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Der Pinguin meines Lebens

Im Jahr 1976 kommt der britische Englischlehrer Tom Michell (Steve Coogan) nach Argentinien, um dort als Ersatz-Fremdsprachenlehrer an einer renommierten Jungen-Schule zu unterrichten. Er erscheint in einer Zeit des politischen Umschwungs - ein Militärputsch scheint kurz bevor zu stehen, das Land ist gefährlicher und unberechenbarer denn je. Michell möchte sich aus solch politischen Fallstricken jedoch heraushalten und nach Möglichkeit einfach nur seinen Job machen und sein Geld verdienen. Dass ihm dabei plötzlich ein an einem Strand angespülter Pinguin schier in die Hände fällt, macht diese Arbeit, die mit allerlei strengen Regeln verbunden ist, jedoch nicht leichter. Michell möchte das Tier eigentlich schnell wieder loswerden, doch das ist nicht so leicht wie erwartet... und letztendlich entwickelt sich daraus gar eine echte Freundschaft zwischen Vogel und Mensch.

Ein ungeschriebenes Gesetz in der Filmbranche besagt, dass man als Schauspieler möglichst darauf verzichten sollte, mit Kindern oder gar mit Tieren zu drehen, da diese einem mit ziemlicher Sicherheit die Show stehlen würden. Wenn der tierische Sidekick nun jedoch nicht (wie schon so oft gesehen) ein Hund oder ein Pferd ist, sondern der Niedlichkeitsfaktor durch einen echten (!) Pinguin einfach noch einmal um das Zehnfache gesteigert wird, dann dürften sich viele namhafte Stars nicht gerade um eine Rolle, die sie fast zum besseren Statisten hätte verdammen können, gerissen haben. Verpflichtet hat man den für diesen Part durchaus passenden Steve Coogan: Der Nachts im Museum-Star bringt genau die richtige, britische Trockenheit mit, um neben seinem tierischen Co-Star mit stoischer Miene zu bestehen und darüber hinaus trotzdem noch genug menschliche Eigenschaften mitzubringen, die abseits des Chaos rund um den Pinguin noch für ein paar Eckpunkte sorgen.
Allerdings haben es sich die Macher bei der Verfilmung des gleichnamigen Romans (der übrigens auf Tatsachen beruht) nicht gerade einfach gemacht und sollten eine geradezu zuckrige Tiergeschichte in direktem Kontrast mit wahrem, politischem Grauen stellen - bei einem Produkt wie diesem, wenn es auch nur ansatzweise irgendwo im Mainstream verortet werden soll, war dementsprechend klar, dass bei einer der Seiten Abstriche gemacht werden müssen. Und so bemüht sich der Film zwar, dass unmenschliche Grauen im Argentinien der 70er Jahre darzustellen, kann dabei jedoch niemals so in die Tiefe gehen, dass man dieses auch wirklich spürt. Die durchaus auch sentimentale, über weite Strecken aber spaßige Tiergeschichte steht einer düstereren Abhandlung des politischen Themas sehr eindeutig im Weg. Noch schwächer ist dabei die Thematik des Mobbings aufgearbeitet, die hier im Grunde mit zwei Sätzen ebenso unglaubwürdig wie unbefriedigend abgefrühstückt wird, um dem tierischen Star wohl nicht noch mehr Leinwandzeit zu stehlen.
Der bekommt jedoch, obwohl es abseits von ihm noch um einige andere, menschliche Figuren rund um den mürrischen Englischlehrer geht, mehr als genug Zeit, um immer wieder jubelnde Rufe des Publikums zu kassieren. Und dass man hierbei auf den CGI-Weg verzichtete und mit einem echten Tier arbeitete, kommt der Glaubwürdigkeit und auch dem Niedlichkeitsfaktor natürlich zugute. Verzichten tut man dafür auf allerlei mauen Slapstick und lässt besonders in der ersten Hälfte viele lustige Szenen einfach durch das passende Spiel des Casts geschehen - da braucht es dann keine körperliche Verrenkungen, um durchaus zu belustigen, auch wenn wirklich laute Lacher ausbleiben. Die Regie von Peter Cattaneo bleibt indes unauffällig. Einige Längen entstehen während der nicht immer kurzweiligen Laufzeit von 111 Minuten durchaus, auch da die Geschichte in sich recht vorhersehbar abläuft und recht eindeutig auf ein (zu) zuckriges Happy End hinausläuft, bei dem dann hier und da doch die ein oder andere, gefühlvolle Träne vergossen werden könnte.

Fazit: Die Mixtur aus lässiger Tierkomödie und großem, politischen Drama geht hier nicht auf - beide Geschichten stehlen sich fortwährend das Wasser. Auch wenn der tierische Star und Steve Coogan durchaus überzeugen, so bleibt am Ende nicht genug Tiefgang übrig, um sich den wirklich bedeutsamen Themen dieses Films angemessen zu widmen.

Note: 3-



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