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Black Bag - Doppeltes Spiel

Im britischen Geheimdienst gibt es ein Leck: Offenbar wurde ein streng geheimes Computerprogramm gestohlen, welches in den falschen Händen eine beispiellose Katastrophe verursachen könnte. Geheimagent George Woodhouse (Michael Fassbender) erhält von seinem Vorgesetzten Philip Meacham (Gustaf Skarsgard) eine Liste mit fünf Verdächtigen, die er nun innerhalb einer Woche abklopfen und am Ende den wahren Täter überliefern soll. Auf dieser Liste finden sich nun aber nicht nur die Namen von einigen Kollegen, mit denen George eng befreundet ist, sondern auch jener seiner Frau Kathryn (Cate Blanchett), ebenfalls Geheimagentin. In einem Spiel aus Lug und Trug versucht George, den wahren Schuldigen mittels allerlei Tricks zu enthüllen... und muss dabei auch das Leben der Verdächtigen mehr als einmal kräftig durcheinanderbringen.

Steven Soderbergh gilt immer noch als großer Regisseur, keine Frage. Diesen abnormen Gold-Status kann er aber nicht mehr für sich beanspruchen, da nach seinen fraglos brillanten Werken wie Erin Brockovich oder dem mittlerweile kultigen Ocean's Eleven eben auch eine ganze Reihe Filme kamen, die gut, aber nicht mehr wirklich bemerkenswert waren. Und da sich diese leise Flaute nun schon über eine Dekade hinzieht, wartet man zumindest nicht mehr nägelkauend auf ein neues Werk aus der Hand des Regisseurs... und dass er nächstes Jahr mit einem neuen Ocean's-Film um die Ecke kommen möchte, um so sicherlich noch einmal mehr Aufmerksamkeit zu generieren, erscheint da nur folgerichtig. Aber wenn man eines Soderbergh nicht absprechen kann, dann ist es weiterhin sein Auge für Stil. Selbst in seinen fast durchweg nur von langen Dialogen getragenen Black Bag gelingt es ihm, selbst die stets gleich abgefilmten, tristen Büros und (zumindest edel eingerichteten) Wohnungen so dermaßen knackig zu inszenieren, dass wieder mal markante Bilder entstehen.
Auf der reinen Handlungsebene werden ihm diesmal aber nicht alle folgen wollen, denn das Verwirr-Spiel rund um einen Maulwurf im britischen Geheimdienst ist auf dem Papier zwar spannend, wird hier jedoch im Grunde nur als Aufhänger genutzt, um die reichlich klischeehaften Beziehungs-Belange der sechs im Fokus stehenden Figuren durchzukauen. Das ist per se keine schlechte Idee und wenn die Figuren immer wieder davon sprechen, dass Spione eigentlich nicht für funktionierende Beziehungen gemacht sind (erst recht nicht miteinander), dann klingt das spannend genug, alsdass man gerne mehr Einblick in dieses Chaos erhalten hätte. Stattdessen sehen wir sechs Figuren, von denen einer unsympathischer und unnahbarer ist als der andere (wobei letzteres natürlich ein bisschen in der Natur der Sache liegt) und die sich über gute anderthalb Stunden gegenseitig mit allerlei Lappalien, Affären und Geheimnissen beschuldigen. Das eigentliche Thema rund um einen Maulwurf, der mit dem Gelingen seiner Mission womöglich etliche Menschen töten könnte, gerät dabei immer wieder unpassend in den Hintergrund.
Dass diese weitestgehend kühl agierenden Figuren, die nur hin und wieder Leben erwecken, wenn sie sich im Angesicht des Alkohols gegenseitig anschreien, durchweg von Top-Schauspieler*innen zum Leben erweckt werden, hilft da nur bedingt. Zwar mit enormer Präsenz gesegnet, hier aber zu allerlei undurchdringlicher Kälte verdammt, spielen Fassbender, Blanchett und Co. weitestgehend auf einem emotionalen Level, welches so direkt aus einem Gefrierfach kommen könnte. Mit den Figuren dabei wirklich mitzugehen, fällt schwer und letztendlich tangiert einem bei so wenig emotionalem Zwischenspiel auch die Auflösung nicht mehr wirklich. Mitraten ist angesichts der ständig wechselnden Beziehungsspielchen sowieso kaum möglich und wohl auch nicht wirklich erwünscht, weswegen man sich der recht trocken verlaufenden Geschichte, die nur an wenigen Stellen durch ein bisschen feinen Humor aufgelockert wird, zwangsläufig ergeben muss. Die Dialoge sind dabei zwar angenehm geschliffen, scheinen aber niemals für echte Menschen geschrieben worden zu sein, weswegen auch diese (wie eigentlich alles an diesem Film) hochstilisiert und dementsprechend unecht wirken.

Fazit: Ein bemerkenswert kühler Film, was zwar in der Natur des Genres liegt, hier aber auf Dauer arg bemüht und angestrengt daherkommt. Der spannende Aufhänger verirrt sich in konsequent von unsympathischen Figuren vorgetragenen Beziehungskisten, die zudem sehr oberflächlich bleiben und deswegen die Aufmerksamkeit des Publikums nicht dauerhaft bespielen können.

Note: 4



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