Der achtzehnjährige Dade Murphy (Jonny Lee Miller) ist ein begnadeter Hacker, der schon im Alter von elf Jahren an einem Computer über 1500 Systeme lahmlegte. Nun muss er mit seiner Mutter Lauren (Alberta Watson) nach New York ziehen und hat anfangs Schwierigkeiten, in der Millionenmetropole Fuß zu fassen. Erst nach und nach findet er in den Computer-Kreisen ein paar Freunde, die mit ähnlichen Mega-Angriffen auf große Konzerne auffallen. Dabei geraten sie jedoch unter die Lupe des FBI, welches unter dem Kommando des eisenharten Agent Gill (Wendell Pierce) diesen Hackern den Kampf ansagt. Und dann ist da auch noch ein Großkonzern mit finsteren Plänen, denen die Computer-Nerds eins auswischen wollen... wobei sie sich jedoch mit den falschen angelegt haben könnten.
Die Plotstruktur hat mich mehr als nur einmal an den elf Jahre später erschienenen "The Fast and the Furious: Tokyo Drift" erinnert. Hüben wie drüben baut ein Teenager-Außenseiter mächtig Mist, muss in eine neue Großstadt umziehen, in welcher er sich erst einmal zurechtfinden muss, um kurz darauf Anschluss in seiner eigenen Szene zu finden und sich dabei mit einigen größeren Leuten anzufeinden. Mit dem einzigen Unterschied, dass es hier eben nicht um die Auto-, sondern um die Computerszene geht. Und viel erwartet habe ich mir davon nicht, da gerade Filme dieser Art, die sich um Themen wie Computer-Nerds und Hacking drehen, in unserem Technik-Zeitalter wahnsinnig schnell und schlecht altern können. Und so wirkt "Hackers" aus dem Jahr 1995 dann auch: In seiner überzogenen Inszenierung, bei der die Hacker ihre Angriffe fast schon wie im Light-Renner aus "Tron" durchführen und nebenher meist eher peinliche denn wirklich glaubwürdige Sprüche loslassen.
Man hat zudem nicht den Eindruck, dass die Macher hinter diesem Film die Szene wirklich verstanden und verinnerlicht haben. Es wirkt viel mehr so, als würde man sich unbedingt bei der damaligen, jungen Zielgruppe anbiedern und die ganze Nummer deswegen so ausgeflippt und "hip" wie möglich in Szene setzen... wobei sie in ihrer bunten Überinszenierung deutlich am Ziel vorbeifliegen. Zwar sind die zentralen Charaktere (bis auf die arg blasse Hauptfigur) durchweg sympathisch und auch originell, doch darüber hinaus ist all das einfach viel zu lautstark aufgezogen. Die erste halbe Stunde, in welcher der Außenseiter Dade langsam in der neuen Stadt Fuß fassen muss, ist noch ziemlich nett geraten und lässt auch die Schauspieler einigermaßen zu Wort kommen. Darunter übrigens auch Angelina Jolie, die schon einige Jahre vor ihrem endgültigen Durchbruch mit dem Drama "Durchgeknallt" eine schier hypnotische Ausstrahlung hatte und ihren männlichen Kollegen damit deutlich die lange Nase zeigte.
Nach diesem einigermaßen gelungenen Auftakt folgt jedoch nur noch eine völlig banale Hacking-Geschichte mit unfreiwillig komischen Bösewichtern, die in langen, schwarzen Mänteln herumlaufen und mit Skateboards durch ihre Bürohallen düsen - diese gezwungene Heranwanzung an die damalige Jugend ist oftmals hochnotgedrungen peinlich und der spätere "Lost"-Star Fisher Stevens als Obermacker der Fieslinge hat sich mit dieser Performance damals sicherlich keinen großen Gefallen getan. Schon lange vor dem reichlich öden Finale hatte mich dieser Film in seiner altbackenen Inszenierung, die darüber hinaus auch nicht mit spannenden Handlungen neben der Hauptstory aufwartet, ziemlich verloren und zeigt daher, dass ich mit meiner anfänglichen Vermutung bezüglich des schlechten Alterns dieser Art von Filmen Recht behalten hatte.
Fazit: Nicht nur aus heutiger, sondern auch aus damaliger Sicht altbackener und langatmig inszenierter Hacker-Jugend-Streifen, der zwar einen launigen Cast aufbietet, in Sachen Story aber so dünn und klischeehaft überzeichnet daherkommt, dass sich die damalige Zielgruppe wahrscheinlich ziemlich verschaukelt vorgekommen sein dürfte.
Note: 4
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