 dabei seinem Vorgänger doch ziemlich ebenbürtig... THE DARK KNIGHT RISES Acht Jahre nach dem Tod von Harvey Dent (Aaron Eckhart) hat sich Bruce Wayne (Christian Bale) in "Wayne Manor" zurückgezogen und auch sein Batman-Kostüm an den Nagel gehängt, da er mit körperlichen Beschwerden zu kämpfen hat. Jedoch macht ihm auch sein schwindendes Vermögen Probleme und er wird von der Profieinbrecherin Selina Kyle (Anne Hathaway) bestohlen. Als sich der Verbrecher Bane (Tom Hardy) ...