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Old Guy - Alter Hund mit neuen Tricks

Nachdem seine lange getragene Gips-Schiene endlich ab ist, freut sich der altgediente Auftragskiller Danny Dolinski (Christoph Waltz) darauf, wieder ins Geschäft einzusteigen. Von seiner Auftraggeberin Opal (Ann Akinjirin) erhält er jedoch die Hiobsbotschaft, dass er trotz seiner vielen Erfolge mittlerweile zum alten Eisen gehört. Statt eines neuen Auftrags soll er den jungen Nachzügler Wihlborg (Cooper Hoffman) anlernen, der als Genie in dem Job gilt, jedoch auch die Angewohnheit hat, Unschuldige zu töten, wenn er somit seine Arbeit gefahrenlos erledigen kann. Das soll ihm Danny gefälligst austreiben, der über diese verkehrte Moral jedoch auch noch seine ganz eigenen Probleme mit dem respektlosen Jungspund hat... und zudem nicht einsehen will, dass es für ihn bereits das Ende der Fahnenstange ist.

Was sich hier liest wie eine Action-Komödie (und angesichts des bunten Comic-Vorspanns auch erstmal so scheint), ist nur weit entfernt eine. Tatsächlich schlägt Regisseur Simon West hier über weite Strecken ernste Töne an, was schon das erste von vielen Problemen ist. Denn für solch eine ernsthafte Abhandlung über Moral, Altersschwächen und die Endlichkeit des Lebens ist das Drehbuch in seinen bescheidenen Dialogphrasen viel zu schwach auf der Brust. In einem extrem langsamen Tempo führt "Old Guy" all diese Konflikte zwar ein, weiß aber danach nicht wirklich, was er noch mit ihnen anfangen soll. Und da für knallige Actionszenen kein echtes Budget da war, kann man diese Armut der so schon zigfach gesehenen Geschichte eben auch nicht mit allerlei Knallbumm überspielen. Das Ergebnis: Ein ziellos vor sich hindümpelnder Möchtegern-Thriller, der keinerlei Überraschungen, dafür aber jede Menge abgehangener Klischees bietet und bei dem sich sogar diese kompakten 90 Minuten ungemein zäh anfühlen.
Dabei haben sich hier zwei zusammengefunden, die früher echte Hollywood-Magie erschaffen konnten, aber seit einigen Jahren nicht mehr richtig in den Sattel zurückfinden. Da wäre einerseits der zweifache Oscarpreisträger Christoph Waltz, der seit dem letzten Teil von Daniel Craigs "James Bond"-Reihe im Grunde wie weggespült von den Leinwänden scheint und der auch zuvor schon ein wenig mit einer etwas mauen Rollenauswahl fremdelte. Wie es mit diesem Genie weitergeht, wird wohl sein kommender Einsatz in der fünften Staffel der Krimi-Comedy "Only Murders in the Building" aufzeigen, wobei er sich dort ja bereits in sehr illustrer Gesellschaft befinden wird. Andererseits ist es der wiederholte Versuch von Simon West, wieder Fuß in Hollywood zu fassen: Früher hat West knackige Action-Blockbuster wie "Con Air" oder den zweiten "Expendables"-Streifen abgeliefert, doch nach seinem "Wild Card"-Flop möchte man ihm wohl keine großen Budgets mehr anvertrauen. Das wird sich auch mit "Old Guy" nicht ändern, denn hier kann er das überschaubare Geld ebenfalls nicht mehr gewinnbringend einsetzen - das ist schon alles arg müde inszeniert und lässt ständig durchblicken, dass das Know-How für clevere Regieentscheidungen hier fehlt.
Waltz gibt sich dagegen redlich Mühe, hier noch irgendetwas zu retten. Für Einsätze wie diesen ist er aber natürlich viel zu gut und scheint das auch zu wissen, weswegen er immer wieder arg unmotiviert daherkommt... angesichts der furchtbaren Dialogzeilen, die er hier aufsagen muss, ist das aber auch mehr als verständlich. Neben einem solide auftretenden Cooper Hoffman als großmäuliger Jungspund mit deutlichen, psychopathischen Tendenzen, die aber ebenfalls nicht weiter verfolgt und erst recht nicht kritisch hinterfragt werden, hört der dritte große Name auf Lucy Liu. Und bei ihr muss man sich dann tatsächlich ernsthaft fragen, was sie in diesem Film zu suchen hat. In einem völlig konfusen Nebenplot hat ihre Figur ein Date mit einem charmanten Anzugträger... welches ins Nichts verläuft. Es scheint, als hätte Simon West sein viel zu kurzes Skript noch mit einer Frauenfigur auffüllen wollen, um irgendwie auf die angestrebten 90 Minuten zu kommen, dann jedoch nicht gewusst, wie er diese überhaupt einbringen soll. Dementsprechend rennt Liu hier und da ein bisschen mit, ohne jedoch irgendeinen weiteren Zweck für die Handlung zu erfüllen, was höchst merkwürdig daherkommt.

Fazit: Da kann auch Waltz nichts retten - "Old Guy" ist dilletantisch inszeniert, völlig zerfahren geschrieben und kann seine wenigen Konflikte ebenso wenig erzählerisch festigen wie irgendeine sinnige Dramaturgie zu entwickeln. Der Cast, der sich immerhin einigermaßen spielfreudig zeigt, ist diesem Drehbuchgepinsel hilflos ausgeliefert.

Note: 4-



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